Zeichen stehen auf Rot

Zeichen stehen auf Rot

1024 768 Klaus Henning Glitza

Im brandenburgischen Bad Belzig ist REMONDIS-Beteiligung in Sicht

 

In Bad Belzig stehen die Zeichen auf Rot. Das bedeutet aber kein Stopp, sondern ein Go und bezieht sich auf die Hausfarbe von REMONDIS, die ja bekanntlich in die Magenta-Richtung geht.

Allem Anschein nach wird der größte deutsche Entsorgungskonzern bei der Beteiligung an den derzeit insolventen Stadtwerken Bad Belzig das Rennen machen. Im Rathaus der brandenburgischen Kreisstadt (11.300  Einwohner)  steht man dem Unternehmen aus dem westfälischen Lünen schon aufgrund seiner bekannten Wirtschaftskraft positiv gegenüber. Nachdem das sonnbildliche Kind in den Brunnen gefallen ist, will man sich augenscheinlich nicht an weniger finanzkräftige Kantonisten binden.

“Schlüssiges Konzept”

Auch  Insolvenzverwalter Dr. Jürgen Spliedt hat gegen die REMONDIS-Beteiligung nichts einzuwenden. Der Berliner Anwalt spricht von einem schlüssigen Konzept  aus Lünen. Der Konzern scheint auch sein Angebot für den Erwerb des üblichen 49-Ptozent-Anteils nachgebessert zu haben. Nach EM-Informationen werden die Offerten weiterer Interessenten offenbar nicht mehr als attraktiv angesehen.

Mit Millionen in den Miesen

Die Mega-Schulden von inzwischen mehr als 35 Millionen Euro sind das Ergebnis einer abenteuerlichen Zockerei oder besser formuliert  Verzockerei. Der frühere  Geschäftsführer Hüseyin Evelek hatte sich an der Strombörse massiv verspekuliert, indem er auf sinkende Preise wettete. Einen Tag vor Heiligabend beichtete er nicht nur  seine alles andere als glückliche Hand bei den hochriskanten Warentermingeschäften, sondern gestand auch noch ein, für 2022 noch nicht genügend  Gas und Strom gekauft zu haben. Dafür sah er die rote Karte in Form einer fristlosen Kündigung und einer Strafanzeige wegen Untreue.  Die so genannte A…-Karte blieb aber auch den Stadtwerken nicht erspart.  Das Riesendefizit konnte die kleine Stadt nicht ausgleichen und musste Insolvenz in Eigenverwaltung anmelden.

BBB als Rettungsanker

Die Rettung soll in einer Bad Belzig Beteiligungsgesellschaft mbH (BBB) bestehen, an der REMONDIS wie üblich mit 49 Prozent beteiligt hat. Die Stadt wird zwar Mehrheitseigentümer sein, aber deshalb noch lange nicht in der gemeinsamen GmbH den Hut aufhaben. In diesem Fall ist das aber positiv zu sehen, denn der Kommune werden Versäumnisse bei der Kontrolle ihrer Stadtwerke und ihres Geschäftsführers vorgeworfen.

In Lünen wird die Beteiligung als Chance begriffen, sich als Part für Öffentlich-Private Partnerschaften (ÖPP) zu präsentieren. Bekanntermaßen wollen die REMONDIANER  stärker in diesen Bereich vorstoßen, da der privatwirtschaftliche Markt ziemlich abgegrast ist und größere Übernahmen kartellrechtlich heikel sind. Dagegen sind kommunale Beteiligungen den deutschen Wettbewerbswächtern entzogen und deshalb unkritisch.

Wachstum ohne Kartellrisiken

So kann der Konzern getreu seiner Unternehmensphilosophie  weiter wachsen- ohne das Bundeskartellamt fürchten zu müssen.  Mit der Vorbereitung solcher ÖPP und der Lobbyarbeit kennt sich REMONDIS bestens aus.  Bad Belzig könnte der Anfang einer neuen Einkaufstour sein. Denn kommunale Unternehmen können durchaus auch ohne Zockerei in wirtschaftliche Schieflage geraten. Gerade in einer Zeit, in der sich viele Stellschrauben verschoben haben.

EM

Oberes Bild: Weiß auf rot: die Hausfarbe von REMONDIS. Unser Bild zeigt die Niederlassung in Hildesheim. Foto: khg 

Hinterlasse eine Antwort