Weshalb in Haltern am See die Mülltonnen ungeleert stehen bleiben könnten

Weshalb in Haltern am See die Mülltonnen ungeleert stehen bleiben könnten

720 960 Klaus Henning Glitza

Der Mangel an Lkw-Fahrern nimmt in Deutschland immer bedrohlichere Ausmaße an

 

In Haltern am See könnten die Mülltonnen demnächst ungeleert stehen bleiben.  Grund dafür sind weder Corona noch die Urlaubszeit oder ausfallende Lkw. Es fehlt vielmehr an Männern und Frauen, die sich hinter das Lenkrad der rund 20.000 von Abfallsammelfahrzeuge in Deutschland setzen.

Die NRW-Stadt im nördlichen Kreis Recklinghausen ist keine Ausnahme. Der Fahrermangel wächst sich in der Abfallwirtschaft zu einem gravierenden Problem aus,   Henning Schulte-Geldermann , der für Halten zuständige Geschäftsführer von Remondis Herne, ist nicht der einige, der händeringend Lkw-Lenker sucht. In etlichen  weiteren Entsorgungsunternehmen  herrscht Alarmstufe Rot. Der Fahrermangel wächst sich in der Abfallwirtschaft zu einem gravierenden Problem aus .

Kein neues Phänomen

Das ist kein neues Phänomen,  sondern eines,  das die Branche schon seit Jahren begleitet. Hannes Oesterle, Vertriebschef  von  ALBA Süd Ltd. & Co.KG. machte schon anno 2018 auf diese Spielart des Personalnotstands aufmerksam. Und nicht nur das, er traf auch  Gegenmaßnahmen. Beispielsweise Plakate an Fahrzeugen und Betriebsstätten, Zeitungsanzeigen, Anzeigen in Internetplattformen und  Ansprache von Fahrschulen: Alles ideenreich,  gut und richtig, aber das Grundproblem konnte dadurch nicht grundsätzlich gelöst werden.

Lkw-Fahrer fehlen allenthalben- und die, sie zur Verfügung stehen,. werden heftigst umworben- wenn nicht abgeworben. „Heute wird man regelrecht hofiert und  kann man sich den besten Job aussuchen“, sagt ein Berufskraftfahrer.  Schon hört man von Spitzenlöhnen, um  Lenker anzulocken.

BDE-Präsident schaltet sich ein

Aktuell hat sich auch der Präsident des  Bundesverbandes Aktuell hat sich auch der Präsident des  BDE Bundesverbandes der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft e. V., Peter Kurth,   eingeschaltet. Der Mangel an Fahrern sei  „ein Problem, was unseren Betrieben immer stärker zusetzt” , erklärte er gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa). Er gebe erste Fälle, „dass  Entsorgungstouren mangels Fahrern nicht gemacht werden können”. Fälle, die sich in Zukunft  zu häufen drohten, warnte er.

Lage wird immer prekärer

Der Fahrermangel ist keine Randerscheinung, sondern ein Dilemma, dem die gesamte Logistikbranche ausgesetzt ist. Laut Kurth  fehlen in Deutschland 60 000 bis 80 000 Berufskraftfahrer. Von den aktiven Lkw-Lenkern gehen Jahr für Jahr 30.000 in Rente, doch  nur gut die Hälfte an Berufsanfängern rückt nach.  So wird die Lage immer prekärer.

Gefordert ist die Politik. Deshalb  hat der BDE-Chef hat an Bundesverkehrsminister Volker Wissing geschrieben und ihn um Unterstützung gebeten. Seine Vorschläge: Es müsse im Ausland massiver um Berufskraftfahrer geworben werden. Gleichzeitig müssten  die Barrieren für ausländische Fachkräfte gesenkt werden. So würden im Gegensatz zu theoretischen Prüfungen (bei denen Englisch oder andere Sprachen reichen) bei praktischen Prüfungen Deutsch-Kenntnisse vorausgesetzt, die aber nicht alle mitbrächten. Ein Abfallsammelfahrzeug könne aber auch von Personen gelenkt werden, die der englischen Sprache mächtig sind.

Lange Wartezeiten

Zudem beklagt Kurth „die langen Wartezeiten, bis eine Prüfung abgelegt werden kann“. Der Grund dafür liege darin,  dass es zu wenige Prüfer gebe. Der BDE-Präsident fordert Bürokratieabbau und die schnelle Reaktivierung ehemaliger Prüfer.

Ein weiterer Punkt ist laut Kurth, dass  theoretische Schulungen und spätere Weiterbildungen trotz  des Zeitalters der Digitalisierung als Präsenzveranstaltungen statt online stattfinden. Eine Umstellung -wie sie in anderen Ländern längst realisiert wurde-  wäre für Firmen und Fahrer „eine zeitliche, räumliche und finanzielle Entlastung”, so der  Präsident gegenüber dpa.

Warnung vor Versorgungskollaps

Die Politik hat allen Grund, schnell und umfassend zu handeln. Denn auf dem Spiel steht nicht „nur“ die Abfallentsorgung (was schon schlimm genug wäre), sondern die gesamte Versorgungssituation.  „Deutschland droht in 2-3 Jahren ein Versorgungskollaps ähnlich wie in England!“, warnte bereit im vergangenen Jahr der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL. „Wir warnen davor, dass wir auch in Westeuropa sehenden Auges in einen Versorgungskollaps laufen. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft müssen daher endlich wach werden und dem Fahrermangel in einem gesamtgesellschaftlichen Kraftakt entschlossen entgegentreten!”, so BGL-Vorstandssprecher Professor Dr. Dirk Engelhardt.

EM unter Verwendung von Material der Deutschen Presseagentur

Oberes Bild; Ein Abfallsammelfahrzeig zu lenken, ist ein anspruchsvoller Job. Gerade, wenn es um Engstellen geht. Foto: Pr, 

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