„Wer jetzt nicht aufspringt, verliert den Anschluss an die Kunden und den Wettbewerb”

„Wer jetzt nicht aufspringt, verliert den Anschluss an die Kunden und den Wettbewerb”

„Wer jetzt nicht aufspringt, verliert den Anschluss an die Kunden und den Wettbewerb” 150 150 Klaus Henning Glitza

 

Erstmals Digitalisierungsseminar des bvse / Sieben Experten informierten die Teilnehmer

 

Stieß auf große Resonanz: das Digitalisierungsseminat des bvse. Foto: bvse

In der Entsorgungsbranche habe der Digitalisierungszug längst den Bahnhof verlassen und Fahrt aufgenommen. Wer jetzt nicht aufspringe, verpasse den Anschluss an den Kunden und den Wettbewerb.  Diese  Betrachtungsweise hat der Bundesverbandes Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse) zum Anlass genommen, erstmals ein  bvse-Digitalisierungsseminar zu veranstalten.

Das Angebot stieß nach bvse-Angaben auf große Resonanz. Rund 50  Führungskräfte, Entscheider und Mitarbeiter der Fachebene waren der Einladung zum Austausch mit sieben Experten aus dem Bereich der Software- und Telematik-Dienstleistungsbranche in die Hauptgeschäftsstelle in Bonn gefolgt.

„Was für den Kunden zählt, sind Preis, Transparenz und Geschwindigkeit“, erklärte Christoph Buss von Resourcify, einem All-in-one Kundenkommunikations-Softwareanbieter für Entsorger. Der ehemalige Geschäftsführer eines mittelständischen Entsorgungsunternehmens weiß, wie wichtig die Digitalisierung der Kundenkommunikation in der Entsorgungsbranche ist. „Während eines Entsorgungsauftrags können über 60

Ksi Bembenek. Foto: bvse

mögliche Prozessschritte entstehen. Jeder einzelne kostet Zeit und Geld, was an den Kunden weiterberechnet wird. Wenn Prozesskosten in der Kundenkommunikation unverhältnismäßig teuer sind, kann man keinen wettbewerbsfähigen Preis bei höchster Geschwindigkeit und Transparenz anbieten“, erklärte der Digitalisierungsfachmann.

Trotz dieser Fakten sei zu beobachten, dass die Anpassungsgeschwindigkeit im Verhältnis zur Geschwindigkeit des Wandels in der Entsorgungswirtschaft zurzeit nur langsam steige. Zu befürchten ist, dass die Schere dazwischen in Zukunft immer größer werden könnte.

Christph Buss. Foto: bvse

Die Digitalisierungsentwicklung werde in Zukunft mit selbstlernender vernetzter Künstlicher Intelligenz (KI) noch viel weitergehen, prophezeite Jörg Boland von der sensis GmbH. Ob eigenständige Recherche nach den günstigsten Preisen, Lieferzeitoptimierung durch Auswertung von Bestell-Algorithmen oder die Übernahme von Kommunikation, beispielsweise in der Terminvereinbarung. Künstliche Intelligenz werde in viele Prozessbereiche eindringen, die derzeit oft noch analog ausgeführt werden. „Es braucht die richtigen Ideen und Geld für Investitionen“, erklärte Boland und rief die Teilnehmer auf, sofern noch nicht geschehen, digitale Kompetenz zu erwerben und sich auf agile Transformation und Change-Management einzustellen.

Jörg boland. Foto: bvse

Falsche Denkmuster könnten ein Digitalisierungs-Projekt scheitern lassen, warnte der Senior Consultant von tegos, Kai Bembenek. „Wichtig ist, alle Mitarbeiter frühzeitig im Projekt mitzunehmen, damit gemeinsame Visionen, Akzeptanz und ein gemeinsames Verständnis entstehen können, denn nicht jeder ist von „modernen Lösungen“ begeistert, gab Bembenek zu bedenken. Dennoch gehöre das Thema Digitalisierung nicht alleine in die Hände der sogenannten „IT-Nerds“. „Digitalisierung ist kein IT-Projekt“, machte Bembenek deutlich. Der größte aller Denkfehler sei jedoch, alles gleichzeitig digitalisieren zu wollen. Effektiver sei, sich auf überschaubare und erreichbare Ziel in kleinen Schritt zu fokussieren, so der Experte.

Leistungsfähige Onlineshops und ein gemeinsames digitales Netzwerk seien für regional tätige Entsorger heute ein Muss – nicht

Andreas Schmolke. Foto: bvse

zuletzt, um sich den immer aggressiver agierenden Handelsplattformen entgegenzustellen, erläuterte Martin Zimmermann von der Otto Dörner Entsorgung Hamburg.. „Es ist wichtig, dass Netzwerkpartner im Mittelstand zusammenarbeiten. Als Gemeinschaft, in der jeder einzelne Ideen einbringt, in der aber auch für jeden individuelle Lösungen bereitstehen“, sagte er. Mit dem B2B-Portal GO hat Otto Dörner Entsorgung eine individuelle Portallösung geschaffen, die via Schnittstelle mit bestehenden Warenwirtschaftssystemen (ERP) verbunden werden kann.

Frank Kaminski. Foto: bvse

Für Frank Kaminsky, Geschäftsführer des Tech-Service Anbietewr Logitize, stand fest, dass der Eintritt in die digitale Prozesswelt viele geldwerte Vorteile bringt, die die Kosten für den Service sogar noch übertreffen können. Aufwände bei Auftragserfassung, Bearbeitung, Disposition oder Fakturierung ließen sich bis zu 25 Prozent reduzieren. Portoersparnisse durch elektronische Rechnungsstellung, Einsparungen durch Fahrtoptimierungen, aber auch die Reduktion von Fehlwürfen durch Transparenz in der Disposition und weniger Verluste durch unklare Aufträge seien weitere klare Fürsprecher für digitale Geschäftsmodelle.

Jens Uwe Tonne. Foto: bvse

Die Vernetzung der Supply-Chain mit eigenen Fahrzeugen, Containern, Subunternehmern Verwertern, Abfallgefäßen und Recyclinghöfen erleichtere und beschleunige sowohl den innerbetrieblichen als auch externen Kommunikationsfluss, erklärte Jens Uwe Tonne von der Couplink AG. Durch digitale oder automatisierte Datenerfassung würden Fehlerquellen verringert. Bei der Vernetzung der Unternehmen mit Webservices spiele eine sichere Software die entscheidende Rolle. Jedes Unternehmen müsse darauf achten, mit seinen Daten zu haushalten.

Martin Zimmermann. Foto: bvse

Der einfache und jederzeit mögliche Zugriff auf Daten spiele eine ebenso wichtige Rolle., hob der Senior Consultant von S&F-Datentechnik, Andreas Schmolke,hervor. Der „analoge Aktenschrank”,  sei tot.

Das Fazit der Veranstaltung nach bvse-Angaben:  Der Siegeszug mobiler Endgeräte als Informationsbeschleuniger habe das Kundenverhalten und den Markt rasant verändert. Jederzeit bequem und einfach erreichbar zu sein, auf individuelle Gegebenheiten eingehen zu können und dabei transparent zu bleiben würden auch in der Entsorgungsbranche zu Standardvorgaben. Die Fähigkeit, auf diese Änderungen adäquat zu reagieren, sei in Zukunft entscheidend für den Geschäftserfolg.

ZI/rd

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