Wenn Klärschlämme ins Schwitzen kommen

Wenn Klärschlämme ins Schwitzen kommen

150 150 Klaus Henning Glitza

Klärschlamm-Trocknungsanlage: Erster Spatenstich in Boxberg erfolgt

 

Bis zu 200 Grad Celsius- das ist heiß, sehr heiß. Es hat also schon seine Berechtigung, wenn es in einer Veolia-Pressemitteilung heißt, das Unternehmen bringe in der Lausitz bald Klärschlämme ins Schwitzen.

Geplant ist dies in Boxberg in der Oberlausitz. Beim bis zum Doppelten der Siedetemperatur sollen hier ab 2022 jährlich rund 50 000 Tonnen Klärschlamm mit Hilfe der Abwärme getrocknet werden, die im Kraftwerk der Lausitz Energie Bergbau AG (LEAG) ohnehin anfällt. Die Klärschlämme stammen aus kommunalen Kläranlagen der Region.

Der erste Schritt dazu ist getan. Am gestrigen Dienstag erfolgte der symbolische Spatenstich für den Bau einer Anlage, in die Veolia rund zehn Millionen Euro investiert.

Symbolischer 1. Spatenstich: Veolia investiert in Boxberg / O.L. 10 Millionen Euro in eine Anlage, in der ab 2022 jährlich bis zu 50000 Tonnen Klärschlamm mit der Restwärme aus dem Kraftwerksbetrieb der LEAG getrocknet werden sollen. Foto: Veolia

Das Herz der Anlage

Herz der modernen Trocknungsanlage, die laut VEOLIA umfangreich von der Unteren Immissionsschutzbehörde des Landratsamtes Görlitz geprüft worden ist, wird eine 60 mal 15 mal 8 Meter hohe, geschlossene Halle sein, in der sich der Trockner befindet. Hier wird der nasse Schlamm durch eine große Presse gleichmäßig in dünnen Strängen auf zwei Trocknungsbändern aus Edelstahl verteilt, die den Schlamm durch die Anlage transportieren und bei bis zu 200°C trocknen. Das im Schlamm enthaltene Wasser verdampft dabei und die feuchte Trocknungsluft wird durch ein Kondensationssystem zurückgeführt. In einem etwa 25 Meter hohen Silo wird das getrocknete Klärschlammgranulat aufgefangen und kann anschließend als Ersatzbrennstoff genutzt werden.

Standortnahe Lösung

“Unser Anliegen ist es, den Kläranlagenbetreibern in der Lausitz und der Region eine standortnahe Lösung für die Klärschlammverwertung anzubieten, damit die Klärschlämme auf kurzem Wege und ressourcenschonend zu günstigen Konditionen fachgerecht und nachhaltig verwertet werden können”, sagte Laurent Hequet, Geschäftsführer der Veolia Deutschland GmbH bei dieser Gelegenheit.

Indem die Abwärme des Kraftwerkes genutzt wird, könnten die Klärschlämme ressourcenschonend getrocknet werden, so der Geschäftsführer weiter. Wertvolle Energie gehe damit nicht verloren, sondern werde genutzt”. Damit leiste Veolia gemeinsam mit der LEAG einen Beitrag, um Kreisläufe ökologisch sinnvoll zu schließen. Insgesamt rund 4,5 Millionen Kilowattstunden Energie und etwa 1 000 Tonnen CO2 können so durch die Abwärme-Nutzung jährlich eingespart werden.

Umweltfreundlicher Ersatzbrennstoff

Gleichzeitig werde aus dem Klärschlamm „ein umweltfreundlicher und energiereicher Ersatzbrennstoff hergestellt, der direkt für die Energiegewinnung im Boxberger Kraftwerk der LEAG genutzt sowie in regionalen Zementwerken verwertet werden kann“, erläuterte Hequet. Auch das trage zum Ressourcenschutz bei, verringere Transportaufwand und damit den CO2-Ausstoß.

Bei der thermischen Verwertung von Ersatzbrennstoffen und Klärschlämmen seien Veolia und LEAG seit langem verlässliche Partner und ein eingespieltes Team, hob Hubertus Altmann, Vorstand Lausitz Energie Bergbau AG und Lausitz Energie Kraftwerke AG, hervor. Nach seinen Worten findet die Verwertung „ an allen unseren Kraftwerksstandorten in Sachsen und Brandenburg statt“. Sie entlaste Kommunen und Gewerbe „in erheblichem Maße, und ebenso das Klima, weil bei der Strom- und Wärmeerzeugung entsprechend Kohlemengen reduziert werden können”.

Zukunft der thermischen Verwertung

Die Bedeutung der thermischen Verwertung von Abfällen habe auch künftig Bestand, warf Altmann einen Blick in die Zukunft. . „Deswegen sind die neue Klärschlammtrocknung und die geplante erweiterte Mitverbrennung in Boxberg ebenso wie die mit Veolia gemeinsam geplante moderne thermische Verwertungsanlage in Jänschwalde Investitionen in die Zukunft. Sie werden dabei helfen, weiterhin Entsorgungs- und Versorgungssicherheit zu gewährleisten“, sagte er.

Offene Arme signalisierte Joachim Junker, Bürgermeister der Gemeinde Boxberg O.L “Wir freuen uns über die neue Ansiedlung“, sagte er. Die Klärschlamm-Trocknungsanlage mache es den Kommunen in der Region möglich, ihre Klärschlämme ortsnah zu verwerten – ohne lange Transportwege. Letztlich trage die neue Anlage auch dazu bei, „unseren Industriestandort weiter zu sichern“. Sie „schafft neue Arbeitsplätze und sichert diese auch nach dem Kohleausstieg”.

Für den Betrieb der Anlage plant Veolia bis zu vier Arbeitsplätze. Nach 2038, wenn die letzten beiden Blöcke des Boxberger Kraftwerkes außer Betrieb gehen sollen, will Veolia die für die Klärschlammtrocknung benötigte Wärme aus regenerativen Energiequellen gewinnen.

Hintergrund

Neue gesetzliche Rahmenbedingungen schränken die Ausbringung von Klärschlamm auf Feldern künftig massiv ein. Dessen Verwertung ist daher in ganz Deutschland eine der herausragenden kommunalen Zukunftsfragen, auch in der Lausitz.  Veolia ist nach Eigenangaben seit 30 Jahren in zahlreichen deutschen Städten und Gemeinden ein verlässlicher Partner in der Daseinsvorsorge, Das Unternehmen betreibt deutschlandweit unter anderem 120 Kläranlagen und entsorgt rund 500 000 Tonnen Klärschlamm, die bei der Abwasserreinigung auf kommunalen Kläranlagen anfallen – vor allem in Sachsen und der Lausitz.

AJe/rd

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