“Weniger Systeme- das gefällt uns natürlich überhaupt nicht”

“Weniger Systeme- das gefällt uns natürlich überhaupt nicht”

“Weniger Systeme- das gefällt uns natürlich überhaupt nicht” 150 150 Klaus Henning Glitza

 Hauptgeschäftsführer des bvse zur “Hochzeit der Giganten”

 

 

“Die Branche hat in den letzten Monaten erlebt, dass sich bereits zwei duale Systeme aus dem Markt verabschiedet haben. Diese Tendenz würde sich nach der geplanten Übernahme des DSD durch Remondis sicher noch verstärken”, macht bvse-Hauptgeschäftsführer Eric Rehbock deutlich. Foto: bvse

Groß kauft groß- und wird dadurch riesig. In der -noch- vorwiegend mittelständisch geprägten Entsorgungsbranche sieht man einer Fusion von REMONDIS und dem als „Grüner Punkt“ bekannten Dualen System Deutschland mit großer Sorge entgegen. Denn die Folge der „Elefantenhochzeit“, der „Vermählung der Giganten“ könnte noch weniger Wettbewerb als bisher sein. Über dieses Thema sprach EM mit Eric Rehbock, dem Hauptgeschäftsführer des bvse-Bundesverbandes Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse), dem viele Mittelständler angehören.

EM: Der REMONDIS-Topmanager Herwart Wilms spricht davon, dass REMONDIS auch nach dem Erwerb von DSD keine marktbeherrschende Stellung einnehme? Wie bewerten Sie diese Aussage?

Eric Rehbock: Remondis unterschätzt sich hier deutlich.

EM: Der mit Abstand größte deutsche Entsorger erwirbt das größte deutsche duale System – Stichwort Elefantenhochzeit. Mit welchen Folgen müssen die anderen dualen Systeme und die Entsorgungsunternehmen überhaupt rechnen?

Eric Rehbock: Die Branche hat in den letzten Monaten erlebt, dass sich bereits zwei duale Systeme aus dem Markt verabschiedet haben. Diese Tendenz würde sich nach der geplanten Übernahme des DSD durch Remondis sicher noch verstärken. Wenn es weniger duale Systeme gibt, die Dienstleistungen der Entsorgungsunternehmen nachfragen, gefällt uns das natürlich überhaupt nicht. Erst recht nicht, wenn der Hauptkonkurrent um Entsorgungsaufträge durch sein duales System gleichzeitig zum Auftraggeber wird.

EM: Glaubt man den denkbar optimistischen REMONDIS-Aussagen, scheint das Fusionskontrollverfahren beim Bundeskartellamt nur noch eine Formsache zu sein. Es wird bereits in einer Größenordnung von rund 150 Millionen in neue Recyclingtechnik für DSD investiert. Die Sicherheit von REMONDIS erstaunt, da das Verfahren ja formal noch nicht abgeschlossen ist. Wie sehen Sie die Rolle des Bundeskartellamtes in diesem großen Prüffall?

Eric Rehbock: Wir haben den Eindruck, dass das Bundeskartellamt mit großer Ernsthaftigkeit und Sorgfalt vorgeht. Deshalb sind wir uns sicher, dass der Optimismus von Remondis mehr Wunschvorstellung als Realität ist.

EM: Herr Rehbock, herzlichen Dank für das Gespräch!

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Das Interview führte Klaus Henning Glitza

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