Was zweimal scheitert, wird endlich „gut“?

Was zweimal scheitert, wird endlich „gut“?

Was zweimal scheitert, wird endlich „gut“? 150 150 Klaus Henning Glitza

DSD-Übernahme durch REMONDIS: Es ist vollbracht-aber es bleibt trotzdem in höchstem Maße spannend

 

Es ist vollbracht. Zwei Jahre lang geisterte der Name REMONDIS in Zusammenhang mit dem DSD-Kauf durch die Medienlandschaft und durch Unternehmensflure. Zweimal wurden die Verhandlungen für gescheitert erklärt. Alles eine gut inszenierte Show, wie man heute weiß. In stillen Kämmerlein sollen sich involvierte Macher vor Lachen gebogen haben – ob der Blauäugigkeit einiger Medien und anderer Zuschauer.

Es ist vollbracht. Der Kaufvertrag ist unterschrieben. Das Ergebnis einer aufreibenden Nachtsitzung, wie man hört. Morgens um 3, wenn die Nacht sich von ihrer kältesten Seite zeigt, erfolgte das so genannte Signing. Übermüdete Teilnehmer, aber zufriedene Gesichter. REMONDIS kann seitdem das Duale System Deutschland sein Eigen nennen.  Und DSD ist die Sorge los, sich in einer never ending Story, einer endlosen Hängepartie zu zermürben.

Die Rethmänner, ist zu vernehmen, wollten den Branchenprimus haben und sich nicht mit kleineren dualen Systemen begnügen, heißt es aus informierten Kreisen zu hören. Bei anderen Rücknahmesystemen, von denen mindestens zwei zum Verkauf stehen, hätten sich die REMONDIS-Einkäufer eher gelangweilt umgesehen. Zuviel ELS, zu wenig DSD, habe ihr Urteil gelautet.

Wesentlich für die Kaufentscheidung war das Versprechen, dass ALDI bei der Stange bleibt. Dass muss mangels anderer gesicherter Informationen erst einmal so stehen bleiben. Zumindest denkwürdig ist, dass ALDI seine sonst stets in den Sommerferien auf den Weg gebrachte Ausschreibung bis heute zurückgehalten hat. Die ALDI-Pressestelle wollte sich zu diesem Punkt nicht äußern, was durchaus üblich ist, Das galt auch für die Frage, ob der Riesendiscounter möglicherweise ein eigenes Rücknahmesystem plant. Ganz so wie der direkte Konkurrent Lidl und dessen Muttergesellschaft, die Schwarz-Gruppe.

Ein Knackpunkt könnte das ökologische Image sein, mit dem sich ALDI verstärkt seit Anfang 2017 von Mitbewerbern abzusetzen sucht.  „Wir sind uns bewusst, dass auch wir als Unternehmen einen Beitrag dazu leisten können, unsere Umwelt und das Klima nachhaltig zu schonen: Daher handeln wir seit dem 1. Januar 2017 als erster großer Lebensmittelhändler in Deutschland klimaneutral“, heißt es dazu in einem ALDI-Statement. Genau aus diesen Gründen gibt es nach EM-Informationen bei ALDI Planungen, die Entsorgung und Wiederverwertung der Verpackungsabfälle in die eigenen Hände zu nehmen. Doch etwas planen heißt natürlich nicht, dass es auch zwingend umgesetzt wird.

In der Branche reichen die Reaktionen von Wut bis Resignation.  Ein Insider kommentiert: „Es gibt jetzt einen Plastikkönig von Deutschland, der von Entsorgung bis Recycling alles in den Händen hat. ‚Seine Majestät‘ hat die Müllwagen, die entsprechenden Anlagen und jetzt noch den Grünen Punkt. Eine irre Marktkonzentration. Echter Wettbewerb ade.“

Bei bvse-Bundesverband war und ist beim Jahrestreffen die Elefantenhochzeit eines der beherrschenden Themen.Für den BDE war die Nachreicht weniger ein Grund zur Sorgem denn REMONDIS ist dort Mitglied. Der Verband kommunaler Unternehmen hatte sich bereits vor Zeiten positioniert. „Das wäre in etwa so, als würde der Autokonzern Volkswagen mit Bosch Deutschlands größten Zulieferer kaufen – die Marktmacht wäre immens“, hatte VKU-Präsident Patrick Hasenkamp  die bevorstehende Übernahme eingeordnet.

Doch was in der Autoindustrie Proteststürme auslösen würde, wird beim Entsorgungsbereich in weiten Kreisen der Bevölkerung leidenschaftslos hingenommen. Es geht ja nur um Müll, also bitteschön kein Grund zur Panik. Deckel auf, Müll rein, Deckel zu? Doch so einfach läuft es im Entsorgungs- und Recyclingwesen nicht. Abfallentsorgung ist schon jetzt der Hauptposten bei den Nebenkosten. Im Zeichen grenzwertiger Mieten und für Normalverdiener unbezahlbaren Wohnraums wäre es fatal, wenn die Preise steigen. Müll ist ein Thema, keine Randnote.

Ein Korrektiv für eine sich unverhältnismäßig entwickelnde Preisentwicklung ist eine geordnete Wettbewerbssituation. Es bringt nichts, ein hohes Angebot abzugeben, wenn ein Konkurrent günstiger ist. Das Prinzip der Vielen hält die Preise im erträglichen Maß. Diese ideale Wettbewerbssituation ist in vielen Bereichen Schnee von gestern.  Es gibt etliche Gebiete, in denen nur noch ein bis zwei Bieter an öffentlichen Ausschreibungen teilnehmen. Dass sich diese unglückliche Ausgangslage durch den Zukauf von DSD bessern würde,kann noch nicht einmal der naivstee Beobachter annehmen.

Viele Hoffnungen ruhen jetzt auf der Kartellbehörde. Aus REMONDIS-nahen Kreisen heißt es jedoch, dass im Vorfeld die Übernahme „gründlichst kartellrechtlich geprüft wurde, allerdings auch Risiken gesehen werden“.

Es scheint, dass das Thema „Elefantenhochzeit“ längst nicht durch ist.

Klaus Henning Glitza

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