Was SUEZ war, wird wieder SUEZ werden

Was SUEZ war, wird wieder SUEZ werden

763 772 Klaus Henning Glitza

Rückübertragung der britischen Abfallaktivitäten / Gute Miene zum „bösen Spiel“

 

Was SUEZ war, wird wieder SUEZ werden. VEOLIA und SUEZ haben  gleichermaßen die Rückübertragung der im Rahmen der Fusion  übernommenen britischen Abfallaktivitäten von SUEZ bestätigt.

„Veolia nimmt zur Kenntnis, dass Suez S.A. (Suez) von seinem Vorkaufsrecht in Bezug auf das britische Abfallgeschäft von Vigie Gebrauch gemacht hat, und gibt den Abschluss einer einseitigen Put-Optionsvereinbarung zwischen Suez und Veolia bekannt, in deren Rahmen sich Suez verpflichtet, 100% des Aktienkapitals von Suez Recycling and Recovery UK Group Holdings Ltd. für einen Betrag von 2 Mrd. GBP zu erwerben“,  heißt es in einer aktuellen Erklärung. Vigie UK ist der Name, den Veolia den von SUEZ übernommenen Abfallaktivitäten im Vereinigten Königreich (UK) gegeben hat. Eine direkte Umbenennung in VEOLIA war vermieden worden, solange die Untersuchungen der britischen Wettbewerbsbehörde CMA andauerten.

Wie bereits berichtet, hatte SUEZ sein vertraglich vereinbartes Vorkaufsrecht ausgeübt, nachdem VEOLIA am 8. August angekündigt hatte, das Vigie UK-Geschäft an die australische Macquarie Group zu verkaufen.  Inzwischen hat  SUEZ  eine unwiderrufliche Verkaufsoption für den Erwerb der ehemaligen Abfallaktivitäten an VEOLIA gerichtet,

Ein “wichtiger Schritt”

Dies sei ein  „wichtiger Schritt in der Umsetzung der Strategie des Konzerns, wie sie vom Konsortium seiner Aktionäre genehmigt wurde“, wird in einer SUEZ-Mitteilung hervorgehoben.. Die Aktionäre von SUEZ, Meridiam, GIP, Caisse des Dépôts und CNP Assurances, hätten die Transaktion uneingeschränkt unterstützt. Auch die in Frankreich einflussreichen  Gewerkschaften von SUEZ stimmten unisono zu.

Estelle Brachlianoff. Foto: VEOLIA

VEOLIA macht gute Miene zum intern so bezeichneten „bösen Spiel“. „Der Barerlös aus den kartellrechtlichen Veräußerungen wird es uns ermöglichen, den Fremdkapitalverschuldungsgrad zu reduzieren und Veolia zusätzliche Kapazitäten zur Finanzierung des Wachstums in Märkten mit hoher Wertschöpfung zur Verfügung zu stellen”, so das Statement von Estelle Brachlianoff, Chief Executive Officer von Veolia. Konkret wird der Fremdkapitalanteil auf deutlich unter das Dreifache sinken. Die Konzernlenkerin geht mit ihrer Aussage auch auf weitere, aus kartellrechtlichen Gründen erforderliche  Veräußerungen in Höhe von insgesamt 3,4 Milliarden Euro ein.

Froh über Ausrämung der CMA-Bedenken

Der Barerlös aus der UK-Transaktion, umgerechnet 2,3 Milliarden Euro,  stelle „eine attraktive Bewertung des 16,9-fachen des bereinigten EBITDA * im Jahr 2021 dar“, freut sich die VEOLIA-Chefin. Sie sei zufrieden, dass die Rückübertragung die Hauptbedenken der britischen Wettbewerbsbehörde ausräumt. Das kann sie auch durchaus sein, denn ein Veto der Briten hätte die gesamte Mega-Fusion VEOLIA-SUEZ infrage gestellt. Jetzt kann das Closing zum Abschluss gebracht werden. Es liegt nunmehr fast zwei Jahre zurück, dass VEOLIA und SUEZ nach einer erbitterten Übernahmeschlacht ihre Pläne zur Fusion angekündigt hatten.

Mit VIGIE verliert VEOLIA zudem nur einen Teil des Geschäftes im United Kingdom. Das Inselreich werde  „eine wichtige Region für Veolia bleiben, in der wir als führender Akteur auf dem lokalen Abfallwirtschaftsmarkt mit einem Umsatz von zwei Milliarden Euro weiterhin nachhaltige und wettbewerbsfähige ökologische Transformationslösungen umsetzen werden”, so Estelle Brachlianoff.

Zuwachs bleibt unerwähnt

Bei allen Superlativen bleibt nachvollziehbarer Weise unerwähnt, dass SUEZ mit der Rückübertragung  einen erheblichen Wert- und Machtzuwachs erfährt. Bekanntermaßen ist SUEZ nach der Fusion überwiegend nur das geblieben, was aus kartellrechtlichen Gründen nicht VEOLIA komplett zugeschlagen werden konnte. Aus einem Konzern, der im Jahr 2020 er mit einem Umsatz von 17 Milliarden Euro zumindest ungefähr in Augenhöhe mit seinem historischen Konkurrenten VEOLIA war, ist  ein Schatten seiner selbst geworden. Ein  Rumpf-Konzern, den manche Beobachter noch nicht einmal für langfristig überlebensfähig hielten.

 Sabrina Soussan: SUEZ-Strategie wird gestärkt

Sabrina Soussan. Foto:. SUEZ

Der Rückkauf  der an VEOLIA eingebüßten UK-Unternehmensteile ist ein Schritt in eine andere Richtung. Mit dem Rückkauf  steigert das “neue SUEZ” seinen Jahresumsatz  von 7,5 auf rund neun Milliarden Euro, Die Anzahl der Mitarbeitenden wächst von 35.000 auf mehr als 40.000. “Das sind fantastische Neuigkeiten”, sagt Sabrina Soussan, CEO von Suez. Diese Transaktion werde “die Aktivitäten von Suez auf dem Abfallmarkt stärken und den Anteil seiner internationalen Aktivitäten erhöhen”. Um die internationale Präsenz hatte es vorher eher mau ausgesehen, Den Hauptteil seiner ausländischen Tochtergesellschaften hatte SUEZ im Zuge der Fusion an VEOLIA verloren. Kein Wunder, dass Sabrina Soussan die UK-Transaktion als wichtigen Schritt in der “Umsetzung der Strategie des Konzerns” bezeichnet, Details dieser Entwicklungspläne sollen am 27. September der Fachöffentlichkeit vorgestellt werden.

„Diese Akquisition unterstreiche „einmal mehr das Vertrauen, das das Aktionärskonsortium in Suez hat. Die Gruppe verfügt über das notwendige Kapital für ihre Entwicklung und die notwendigen Ressourcen, um gemeinsam mit ihren Kunden zu investieren“, so die SUEZ-Chefin weiter, .

Drittgrößtes Branchenunternehmen in UK

SUEZ R & R UK ist nach SUEZ-Angaben „das drittgrößte Abfallrecycling- und -verwertungsunternehmen in Großbritannien mit einer einzigartigen Position bei der Entwicklung neuer Abfallbehandlungsaktivitäten im Einklang mit den jüngsten nationalen regulatorischen Entwicklungen“. Das Unternehmen verfüge über ein Portfolio von mehr als 25.000 industriellen und kommunalen Kunden, beschäftige rund 6.000 Mitarbeiter und erwirtschafte einen Umsatz von mehr als 900 Millionen Pfund.

Zu guter Letzt: Die Rückübertragung steht unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Genehmigung  der britischen Wettbewerbsbehörde CMA.  Insider rechnen aber nicht mit massiven Widerstand.

khg

* EBITDA = Earnings Before Interest, Taxes, Depreciation and Amortization. Zu Deutsch: „Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen auf Sachanlagen und Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände“.

Oberstes Bild: Überschrift der Pressemitteilung von VEOLIA. Repro: EM

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