Was steht eigentlich in dem Flugblatt?

Was steht eigentlich in dem Flugblatt?

150 150 Klaus Henning Glitza

Auszüge aus dem Schreiben, das in der Chefetage und im Betriebsrat der EDG für Nervosität sorgt

 

Was steht eigentlich in  dem Flugblatt, das die EDG-Chefetage und den Betriebsrat dermaßen nervös macht?  „Ja, es gibt Unruhe“ ist unter anderem auf dem, der EM-Redaktion vorliegenden DIN-A4-Blatt zu lesen.

Wörtlich heißt es unter anderem:

„Sind wir Schuld,

-dass Millionen Euro bei einer Pleitebank angelegt wurden?

– eine halbe Million Euro verloren wurde, weil drei Geschäftsführer ein illegales Haus gekauft haben? *

– der von uns gewählte Arbeitsdirektor (gemeint ist Wolfgang Birk- die EM-Redaktion) in einer Nacht- und Nebelaktion gegen einen Gewerkschaftssekretär ausgetauscht wurde (…)

– Ihr (gemeint ist der Betriebsrat- die EM-Redaktion) Euch heimlich getroffen habt, um unsere Interessen zu verraten

– ein Gewerkschaftsvertreter in der Presse steht, weil er einen Kredit über eine Tochterfirma der EDG angenommen hat, die er im Aufsichtsrat kontrollieren musste. Ohne Wissen des Aufsichtsrats und der Arbeitnehmervertreter,

– ein Mitarbeiter einen Auflösungsvertrag mit Abfindung unterschrieben hat und später wieder als Abteilungsleiter eingestellt wird. Ohne die Abfindung zurückzubezahlen?

– Gesellschafter in den Medien öffentlich darüber nachdenken, Anteile an der EDG zu verkaufen?

– Betriebsräte und  Arbeitsdirektor seit Tagen in Verwaltung und in den Betriebstätten eigene Mitarbeiter mit Kündigungen bedrohen? wegen eines harmlosen Flugblatts. Ohne sich übrigens einmal mit dem Inhalt auseinanderzusetzen!!!!!!!!!!!!“

Auch der Betriebsrat hatte ein Flugblatt mit der Überschrift „Unruhe bei der EDG?“ verteilt.  Darin wird beklagt, dass es in der letzten Zeit schon fast zur Normalität geworden sei, „dass in unregelmäßigen Abständen, Zeitungsartikel und anonyme Flugblätter an die kommunale Politik über vermeintliche Missstände bei der EDG veröffentlicht werden“. Der Betriebsrat macht deutlich, dass die „Vielzahl von Pressemeldungen  den Fokus immer wieder auf die EDG lenke und den Eindruck  erwecke, „hier herrsche große Unruhe und die EDG sei deshalb kein verlässlicher Partner in der kommunalen Familie“.

Genau das Gegenteil sei aber der Fall. „Uns geht es gut. Wir sind stark. Wir gehen ohne, negative wirtschaftliche Folgen durch die Corona-Krise. Wir arbeiten in einer Zukunftsbranche. Und wir sind ein verlässlicher  Partner in der kommunalen Familie“.

Es gehe um die Zukunft der EDG, heißt es in dem Flugblatt weiter. Und: „Wir wollen die EDG auch weiterhin als kommunales Unternehmen erhalten. Dabei ist es wichtig, einige Spielregeln einzuhalten. Ganz wichtig ist in diesem Zusammenhang die Außendarstellung. Diese beeinflusst ganz wesentlich die Meinung der Menschen und damit der Politik in  Dortmund. Und genau die entscheiden am Ende über die Zukunft der EDG.“

Es solle nichts unter den Tisch gekehrt werden. wird weiter betont. „Sprecht uns als Betriebsrat vertrauensvoll,  wenn es Probleme oder Missstände bei der EDG gibt“. Es werde dann gemeinsam das weitere Vorgehen besprochen“.

„Schöne Worte“, so kommentiert es einer der EDG-Mitarbeiter

khg

* Diese Aussage bezieht sich auf den Kauf eines Grundstücks an der Hannöverschen Straße im Dortmunder Gewerbegebiet Wambel-Nord im Jahr 2020, Vorgesehen war das Areal als Parkfläche für Mitarbeiter des geplanten EDG-Betriebshofes. Alles wäre gut gewesen, hätte sich auf dem Grundstück nicht ein Haus befunden, das teilweise illegal für Wohnzwecke  (im Gewerbegebiet verboten) genutzt worden wäre, Die EDG-Gesellschafter (Stadt und DSW21) sollen erst nach der Vertragsunterzeichnung über diese Transaktion informiert worden. Die Grundkäufe der EDG kamen daraufhin auf den Prüfstand. Eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft wurde engagiert, um die Immobiliengeschäfte der zurückliegenden fünf Jahre auf Pflichtverletzungen zu untersuchen., Es ist umstritten, , ob der fragliche Kauf durch  einen Geschäftsführer (Frank Hengstenberg) oder das gesamte damals dreiköpfige Geschäftsleitungsteam abgewickelt  wurde, Wie auch immer: Weder der Geschäftsleitung noch dem Aufsichtsrat wurde bis dato Entlastung erteilt, was laut Ruhr-Nachrichten  ein sehr ungewöhnlicher Vorgang ist.

Der Hilferuf an die SPD

Einen Hilferuf an die einstigen Gründerväter und -mütter richteten EDG-Mitarbeiter bereits vor der Bundestagswahl.

Auszüge:     Man sei dabei, „unsere EDG-Familie zu zerstören, ein Erfolgsmodell, das durch die SPD gegründet wurde“. Diese Worte werden in einem mit „Die Belegschaft“ unterzeichneten Schreiben an die Dortmunder Mandatsträger der SPD gerichtet.

“Man ist dabei unsere EDG-Familie zu zerstören”, heißt es in dem Schreiben an die SPD-Ratsfraktion Dortmund. Foto: khg

Wörtlich heißt es weiter:  “Wir werden nicht mehr behandelt wie mündige Mitarbeiter, werden ‚entsorgt‘, wenn gesundheitlich angeschlagen oder nicht mehr nach Vorgabe funktionieren oder mit Repressionen bzw. arbeitsrechtlichen Konsequenzen bedroht, wenn wir z.B. Dinge hinterfragen. Arbeitsplätze für langjährige Mitarbeiter werden vernichtet oder extern vergeben.“

„Warum schaut die SPD weg??????“, wird gefragt.

Dabei gebe dem Schreiben zufolge deutliche Zeichen :

  • „260 BEM-Briefe in einer Woche
  • Über ein Viertel der Belegschaft war über 42 Tage krank
  •  Unbequeme Mitarbeiter werden gezielt krank gemacht, indem sie unter Druck (z.B. mit den Verlust des Arbeitsplatzes) gesetzt werden.“

„Wir brauchen eure Hilfe!!!!!!“, heißt es weiter. Helft ihr uns…. Dann helfen wir Euch“.

Jan-Joschka Pogadl,  Geschäftsführer der SPD-Ratsfraktion Dortmund und Pressesprecher. bestätigt den Eingang des Schreibens. Er schildert aber auch das Problem, dass das Schreiben anonym verfasst ist. So könne mit den Verfassern kein Kontakt aufgenommen werden, um die kritisierten Punkte zu klären. In der EDG stehe die SPD in gutem und ständigen Kontakt mit dem Betriebsrat und dem Arbeitsdirektor, machte der Fraktionsgeschäftsführer deutlich.

khg

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