Voraussichtlicher Millionenschaden beim Befesa-Großbrand in Hannover

Voraussichtlicher Millionenschaden beim Befesa-Großbrand in Hannover

150 150 Klaus Henning Glitza

350 Kräfte waren im Einsatz/ Erst nach gut 24 Stunden konnte „Feuer aus“ gemeldet werden

 

Voraussichtlich ein Millionenschaden ist bei einem Großbrand im Recyclingunternehmen Befesa am Brinker Hafen in Hannover entstanden. Erst nach 24 Stunden konnte das am Freitag gegen 13 Uhr   ausgebrochene Schadensfeuer  vollständig gelöscht werden. Inklusive der Reserven rund 350 Kräfte der Feuerwehr Hannover und des Rettungsdienstes im Einsatz. Etwa die Hälfte dieser Kräfte wurde in Bereitschaft gehalten.

Betroffen war das Unternehmen Befesa, das sich nach Eigenangaben „ sowohl auf das Recycling von industriellen Reststoffen aus der Stahlindustrie und Recyclingdienste für Aluminium und Salzschlacken, als auch auf zugehörige logistische und andere Industriedienstleistungen spezialisiert hat“.  Als das Feuer in einer Halle ausbrach und dann schnell auf zwei weitere Hallen übergriff,  befanden sich noch rund 25 Mitarbeitende auf dem Betriebsgelände. Sie konnten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen. Hannovers Feuerwehrchef Dieter Rohrberg zeigte sich in einem Resümee „sehr erleichtert, dass trotz der schwierigen Einsatzbedingungen keine Verletzten zu beklagen sind“.

Flammen schlugen aus dem Dach

Nachdem um 13.09 Uhr  mehrere Meldungen über eine Rauchentwicklung auf dem Dach des Recyclingbetriebes in  der Regionsleitstelle Hannover eingingen, rückten die ersten Einsatzkräfte aus.  „Bereits auf der Anfahrt der ersten Einsatzkräfte war eine starke Rauchentwicklung erkennbar“, heißt es im Einsatzbericht.  Aus einer zirka 400 Quadratmeter großen Industriehalle „quoll bei Eintreffen der ersten Kräfte dichter schwarzer Rauch und Flammen schlugen offen aus dem Dach“. Der Brand habe sich auf zwei direkt benachbarte Hallen ausgebreitet und mehrere Großtanks mit Säuren und Laugen bedroht, berichtet die Feuerwehr. Aufgrund dieser Lagefeststellung sei die Alarmstufe unmittelbar erhöht worden und es wurden weitere Kräfte nachalarmiert. Infolge der rasanten Brandausbreitung musste die Alarmstufe noch zweimal erhöht werden.

Insgesamt waren vier Löschzüge der Berufsfeuerwehr und neun Freiwillige Feuerwehren eingesetzt waren. Erste massive Löschangriffe galten dem Ziel, ein Überschlagen der Flammen,  insbesondere auch auf mehrere große Vorratsbehälter mit jeweils 30.000 Litern Chemikalien, darunter  Salzsäure und Schwefelsäure, zu verhindern.

Ein massive Rauchwolke war in weiten Teilen des Nordens von Hannover zu erkennen. Erhöhte Schadstoffkonzentrationen wurden aber laut Feuerwehr nicht nachgewiesen. Foto: Feuerwehr Hannover

Die Einsatzbedingungen bildeten auch für die routinierten Brandschützer eine echte Herausforderung. „Besonders prekär war die Situation in einem fünfgeschossigen Maschinenhallenteil, in dem sich der Brand rasant ausbreitete,  berichtet die Feuerwehr Hannover. Durch einen massiven Löschangriff konnte der Brand zwar an einer Brandwand innerhalb des Gebäudes gestoppt werden, aufgrund der offenen Bauweise der Produktionsanlagen war aber kein Innenangriff mit Atemschutztrupps mehr möglich. Die Einsatzkräfte hätten sich daher auf einen Außenangriff über stationäre Wasserwerfer, Drehleitern, Teleskopmastbühnen und das kettengetriebene Löschunterstützungsfahrzeug LUF 60 beschränkt. Erst nach drei Stunden intensiver Löscharbeiten stellte sich die Situation so dar, dass der Brand auf den betroffenen Hallentrakt der Maschinenhalle begrenzt werden konnte.

Bis 14.000 Liter pro Minute

„Da in Spitze rund 14.000 Liter Wasser pro Minute auf das Brandobjekt abgegeben wurden, musste eine umfangreiche Löschwasserversorgung aufgebaut werden. Hierzu kam unter anderem auch ein hydraulisches Spezialpumpensystem zum Einsatz, das direkt aus dem angrenzenden Brinker Hafen bis zu 8.000 Liter Wasser pro Minute in die Einsatzabschnitte förderte“, berichtet die Feuerwehr weiter.

Eine massive Rauchwolke war über weiten Teilen des Nordens von Hannovers  zu erkennen.  Die Bewohner der betroffenen Bereiche wurden aufgefordert,  Türen und Fenster geschlossen zu halten sowie Lüftungsanlagen abzuschalten.  Luftproben, die von der  Fachgruppe „Spüren und Messen“ mit  „Mitteln der Feuerwehr“ genommen wurden, hätten jedoch  keine erhöhten Schadstoffkonzentrationen ergeben. „Zur Verhinderung einer Schadstoffausbreitung über potenziell belastetes Löschwasser wird dieses aktuell in Zusammenarbeit mit der Stadtentwässerung auf dem Gelände aufgefangen und, soweit erforderlich, abgepumpt“, teilt die Feuerwehr Hannover mit.

Löscharbeiten dauerten bis Sonnabend an

Der Brand wurde am Freitag gegen 23 Uhr unter Kontrolle gebracht. Gegen Mitternacht konnte ein Großteil der Einsatzkräfte abrücken. Jedoch flackerten danach immer wieder vereinzelte Brandnester auf, so dass die letzten Kräfte der  Berufsfeuerwehr den Brandort erst am Sonnabend gegen 13:30 Uhr verlassen konnten. In den Nachmittagsstunden wurde das Brandobjekt zur Sicherheit mehrfach  im Rahmen von Brandnachschauen überprüft.

“Schneller und engagierter Einsatz”

„Die Einsatzkräfte von Berufsfeuerwehr und Freiwilliger Feuerwehr haben durch einen schnellen und engagierten Einsatz die Ausbreitung des Großbrandes auf weitere Gebäude und die Freisetzung von Gefahrstoffen verhindert“, zeigte sich Feuerwehrchef Dieter Rohrberg sehr zufrieden mit dem taktischen Vorgehen der Wehrleute zufrieden. Rohrberg  war  selbst bis spät in die Nacht an der Einsatzstelle zugegen.

Hallen einsturzgefärdet

Zur Schadenshöhe und zur Brandursache liegen noch keine Informationen vor. Die Halle, in das Feuer ausgebrochen ist, soll leer gewesen sein. Bislang konnten Brandermittler der Polizei ihre Arbeit nicht aufnehmen, da die Hallen als einsturzgefährdet gelten. EM berichtet nach, sobald neue Erkenntnisse vorliegen.

FW-H/rd/khg

Hinterlasse eine Antwort