Vom Streuautomaten in den Sandsack

Vom Streuautomaten in den Sandsack

1024 768 Klaus Henning Glitza

Mitarbeiter der Bremerhavener Entsorgungsbetriebe entwickeln ein innovatives Befüllsystem

 

Sandsäcke gehören zu den wirksamsten Schutzmaßnahmen, wenn Hochwasser naht. Sie zu befüllen, ist jedoch eine kräftezehrende Herkulesaufgabe, die mächtig auf den Rücken geht. Zwei Mitarbeiter der Entsorgungsbetriebe Bremerhaven (EBB) haben aktuell eine Methode entwickelt, die nicht nur komfortabler ist, sondern zudem Arbeitskräfte spart und die Befüllung erheblich beschleunigt.

Die Idee kam Wolfgang Juschkat, für Straßenreinigung und Winterdienst zuständiger EBB-Abteilungsleiter, und seinem Platzwart André Winter bei einer großanlegten Katastrophenschutzübung im Oktober dieses Jahres.  Eine der Aufgaben der teilnehmenden EBB bestand darin, Sandsäcke für den Hochwasserschutz zu befüllen. Hinterher wussten alle, was sie getan hatten. Und manchen erinnerte der schmerzende Rücken noch über Tage daran.

Das muss doch kräfteschonender  gehen, überlegten Juschkat und Winter. Zumal ja alles da ist, was es für eine maschinelle Unterstützung braucht. Die EBB verfügen über einen Fuhrpark von zehn Streufahrzeugen. Die Streuautomaten kommen nicht nur mit Salz, sondern auch Sand zurecht. Um  ein System für die Befüllung von Säcken zu entwickeln, fehlte nur noch nur noch eine Rutsche.  Als alles ausgetüftelt und  fertiggestellt  war, konnte der Probelauf bei den EBB angehen.

Und das „mit einem umwerfenden  Ergebnis“, wie sich Abteilungsleiter Juschkat freut. Kaum war der Knopf für die Standentleerung gedrückte, sprudelte der Sand nur so in die Säcke. Waren im Handbetrieb zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter damit beschäftigt,  pro Stunde 400 Säcke zu befüllen, schafften fünf  Mitarbeiter mit maschineller Unterstützung  nicht nur dieselbe Menge, sondern sogar  500 Säcke. Hochgerechnet auf zehn Streufahrzeuge, die  jeweils fünf Kubikmeter fassen, bedeutet das: Die EBB können pro Stunde 5.000 befüllte Sandsäcke bereitstellen. Das dürfte unerreicht sein.

Der sich daraus ergebende Effekt ist doppelt positiv. Bei der Methode Juschkat/Winter werden nicht nur Arbeitskräfte eingespart, die dann im Katastrophenschutz an anderer Stelle eingesetzt werden können. Pluspunkt Nummer 2 ist : die Zeitersparnis. Denn gerade bei Hochwasser kommt es oft auf Minuten, manchmal Sekunden an.

Ein weiterer Vorteil ist die Mobilität: Innerhalb kürzester Zeit kann der Lkw dahin verlegt werden, wo er am dringendsten gebraucht wird. Im Übrigen ist der Sand im Inneren des Fahrzeuges gut vor Witterungseinflüssen geschützt. So wird er beispielsweise nicht nass, wodurch er erheblich schwerer wird und längst nicht so gut zu schütten ist.

Kräfte- und rückenschonend und dazu noch wesentlich schneller als beim manuellen Verfahren: Ein Bremerhavener Winterdienstfahrzeug, das nicht nur streuen, sondern auch Sandsäcke füllen kann. Foto: EBB

Das Interesse  an der neuen Methode ist riesig und auch die Medien drücken sich gegenseitig die Türklinke in die Hand. Gute Nachricht: Wer den Streuautomaten für Sand nutzen möchte, kann das gerne tun.  Wolfgang Juschkat und André Winter ermuntern sogar dazu. Sie wollen ihr System, nicht zum Patent anmelden. „Ganz im Gegenteil: Die Mitarbeiter der Entsorgungsbetriebe würden sich freuen, wenn sie ihr Wissen ganz unkompliziert mit anderen Küstenstädten teilen können“, meldet das regionale TV-Format „buten un binnen“.

khg

Oberstes Bild: Die innovative Befülltechnik im Einsatz. Foto:: EBB 

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