Verpackungsrecycling im Fokus

Verpackungsrecycling im Fokus

150 150 Klaus Henning Glitza

Kooperationsveranstaltung: Experten informierten mehr als 160 Teilnehmer

 

Vom Verpackungshersteller über die Analyse der Verpackungen bis zur Sortierung und innovativen, digitalen Informationssystemen zur Optimierung der Sortierung. Dieses breite Spektrum zum Thema Verpackungsrecycling entlang der Wertschöpfungskette bildeten vier Experten vor mehr als 160 Teilnehmern  bei einer Kooperationsveranstaltung der Deutschen Gesellschaft  für Abfallwirtschaft und des RECYCLING magazins ab.

 Zunächst stellte Stefan Dierks, Director Sustainability Strategy, Melitta Group Management GmbH & Co. KG die Situation aus Sicht eines Verpackungsherstellers und Inverkehrbringers dar. Melitta hat sich zum Ziel gesetzt, das „New Plastic Economy Global Comittment“ der Ellen McArthurs Foundation zu unterzeichnen und setzt bereits heute verschiedene Rezyklate in den Produkten ein. In der Diskussion erklärte Dierks, dass auch chemisch recycelte Polymere für Food-Folien bereits in einem Projekt mit Sabic zum Einsatz kamen.

Die “Einflussfaktoren”

Sonja Bähr, Packaging Analyst bei der Tilisco GmbH, stellte die vielen „Einflussfaktoren“ auf eine Verpackung dar: Vom Produkt, über den Packstoff und das Packmittel, das Marketing, die gesetzlichen Vorgaben, die maschinellen Anforderungen im Verpackungsprozess, die leichte Transportierbarkeit und neuerdings auch noch die Recyclingfähigkeit und die Nachhaltigkeits-Forderungen der Konsumenten. Die Referentin führte diverse gute und weniger gelungene Verpackungsbeispiele vor Augen.

Versprechungen der Werbung

Aber was ist eine nachhaltige Verpackung? Zwischen Convienience, Branding und Sustainability hat es der Konsument schwer, die richtige Entscheidung zu treffen, vor allem wenn die Werbung viel Nachhaltigkeit verspricht, die nicht immer haltbar ist. Was wirklich zu recyceln ist und was vor allem vorher auch sortierbar ist, stellte Stefan Böhme, Geschäftsführer, Böhme GmbH Wertstofferfassung eindrücklich in seinem Vortrag dar.

Böhme betreibt eine moderne Sortieranlage und kann dort nach Eigenangaben  sehr gut die gängigen Polymere PE, PP, PS, PET Flaschen sowie Weißblech, Alu und Getränkekartons sortieren. Schwieriger wird es bei den sogenannten „Biokunststoffen“, PET-Schalen, vollflächig papierbeklebte Becher, Steingut, Netze, Multilayerfolien, technische Kunststoffe (meist Duroplaste) und natürlich die Fehlwürfe. Von denen gebe  es leider immer mehr, so Böhme. Diese und die nicht sortierfähigen Verpackungen landeten dann als Sortierreste in der thermischen Verwertung; häufig als Ersatzbrennstoffe in der Zementindustrie.

Die Mischfraktionen

Die aussortierten Polymere fielen meist nicht sämtlich in Monofraktionen, sondern auch in Mischfraktionen an, zum Beispiel gemischte Polyolefine an. Die daraus mechanisch recycelten Polymere können jedoch meist nur noch zur Herstellung von Rohren et cetera. genutzt werden. Verpackungen werden nicht wieder daraus, machte Stefan Böhme deutlich.

Speichern der Inhaltsstoffe

Wäre also eine präzisiere Sortierung die Lösung? Dr. Benedikt Brenken, Reifenhäuser GmbH & Co. KG Maschinenfabrik, hat dazu mit seinem Team das Projekt R-Cycle aufgelegt. Durch das digitale Speichern der Inhaltsstoffe der Verpackungen, könnten die Polymersorten noch besser unterschieden werden und so reinere Rezyklate entstehen. Das konnte laut Dr. Brenken in verschiedenen Pilotprojekten belegt werden. Die Datenübermittlung erfolge über den EPCIS Standard der GS1. Doch eine Multilayerfolie werde man auch damit nicht trennen können.

Trennung in den Haushalten

Die richtige Trennung zuhause sei deshalb eine wichtige Voraussetzung für eine bessere Sortierbarkeit und dann auch Rezyklierbarkeit. Wenn der Verbraucher den Aludeckel nicht vom Joghurtbecher abreißt, könne das die Sortieranlage auch nicht leisten.

Wichtiger Faktor Aufklärung

In der anschließenden Diskussion im Chat und mit den Referenten wurde immer wieder klar, wie wichtig Aufklärung und die Gespräche entlang der Wertschöpfungskette sind. Auch das Thema chemisches Recycling wurde mehrfach angesprochen. „Wir bleiben dran und werden die Veranstaltung sicher wiederholen“, teilt dazu DGAW-Geschäftsführerin Isabelle Henkel mit.

Die nicht beantworteten Fragen aus dem Chat, wird das RECYCLING magazin in der März Ausgabe in einem Artikel aufgreifen.

IsH/rd

Link:

DGAW e.V., www.dgaw.de

Hinterlasse eine Antwort