Umweltschutz aktuell 1-11/2018i

Umweltschutz aktuell 1-11/2018i

150 150 Klaus Henning Glitza

Zu viel Nitrat und Quecksilber in  Bächen und Flüssen sowie im Grundwasser / “Zustand  der  Gewässer flächendeckend prekär”

 

Nur acht Prozent der deutschen Bäche und Flüsse seien noch „ökologisch intakt“, Diese auf offiziellen Behördendaten basierende Bilanz zieht der World Wide Fund For Nature (WWF). „Der Zustand deutscher Gewässer ist flächendeckend prekär“, fasst die Umweltschutzorganisation das Ergebnis ihrer Untersuchung zusammen.
„Zu viel Nitrat und Quecksilber, hinzu kommen Begradigungen, Vertiefungen, Wehre und Stauanlagen Auch ein Drittel der Grundwasservorkommen sei in „schlechtem chemischem Zustand“. Es sei zu  lange weggesehen worden, “wenn weite Teile der Industrie und des Agrarsektors auf Kosten unseres Wassers gewirtschaftet haben“, beklagte WWF-Vorstand Christoph Heinrich am Montag vor Journalisten. Das Problem sei allzu lange verschleppt worden. Dringend notwendig seien jetzt „mehr Geld, mehr Personal und vor allem der politische Wille, unser Wasser zu schützen.“
Laut WWF gebe es große Unterschiede zwischen den Bundesländern. Rheinland-Pfalz, Bayern oder Schleswig-Holstein bildeten zwar die Spitzengruppe beim Wasserschutz, doch auch sie blieben weit hinter den gesetzlichen Vorgaben der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) zurück. Sie seien nur „die Einäugigen unter den Blinden“, so formulierte es Heinrich. Zum Mittelfeld gehörten Hessen, Thüringen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Saarland, und Baden-Württemberg. Nachzügler seien Berlin, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Sachsen. Eine Bewertung für Hamburg und Bremen war dem WWF zufolge nicht möglich. Beide Länder hätten ihre Fließgewässer alle als „erheblich beeinträchtigt“ eingestuft, so dass keine natürlichen Fließgewässer mehr in Bremen und Hamburg vorkämen.
Die Quecksilberbelastung, die „vor allem eine Folge der massiven Kohlestromerzeugung in Deutschland“ sei, liege beinahe flächendenkend über den in der Wasserrahmenrichtlinie festgeschrieben Grenzwerten. „Derartige Überschreitungen führen zu einer Gefährdung der Gewässerorganismen und der menschlichen Gesundheit“. Jahrzehntelang wurden selbst kleinste Fließgewässer unter Ingenieursgesichtspunkten begradigt und damit ihrer „ökologischen Seele“ beraubt.
Bei der laufenden regulären Überprüfung der WRRL müsse Deutschland sich auf EU-Ebene für den Erhalt des heutigen Rechtsrahmens offensiv aussprechen. Die Bestrebungen auf EU-Ebene – auf Drängen von Industrie-Lobby und einigen Mitgliedstaaten – die Zielvorgaben der Wasserrahmenrichtlinie aufzuweichen, Fristen zu verlängern und damit insgesamt den Wasserschutz zu schwächen bezeichnete Heinrich als „absolut kontraproduktiv und gefährlich“. Außerdem forderte er angesichts der Nitrat- und Quecksilberbelastung eine Wende in der Landwirtschaft und einen zügigen Ausstieg aus der Kohlestromerzeugung.
jh

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