Umweltinfo aktuell 01-07/2019

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150 150 Klaus Henning Glitza

Greenpeace-Aktion: Hallendach von Amazon aus Protest geentert

 

Sonntag, gegen Mitternacht. Eine Aktion wie aus einem Thriller. Aus Protest gegen die Vernichtung zurückgesandter neuer Waren sind 40 Greenpeace-Aktivisten auf das Dach des Amazon-Logistikzentrums in Winsen an der Luhe (Landkreis Harburg, Niedersachsen) geklettert.

Dabei wurde in luftiger Höhe eine aus Versandkartons bestehende 27 Meter lange Installation mit dem Schriftzug „Für die Tonne“ aufgebaut. Außerdem wurde das Logo des Onlinehändlers mit Bannern zum Hashtag „#amazoncrime“ versehen. Die spektakuläre Aktion stand nach Greenpeace-Angaben im Zusammenhang mit dem zweitägigen Prime Day, an dem besonders viele Bestellungen erfolgen und somit auch vermehrt Retouren anfallen.

Eine 27 Meter lang Installation aus Versandkartons errichteten die Greenpeace-Aktivisten auf dem Dach des Amazon-Logistikzentrums im niedersächsischen Winsen an der Luhe- Die Polizei setzte auf Deeskalation und nahm von einer Räumung des Daches Abstand. Foto: Greenpeace

Greenpeace bezieht sich auf Recherchen von „ZDF Frontal“ und dem Magazin „Wirtschaftswoche“, denen zufolge so genannte Entsorgungs-Teams an deutschen Amazon-Standorten „pro Person täglich Waren im Wert von bis zu 23.000 Euro schreddern“. „Jeden Tag werden bei Amazon tausende neuwertiger Waren zerstört. Das ist ein Skandal“, so der Kommentar von Viola Wohlgemuth, Expertin für Konsum bei Greenpeace. Die Wegwerfmentalität der Versandhändler sei ein Schlag ins Gesicht für den Klimaschutz. In jedem einzelnen sinnlos zerstörten Produkt steckten wertvolle Ressourcen”, so Wohlgemuth. Die Bundesregierung müsse „diese klimaschädliche Verschwendung von Ressourcen schnellstmöglich gesetzlich stoppen“, so Viola Wohlgemuth

Ziel der Aktion war es auch, mit dem Amazon-Management ins Gespräch zu kommen.  Offenbar eine vergebliche Hoffnung. Amazon-Pressesprecher Eric Wallis, der vor Ort in Winsen war, erklärte auf EM-Anfrage, dass zwar zwei Pressesprecherinnen mit den Aktivisten gesprochen haben, nicht aber Mitglieder der Geschäftsleitung.

Bislang habe Amazon keine konkreten Zahlen zu Rücksendungen und vernichteter Ware offengelegt, beklagt Greenpeace. „Amazon darf das schmutzige Geheimnis zerstörter Retouren und Lagerbestände nicht länger verheimlichen“, so formuliert es Viola Wohlgemuth. „Die Kunden hätten ein Anrecht darauf zu erfahren, „wie viele der zurückgesendeten Produkte voll funktionstüchtig zerstört werden.“

Der Protest der zuletzt noch 36 Aktivisten wurde am vergangenen Dienstag pünktlich um Mitternacht nach 56-stündigem Protest beendet. Wie Konsum-Expertin Wohlgemuth betont, hätten -während die Chefetage schweige- hätten „Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Konzerns den Greenpeace-Aktivisten während der vergangenen zwei Tage viel Zuspruch hier in Winsen und deutschlandweit entgegengebracht.“

Die Greenpeace-Aktion war nicht der erste Vorstoß in Richtung Ressourcenschutzgesetz. Bereits im Januar überreichte die Umweltschutzorganisation dem Bundesumweltministerium eine Petition mit 145.000 Unterschriften, in der ein Zerstörungsverbot neuwertiger Waren nach dem Vorbild Frankreichs gefordert wurde. „Ressourcenschutz ist Klimaschutz und sollte von Frau Schulze endlich ernst genommen werden.“, so Viola Wohlgemuth.

Wenig Verständnis für die Greenpeace-Aktion zeigte Amazon-Pressesprecher Thorsten Schwindhammer. „Diese Art von Protest ist illegal und gefährdet unnötig alle Beteiligten und unsere Mitarbeiter. Wir arbeiten mit der Polizei vor Ort zusammen, um die Sicherheit der Mitarbeiter und des Gebäudes zu gewährleisten. Wir prüfen rechtliche Schritte gegen die Organisatoren der Aktion.“

Nach EM-Information hat das Versandhaus Anzeige wegen Hausfriedensbruchs gestellt. Die Polizei setzte auf Deeskalation und verweigerte sich offenbaren Forderungen, das Dach räumen zu lassen.

Amazons Ziel sei es, „dass Kunden mit ihren gekauften Produkten rundum zufrieden sind“, erklärte Pressesprecher Schwindhammer weiter. Aber Retouren kämen vor, „falls Kunden einen gekauften Artikel einmal nicht verwenden können oder ihre Meinung geändert haben“. Bei Amazon werde der überwiegende Teil der retournierten Waren – je nach Zustand – an andere Kunden oder Restpostenhändler weiterverkauft, an die Hersteller zurückgegeben oder an gemeinnützige Organisationen gespendet. „In bestimmten Fällen können wir Produkte jedoch nicht weiterverkaufen oder spenden, z.B. aus Sicherheits- oder Hygienegründen. Wir arbeiten intensiv daran, die Anzahl dieser Produkte auf null zu senken“, kündigte Schwindhammer an.

khg

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