Treibhausgase: Ein spezifisches Instrument der bonnorange AöR

Treibhausgase: Ein spezifisches Instrument der bonnorange AöR

150 150 Klaus Henning Glitza

 

Vorständin Kornelia Hülter stellte die THG-Matrix  System 13 Betrieben vor

 

Der Klimarelevanz mehr Gewicht beizumessen und durch nachhaltige Abfallwirtschaft den Klimaschutzzielen der Bundesstadt Bonn Rechnung zu tragen, das ist nach Eigenangaben das  Credo  der bonnorange AöR. Um dieses strategische Ziel  auf praxistaugliche Weise zu erreichen,  wurde im vergangenen Jahr  ein Treibhausgas-spezifisches Entscheidungsinstrument namens THG-Matrix entwickelt.

iese Matrix gibt einen Überblick über die Emissionsentlastungen und -belastungen sowie die jeweiligen Nettoergebnisse je Abfallfraktion. Um die Vergleichbarkeit unterschiedlicher Treibhausgase zu ermöglichen, wurde auf CO2-Äquivalente (CO2-Äq) je Tonne (Mg) Abfall umgerechnet. Im Ergebnis kann  die Abfallwirtschaft in Bonn – von der Sammlung der Abfälle im Hol- und Bringsystem, die Verwertung, zum Beispiel durch die Rheinischen-Entsorgungs-Kooperation (REK), bis zum Sekundärprodukt – mit insgesamt 45.343 Tonnen CO2-Äquivalenten entscheidend zur Entlastung beitragen.

Doch bonnorange betrachtet auch die Treibhausgasemissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette der einzelnen Abfallarten. So lässt sich feststellen, dass die Entlastung dann höher ist, wenn Abfälle abgeholt werden, anstatt dass sie von den Bonnerinnen und Bonnern mit einem Auto angeliefert werden.

Wird auch unter Klimaschutzaspekten betrachtet: die Abfallsammlung in Bonn (hier am Frankenbad). Foto: bonnorange

Als Beispiel kann hier der Beistellsack von bonnorange dienen, der verwendet werden sollte, um Mehrmengen beim Restabfall bequem abholen zu lassen, statt die Abfälle selbst am Wertstoffhof anzuliefern. Doch auch bei der Abfuhr könnten durch die Umstellung auf eine 100-prozentige Sammlung des Altpapiers über die Blaue Tonne die CO2-Emissionen reduziert werden. Denn die zusätzliche Bündelsammlung erhöht den Kraftstoffverbrauch durch die höhere Anzahl der Stop-and-go-Vorgänge. Auch in Bezug auf den Arbeitsschutz und die Arbeitsbelastung ist die Variante eines behältergestützten Holsystems vorzuziehen. Als Entscheidungsinstrument hilft die THG-Matrix also auch bei der Ausgestaltung bestehender und zukünftiger Services der bonnorange AöR.

„Uns allen ist bewusst, dass Klimaschutz vor Ort in die Praxis umgesetzt wird“, geht die Vorständin der bonnorange AöR, Kornelia Hülter, auf den Grundgedanken der THG-Matrix ein. „Als bonnorange AöR wollen wir die Zukunft Bonns fortschrittlich und nachhaltig gestalten. Dafür brauchen wir neue Entscheidungsinstrumente, die unsere Treibhausgasbe- beziehungsweise -entlastung entlang der Wertschöpfungskette in den Entscheidungsprozess integrieren.“

Die Vorständin stellte die THG-Matrix am gestrigen Donnerstag in einem virtuellen Vortrag der „Erfata-Runde“ vor. Dieser Erfahrungsaustausch mit aktuell 13 Betrieben aus Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen existiert seit 2006 und wird von der INFA GmbH organisiert. Ziel der „Erfata-Runde“ ist ein gezielter, offener und vertrauensvoller Austausch zu allen aktuellen Themen der Branche.

Um dies in der strategischen Unternehmensführung mit einem praxistauglichen Instrument zu integrieren, hat bonnorange im vergangenen Jahr die THG-Matrix entwickelt. „Der Verwaltungsrat hat die Erstellung der THG-Matrix als Entscheidungsinstrument von Anfang an befürwortet“, erläutert Helmut Wiesner, Vorsitzender des Verwaltungsrates der bonnorange AöR, rückblickend. „Wir freuen uns, dass wir als kommunales Unternehmen unser Wissen mit Branchenexperten aus Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen teilen können.“

Kornelia Hülter stellte die THG-Matrix am gestrigen Donnerstag im Rahmen der „Erfata-Runde“ vor. Dieser Erfahrungsaustausch mit aktuell 13 Betrieben aus Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen existiert seit 2006 und wird von der INFA GmbH organisiert. Ziel der „Erfata-Runde“ ist ein gezielter, offener und vertrauensvoller Austausch zu allen aktuellen Themen der Branche.

„Wir freuen uns, dass wir als kommunales Unternehmen unser Wissen mit Branchenexperten aus Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen teilen können“, so Helmut Wiesner, Vorsitzender des Verwaltungsrates der bonnorange AöR. Das Gremium hatte  die Erstellung der THG-Matrix als Entscheidungsinstrument von Anfang an befürwortet.

THG-Emissionen sind Bestandteil aller wichtigen Berichtssysteme wie der Global Reporting Initiative, dem Deutschen Nachhaltigkeits-Kodex oder dem VKU-Leitfaden für Nachhaltigkeitsberichte in der kommunalen Abfallwirtschaft. Gegenüber dem klassischen „Fußabdruck“ betrachtet die Ökobilanzmethode der Abfallwirtschaft (in Anlehnung an ISO 14040/44) nicht nur direkt verursachte Emissionen, sondern auch durch abfallwirtschaftliche Aktivitäten vermiedene Emissionen. Die Methode erlaubt eine ganzheitliche Betrachtung des Sektors Abfall. Der Bilanzraum beginnt bei der Entstehung des Abfalls und endet mit der Beseitigung oder Bereitstellung von Produkten (Sekundärrohstoffe, Energie). Die so generierten Substitutionspotenziale werden in Form von Gutschriften angerechnet und beschreiben Emissionen, die in anderen Sektoren – Industrie, Energiewirtschaft – potenziell vermieden werden.

Für die THG-Matrix der bonnorange AöR wurden verschiedene Abfallfraktionen in der Stoffstromanalyse  hinsichtlich der Sammelsysteme, Transportwege, Abfallmengen, Verwertungswege und Abfallbehandlungsanlagen betrachtet. Parallel zum Ist-Stand (Jahr 2019) sind hausintern diskutierte, alternative abfallwirtschaftliche Varianten auf ihre Klimarelevanz hin bewertet worden. Kern der berechneten Modelle sind Emissionsfaktoren für Strom, Wärme, Brennstoffe, Transporte etc. und Wirkungsgrade thermischer Nutzung, die auf einer breiten Literaturrecherche fußen und mit Fachexpertise interpretiert werden. Bei der Erstellung wurde bonnorange von den Beratungsunternehmen N³-Nachhaltigkeitsberatung Dr. Friege & Partner und dem ifeu-Institut für Energie- und Umweltforschung gGmbH unterstützt.

BO/rd

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