Studie belegt: Einwegplastik und Zigarettenkippen kosten Kommunen jährlich rund 700 Millionen Euro

Studie belegt: Einwegplastik und Zigarettenkippen kosten Kommunen jährlich rund 700 Millionen Euro

150 150 Klaus Henning Glitza

 

Analyse des VKU wurde heute in Berlin vorgestellt / Erstmals Mengen und Kosten der Vermüllung ermittelt

 

Jährlich rund 700 Millionen Euro zahlen Deutschlands Städte und Gemeinden, um Parks und Straßen von Zigarettenkippen, To-Go-Bechern und anderen Einwegplastik-Produkten zu reinigen sowie öffentliche Abfallbehälter zu leeren und die Abfälle zu entsorgen. Dies ist das erschreckende Ergebnis einer Studie des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU), die Bundesumweltministerin Svenja Schulze und VKU-Präsident Michael Ebling heute in Berlin vorstellten.

Allein auf die Entsorgung von Zigarettenkippen entfallen rund 225 Millionen Euro. Für die Entsorgung von To-Go-Bechern aus Plastik müssen rund 120 Millionen Euro pro Jahr aufgewendet werden.

 „Bisher müssen alle Bürgerinnen und Bürger über ihre Steuern und Gebühren für die Reinigung von Straßen und Parks zahlen“, verdeutlichte die Bundesumweltministerin die gegenwärtige Situation. Es sei nur gerecht, „wenn wir künftig die Kosten anders verteilen, die Bürger entlasten und im Gegenzug die Einwegplastik-Hersteller zur Kasse bitten“.  Neben mehr Kostengerechtigkeit sollte aber auch ein Plus für die Umwelt dabei herauskommen, so die Ministerin weiter. „Ich bin dafür, dass das neue System die Kommunen auch dabei unterstützt, mehr Reinigungspersonal einzustellen, neue Kehrmaschinen anzuschaffen oder zusätzliche Papierkörbe und Aschenbecher aufzustellen.“

Die VKU-Studie, die erstmals repräsentative und aktuelle Zahlen zu den Reinigungs- und Entsorgungskosten der Kommunen zur Verfügung stellt und nach den unterschiedlichen Abfallarten aufschlüsselt, bezeichnete Svenja Schulze als solide Datenbasis.

Weitere Schritte müssten nach ihren Worten jetzt folgen, bevor dieses neue System an den Start gehen kann: eine gesetzliche Grundlage durch den Bundestag, Leitlinien der EU-Kommission und Gespräche mit den Einwegplastik-Herstellern. „Die gute Nachricht ist: Ein Teil des Einwegplastiks wird bereits im nächsten Sommer aus den Parks verschwinden: Denn dann tritt das Verbot von Plastiktellern und -besteck, Strohhalmen und Styroporbechern in Kraft“, so die Umweltministerin.

 Die Ergebnisse verdeutlichten das Ausmaß der Mengen an Plastikabfällen, die im öffentlichen Raum anfallen, hob Michael Ebling, VKU-Präsident und Oberbürgermeister von Mainz, hervor. Die in der EU-Kunststoffrichtlinie definierten Einwegkunststoffe machten einen signifikanten Anteil an der Gesamtabfallmenge aus. Im bundesweiten Mittel erreichten diese Kunststoffe einen Volumenanteil von 20 Prozent.

Ebeling: „Für saubere und lebenswerte Städte und Gemeinden zu sorgen, ist einer der Grundpfeiler der kommunalen Daseinsvorsorge. Bisher wird das vollständig über Straßenreinigungsgebühren oder die kommunalen Haushalte finanziert und damit auf die Allgemeinheit abgewälzt. Dass in Zukunft die Hersteller bestimmter Einwegprodukte finanziell für die Folgen ihrer umweltschädlichen Geschäftsmodelle aufkommen sollen, ist ein wichtiger Schritt hin zu mehr Gerechtigkeit bei der Verteilung der Kosten.“

Hintergrund:

Nach VKU-Angaben entsorgen die kommunalen Stadtreiniger pro Einwohner und Jahr in Deutschland knapp 140 Liter Straßenmüll. Das ist die Menge, die in Straßenpapierkörben, auf der Straße oder im Gebüsch landet. Ein Großteil dieser Abfälle sind mit mehr als 40 Prozent Produkte aus Einwegplastik und Verpackungen. Knapp 50 Prozent des Volumens besteht aus Grünabfällen, Straßensplit oder Sand.  Das sind Abfälle, die umweltbedingt anfallen oder aus dem Winterdienst stammen und sich damit nicht vermeiden lassen.

Einwegkunststoffe wie To-Go-Lebensmittelverpackungen oder Zigarettenkippen machen knapp 20 Prozent des Volumens aus. An den Kosten für die Beseitigung und Entsorgung dieser Kunststoffe im öffentlichen Raum sollen gemäß europäischer Einwegkunststoff-Richtlinie künftig die Hersteller in Zukunft finanziell beteiligt werden. Diese Kosten lassen sich im deutschlandweiten Durchschnitt laut Studie auf rund ein Viertel der gesamten Entsorgungskosten beziffern.

Für die repräsentative Studie wurden in 20 ausgewählten Klein-, Mittel- und Großstädten in Deutschland Abfälle aus Straßenpapierkörben und Kehricht analysiert und auf dieser Basis deren Entsorgungskosten ermittelt. Die Studie wurde im Auftrag des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) vom INFA-Institut für Abfall, Abwasser und Infrastruktur-Management durchgeführt.

Die Studie kann auf der Website des VKU

https://www.vku.de/presse/pressemitteilungen/archiv-2020-pressemitteilungen/einwegplastik-und-zigarettenkippen-in-der-umwelt-kosten-kommunen-jaehrlich-700-millionen-euro/

heruntergeladen werden.

EM/rd

 

 

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