STEAG: Wird möglicherweise „getrickst“?

STEAG: Wird möglicherweise „getrickst“?

STEAG: Wird möglicherweise „getrickst“? 150 150 Klaus Henning Glitza

 

Insider sprechen von einer kaum nachvollziehbaren Wertberichtung in dreistelliger Millionenhöhe

 

Wird möglicherweise beim potenziellen Verkauf von Stadtwerke-Anteile  an der STEAG GmbH „getrickst“? Diesen Verdacht lässt laut Insidern eine außerplanmäßige Wertberichtigung in der  jüngsten Bilanz der Kommunale Verwaltungsgesellschaft GmbH (KSBG) aufkeimen. Im Jahresabschlussbericht dieser Gesellschaft,  die 100 Prozent der STEAG-Anteile hält,  ist diese auf den ersten Blick nicht nachvollziehbare Wertberichtigung mit 128 Millionen Euro beziffert- Zufall oder nicht:  Dieser Betrag entspricht genau dem gezeichneten Eigenkapital der STEAG.

Folgt man  Katharina Goß von der  KSBG ist das eher Zufall.  „Die Deckungsgleichheit der Beträge der außerplanmäßigen Wertberichtigung der Beteiligung an der STEAG GmbH und der Höhe des gezeichneten Kapitals der STEAG GmbH sind inhaltlich nicht miteinander korreliert“, teilt die Assistentin der Geschäftsführung auf EM-Anfrage mit. Die außerplanmäßige Abschreibung spiegele „die Entwicklung in der deutschen Kraftwirtschaft wider“.

Die Frage eines kunstvollen Herunterrechnens bleibt dennoch offen. Denn während die STEAG, von einigen Medien als ökonomischer Risikofaktor mit geradezu schwindelerregenden Umsatzverlusten bewertet wird,  sprechen die offiziellen Geschäftszahlen ganz eine andere Sprache. 2018 erzielte die STEAG einen Gewinn von satten 45 Millionen Euro. Allen Widrigkeiten zum Trotz. Das  klingt nicht nach einem „sinkenden Schiff“, das man alsbald verlassen sollte.

Das sieht auch Markus Hennes,  Leiter Unternehmenskommunikation der STEAG, so. Die „wiederholten Berichte über das Kaufinteresse von Wettbewerbern und Finanzinvestoren“ belegten, „dass STEAG werthaltig ist.“ Das steht im Einklang mit Finanzexperten, die dem  Energieriesen aus Essen ein „gewaltiges Potenzial“ bescheinigen.

Wäre es anders, würden die Kaufinteressenten vermutlich nicht Schlange stehen. In der Tat ist das  Interesse an Deutschlands fünftgrößten Energieversorgungsunternehmen STEAG ist nach wie vor bemerkenswert groß. Wie bereits berichtet, haben neben Wettbewerbern, dem REMONDIS-Konzern auch Finanzinvestoren, unter ihnen dem Vernehmen nach McQuarie. starkes Interesse an dem Essener Konzern bekundet. Abgesprungen ist wohl von den wirklich solventen Bietern niemand, eher sind noch Interessenten hinzugekommen. Für Branchenkenner ist allein das ein Beleg dafür, dass die STEAG alles andere als ein nicht zukunftsfähiges Unternehmen ist.

Inzwischen wird auch immer deutlicher, dass der STEAG-Exit der Stadtwerke keinesfalls eine beschlossene Sache ist, wie es in einigen Medien vermeldet wurde. Bekanntermaßen sind die  kommunalen Unternehmen Dortmunder Stadtwerke Aktiengesellschaft (36 Prozent), Stadtwerke Duisburg Aktiengesellschaft (19 Prozent). Stadtwerke Bochum Holding GmbH, (18  Prozent), Stadtwerke Essen Aktiengesellschaft (15 Prozent), Energieversorgung Oberhausen (sechs Prozent), 15 % und Stadtwerke Dinslaken (sechs Prozent) Gesellschafter. Nur Essen(wir steigen aus)  und Dortmund (wir bleiben dabei) haben sich  eindeutig positioniert.

So spricht denn auch Felix zur Nieden, Pressesprecher der  Duisburger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft mbH, lediglich von „Überlegungen zur Auswahl und Aufnahme neuer Gesellschafter“, die in der KSBG angestellt werden. „Der Gesamtprozess soll einvernehmlich mit allen Anteilseignern der KSBG realisiert werden. Mit einem finalen Abschluss des gesamten Verfahrens ist nicht vor 2020 zu rechnen“, teilt er auf EM-Anfrage mit.

„Das Stadtwerke-Konsortium ist offen für Partnerschaften und wird nun Überlegungen zur Aufnahme neuer Gesellschafter anstellen“, antwortet Wolfgang Kammann. Abteilungsleiter . – Öffentlichkeitsarbeit / Externe Kommunikation bei den Stadtwerken Dinslaken  auf die EM-Anfrage. „Sollten diese Überlegungen konkret umgesetzt werden, kann auch entschieden werden, welche der bisherigen Gesellschafter innerhalb der KSBG verbleiben werden. Der in einigen Medienberichten erweckte Eindruck, dieser Prozess sei bereits abgeschlossen, ist nicht korrekt“.

Ähnlich äußert sich auch Christian Seger von der Unternehmenskommunikation der Stadtwerke Bochum Holding GmbH.

Die Energieversorgung Oberhausen (EVO) blieb dagegen trotz mehrerer Erinnerungen stumm. Aus dem Hause EVO war aber zu hören, dass das Thema als extrem sensibel betrachtet wird. So sensibel, dass man Grund hat, Medienanfragen beharrlich auszusitzen? Wichtiger noch ist aber, dass EVO seinen Kunden, den Bürgern. mögliche Fragen beantworten kann.

Aus informierten Kreisen verlautet, dass REMONDIS der heimliche Favorit des Bieterwettbewerbs ist. Möglichweise ist das karge Anfangsangebot, ein Euro für die gesamte STEAG plus Übernahme der Verbindlichkeit der verkaufsbereiten Gesellschafter, inzwischen nachgebessert worden. Wie berichtet, ist sich der oberste REMONDIS-Chef bereits sicher, die STEAG „im Sack zu haben“, wie es in Medienkreisen heißt.

Das könnte durchaus nicht aus der Luft gegriffen zu sein, denn REMONDIS hat einen unschätzbaren Vorteil gegenüber den anderen Kaufinteresssenten: den durch das Entsorgungsgeschäft bedingten lebendigen  Kontakt zu Kommunen und kommunalen Unternehmen, die andere erst aufbauen müssten.

Und einen einflussreichen Unterstützer, den Dortmunder Stadtwerkechef Guntram Pehlke. Ein Mann, der weiß, dass die STEAG als sinnbildliches Schiff zurzeit schaukelt, aber weit von einer Schieflage oder gar dem Kentern entfernt ist.

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