Sieben auf einen Streich: Die Zukäufe des REMONDIS-Konzerns

Sieben auf einen Streich: Die Zukäufe des REMONDIS-Konzerns

150 150 Klaus Henning Glitza

Der größte Brocken ist die TSR Recycling GmbH & Co. KG / Auch eine ehemalige Trienekens-Firma ist dabei

 

Sieben auf einen Streich- so könnte das Motto der diesjährigen Einkaufstour des REMONDIS-Konzerns lauten. Der Marktführer aus dem westfälischen Lünen, er wächst und wächst und wächst.

Ein halbes Dutzend deutscher Entsorger und ein belgisches Unternehmen mit deutschen Wurzeln hat die REMONDIS-Gruppe aus dem westfälischen Lünen 2017 einverleibt.  Die Nummer 1 der deutschen Entsorger und „weltweit größtes privates Dienstleistungsunternehmen für Recycling, Service und Wasser“ (Eigenangabe) will erkennbar noch größer werden.

Die „Grenzen des Wachstums“, die einst der Club of Rome für die Weltwirtschaft beschrieb, gelten für REMONDIS offenbar nicht.  Jüngster Beleg dafür ist die geplante vollständige Übernahme der TSR Recycling GmbH & Co. KG in Bottrop, die Obergesellschaft der TSR Group. Ein Unternehmen, bei der REMONDIS Services und Beteiligungs GmbH schon länger mit 60 Prozent mitmischte.

Auf Glasreycling hat sich das Unternehmen G.R.I.-Glasrecycling NV spezialisiert. Die einst deutsche Firma wurde an eine belgische Unternehmerfamilie verkauft und kam jetzt, via REMONDIS. wieder in das Ursprungsland zurück. Foto: Rudolpho Duba/pixelio.de

Jetzt soll die Komplett-Übernahme folgen. Angemeldet ist sie schon. Seit dem 1. August liegt dem Bundeskartellamt der Antrag auf „Anteils- und Kontrollerwerb“ vor. Wie Kay Weidner, der Pressesprecher der Wettbewerbsbehörde, mitteilt, befindet sich das Prüfverfahren derzeit in der ersten Phase. Branchenkenner rechnen nicht mit nennenswerten Widerständen der Wettbewerbshüter. .

Auch REMONDIS-Pressesprecher Jürgen Schneider ist zuversichtlich. Er betont, dass es bei den Übernahmen und Kauftransaktionen in den zurückliegenden Jahren niemals Probleme gab.  Einer der Gründe: Die Zukäufe lagen unter der kartellrechtlichen Schwelle, so Schneider.

„TSR und REMONDIS- ein Großer kommt zum Riesen“, kommentiert ein Mittelständler, der bislang noch eigenständig ist. Die TSR-Group, das ist keinesfalls ein unbedeutendes Unternehmen.  Sondern die deutsche Nummer 1 im Recycling von Stahlschrott und Nichteisenmetallen. Auch im europäischen Maßstab steht die Unternehmensgruppe ganz weit oben.

Zirka 2.500 Mitarbeit und ein Umsatz, der Bände spricht. Laut einem seriösen Wirtschaftsdienst lag der Jahresumsatz 2016 bei mehr als einer Milliarde Euro. Mehr als eine Milliarde das sollen im Klartext bis zu drei Milliarden sein, schätzen Analysten. Die TSR-Gruppe unterhält zirka 140 Standorte in Deutschland, Tschechien, den Niederlanden, Polen und Österreich, aber auch in Nicht-EU-Ländern wie Russland und China.

Im März 2014 übernahm REMONDIS zunächst den CRONIMET-Anteil. Die höhere Dominanz im Gesellschafterkreis wurde nahezu zeitgleich mit einem geänderten Logo deutlich gemacht.  „Anstelle des bisherigen Signets steht eine Wort-Bild-Marke, die dem Logo-Design der Hauptgesellschaft Remondis angepasst ist. TSR und Remondis demonstrieren damit ihre enge Verbundenheit“, ist einer damaligen TSR- Pressemitteilung zu entnehmen.

Diese Verbundenheit wird jetzt noch um einiges enger. Auch räumlich rückt man dichter aneinander heran. Der Sitz der TSR Recycling Holding GmbH (Hauptverwaltung der TSR-Group) wurde bereits im Mai 2017 von Bottrop in die REMONDIS-Zentrale in Lünen verlegt.

Deal Nummer 2 ist die Josef Bruckmann Entsorgung GmbH in Köln-Dünnwald. Ein Full-Service-Entsorger mit dem Schwerpunkt Altpapier-Recycling. Bruckmann Entsorgung residiert auf einem 17.000 Quadratmeter großen Betriebsgelände, beschäftigt aktuell 47 Mitarbeiter und verfügt über 17 Lkw, darunter 40-Tonner.

Altpapier-Recycling ist seit der Gründung der Firma Josef Bruckmannn Entsorgung GmbH in Köln der maßgebliche Schwerpunkt. Iwona Golczyk/pixelio.de

Die Firma wurde 1937 von Josef Bruckmann, einer prominenten Größe in Köln,  gegründet. Der Altpapier-Spezialist war 1906 mit 16 Jahren das jüngste Gründungsmitglied des SC Colonia 06 und bis zu seinem Tod 1948 Präsident dieses ältesten aktiven Amateur-Boxvereins Deutschlands.

Vor der Komplett-Übernahme war REMONDIS bereits mit 50 Prozent beteiligt. Die übrigen Anteile hielt Hans Willy Fahnenbruck. Der Enkel des Firmengründers hatte 1987 die Reisswolf Köln Akten- und Datenvernichtung GmbH gegründet, die praktisch aus der Firma Bruckmann hervorgegangen ist. Fahnenbruck, seit fast 40 Jahren in der Entsorgungs- und Recyclingbranche tätig, gehört bis heute als Mehrheitsgesellschafter der Geschäftsführung von REISSWOLF Köln an.

Den am 15. Februar 2017 gestellten Antrag auf „Erwerb der übrigen Anteile und alleiniger Kontrolle an der Bruckmann Entsorgung, Köln“ hat das Bundeskartellamt inzwischen freigegeben. Die Übernahme ist rückwirkend zum 1. Januar dieses Jahres vollzogen worden.

Vollständig übernommen wurde auch die bisherige Rhenus-Tochtergesellschaft Rhenus Recycling GmbH, und das gleichfalls rückwirkend zum 1. Januar 2017. An diesem Unternehmen war REMONDIS Recycling vorher bereits mit 49 Prozent beteiligt, während die Muttergesellschaft Rhenus (4,8 Milliarden Euro, weltweit über 28.000 Mitarbeiter, etwa 580 Standorte) 51 Prozent hielt.  Praktisch handelt es sich um eine gruppeninterne Transaktion, da die Gesellschafteranteile der RHENUS-Muttergesellschaft zu 89,44 Prozent in den Händen der RETHMANN SE & Co. KG liegen. Vorstandsvorsitzender der Konzernschwester Rhenus SE & Co. KG mit Sitz in Holzwickede ist Klemens Rethmann.

Schwerpunkte der Rhenus Recycling GmbH sind PET-Recycling (inklusive Zählzentren und Pfandclearing) sowie Handel mit Produktions-/Industrieabfällen und gebrauchten Kunststoffen.

Aus der Insolvenz heraus wurde das Bauschuttrecyclingunternehmens RZB Recycling-Zentrum Bochum GmbH von der REMEX Gesellschaft für Baustoffaufbereitung Dresden mbH erworben. Diese Gesellschaft, trotz ihres Namens in Düsseldorf beheimatet, ist eine hundertprozentige Tochter der REMONDIS-Gruppe. Bei diesem Asset-Deal gingen „Technische Anlagen und Maschinen, Immaterielle Vermögenswerte wie Lizenzen und Nutzungsrechte sowie Genehmigungen auf den Käufer über“, so Insolvenzverwalter Dr. Dirk Andres. RZB hatte am 23. Dezember 2016 Insolvenzantrag gestellt.

Zukauf Nummer 5 ist die mittelständische PERSCH Entsorgung, Verwertung und Transporte GmbH & Co.KG im mittelfränkischen Westheim. Einer der Schwerpunkte des 69-Mitarbeiter-Entsorgungsunternehmens ist das Miettoilettengeschäft.

REMONDIS Süd GmbH hat sämtliche Anteile, die bisher in den Händen der Eigentümerfamilie Persch lagen, übernommen. Nachdem am 5. August 2017 die bisherigen Geschäftsführer und Gesellschafter, Olaf und Steffen Persch, ausgeschieden waren, traten Frank Gärtner und Dirk Hörle an ihre Stelle  Eine ihrer ersten Entscheidungen war der Verkauf an REMONDIS.  Beide Manager sind zugleich Geschäftsführer der REMONDIS Süd und der REMONDIS-Tochter KIRSCH.

Laut der Lokalzeitung Haßfurter Tagblatt hatten „persönliche Gründe der Familien“ zum Verkauf geführt. Dass finanzielle Notwendigkeiten eine Rolle gespielt hätten, wie kolportiert wurde, dementierte die Seniorchefin Erika Persch vehement.

Auf der REMONDIS Global Website wird Persch als „ein perfekter Zugewinn für REMONDIS“ bezeichnet, dessen Angebotsportfolio […] hervorragend zum Dienstleistungsangebot von REMONDIS“ passe.

Im REMONDIS-Einkaufskorb landete außerdem der EVD Entsorgungsverbund Düsseldorf GmbH & Co.KG. Remondis Rhein-Wupper GmbH

Das Miettoilettengeschäft ist eines der Geschäftsfelder der PERSCH Entsorgung, Verwertung und Transporte GmbH & Co.KG in Westheim. Foto: H.D. Volz/pixelio.de

& Co. KG. Ein Unternehmen mit 51 Mitarbeitern und mit zwei Standorten in Düsseldorf. Käufer war Remondis Rhein-Wupper GmbH & Co. KG. EVD ging aus den Entsorgungsfachbetrieben K. Tillmanns GmbH und Meurer Drebes GmbH hervor. Nach Eigenangaben bietet EVD „ein breit gefächertes Leistungsportfolio rund um Altpapierrecycling und Entsorgung“ an.

Zuwachs Nummer 7 waren die belgischen Firmen G.R.I.-Glasrecycling NV und r VSB Holding NV, beide in Lummen (Flandern) ansässig. Die Rethmann-Gruppe erwarb die Gesellschaften, die sich vor allem in Deutschland mit der Aufbereitung von Altglas befassen, von der belgischen Familie Vanswartenbrouck. Die eingekauften Unternehmen, die einst Teil des Trienekens-Imperiums waren, betreiben im nordrhein-westfälischen Dormagen, 500 Meter vom Rheinhafen entfernt, eine der größten Glasaufbereitungsanlagen Europas.

Das Bundeskartellamt hat den Verkauf freigegeben. In einer Pressemeldung der Wettbewerbsbehörde vom 4. August 2017 heißt es dazu: „Die zum Rethmann-Konzern gehörende Rhenus-Gruppe verfügt mit fünf eigenen und drei von Gemeinschaftsunternehmen betriebenen Anlagen schon bislang über die meisten Glasaufbereitungsanlagen und die größten Aufbereitungskapazitäten in Deutschland.“ Präsident Andreas Mundt wird in dieser Meldung mit den Worten zitiert: „In der betroffenen Region kommen die Unternehmen zusammen auf sehr hohe Marktanteile. Sie haben einen großen Vorsprung vor den wenigen mittelständischen Wettbewerbern. Trotzdem war der Zusammenschluss letztlich freizugeben, da es sich bei dem Marktgebiet um einen sogenannten Bagatellmarkt handelte.“

Die 33 Mitarbeiter beschäftigende G.R.I.-Glasrecycling NV verfügt über eine Produktionskapazität von 350.000 Tonnen pro Jahr und hat einen geschätzten Jahresumsatz von bis zu 20 Millionen Euro. Auf der Internetseite des Unternehmens heißt es zur Firmengeschichte: „Zunächst waren wir als Firma A. u. T. und später als Trienekens Rohstoff GmbH in den Unternehmensverbund der Trienekens AG eingebunden. Nach der Übernahme durch die RWE Umwelt AG wurde unser Unternehmen im Jahre 2005 an die Gesellschafter Vanswartenbrouck […] veräußert“

Obwohl REMONDIS nach Eigengaben bereits 800 Niederlassungen und Beteiligungen in über 30 Staaten Europas, Afrikas, Asiens und Australiens unterhält, scheint der Wille zum weiteren Wachstum ungebrochen. Im jüngsten Konzernabschluss 2015 der RETHMANN SE & Co. KG werden 1.233 Tochtergesellschaften genannt.

Auf der REMONDIS Global Webseite heißt es zur Zukaufstrategie: „Organisches Wachstum ergänzt REMONDIS durch zielgerichtete Akquisitionen. Sie dienen beispielsweise der Komplettierung des Leistungsspektrums, zur Abrundung der regionalen Marktpräsenz oder zur Erschließung zusätzlicher Ländermärkte“.

REMONDIS-Sprecher Jürgen Schneider hebt gegenüber EM. DAS ENTSORGUNGSMAGAZIN hervor, dass es in Deutschland viele Entsorgungsunternehmen gebe, die keine Nachfolgeregelungen haben. Niemand aus der nächsten Generation wolle oder könne diese Betriebe weiterführen. Solche Unternehmen erwerbe REMONDIS, sofern sie in das Konzernbild passen. Zukäufe erfolgten aber auch in Gegenden, in denen REMONDIS nicht so präsent ist.

„Die kaufen Deutschland leer“, merkt hingegen der bereits zitierte Mittelständler an.

Aktiv ist REMONDIS nicht nur im privatwirtschaftlichen Bereich, sondern auch bei den öffentlichen-privaten Partnerschaften (ÖPP). Sprich Beteiligungen an kommunalen Unternehmen, im Regelfall 49 Prozent. 44 solcher Firmenkonstrukte gibt es laut „Manager Magazin“ inzwischen in Deutschland. Branchenkenner meinen hingegen, dass diese Zahl inzwischen höher liege.

„Im Bereich Public Services ergeben sich aus dem ganzheitlichen Leistungsspektrum des Unternehmens zahlreiche Vorteile. Vorteile, die im Rahmen einer direkten Zusammenarbeit über Beteiligungsgesellschaften oder Öffentlich-Private Partnerschaften (ÖPP) zum Tragen kommen“, wirbt REMONDIS auf der Firmenwebseite für weitere Beteiligungen an kommunalen Entsorgern.

Zu den genannten Zukäufen und Beteiligungen kommen zahlreiche Transaktionen im europäischen und außereuropäischen Ausland, die aber an dieser Stelle nicht detailliert beleuchtet werden können.

REMONDIS wächst und wächst und wächst- das gilt hier zu Lande, sondern auch in anderen Teilen Europas und im globalen Maßstab.

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