SARIA will führenden Hersteller von Wursthüllen übernehmen

SARIA will führenden Hersteller von Wursthüllen übernehmen

1024 474 Klaus Henning Glitza

 Vereinbarung mit der schottischen Devro PLC/ Aktionäre euphorisch

 

Schottland, Heimat des Whiskys, aber auch der Wursthüllen. Letztere haben aktuell den Lebensmittelrecycler  Saria SE & Co. KG auf den Plan gerufen.  Die zum Rethmann Konzern gehörende Unternehmensgruppe aus Selm (Westfalen) will über ihre niederländische Tochtergesellschaft  Saria B.V. die Devro PLC mit Hauptsitz im schottischen Moodiesburn übernehmen.

Laut einer Mitteilung von Saria ist eine  Vereinbarung über eine mögliche Übernahme zwischen den beiden Unternehmen geschlossen worden. Der Kaufpreis wird mit  540 Millionen britische Pfund, Tageskurs  627.966.000 Euro, beziffert.  Nach EM-Information wird diese Summe ohne Fremdfinanzierung aufgebracht.  Devro PLC produziert  neben Wursthüllen auch Folien und  spezielle Produkte für den Einsatz in der  Pharma- und Kosmetikindustrie. Basisstoff ist jeweils Kollagen.

“Billionaire German sausage dynasty”

„Devro falls to one of Germany’s richest families, Devro fällt an eine der reichsten Familien Deutschlands“ kommentiert Proactive Investors den bevorstehenden Deal.  “Billionaire German sausage dynasty snaps up British casings firm”, milliardenschwere deutsche Wurst-Dynastie schnappt sich britischen Hersteller von  Hüllen, titelt  in nur teilweise richtiger Form „The Telegraph“. Denn eine Wurst-Dynastie ist SARIA oder dessen Inhaberfamilie allenfalls in den Sinne, dass abgelaufene Fleischprodukten verarbeitet werden.

Der Rest der Transaktion scheint, sofern die britische Kartellbehörde mitspielt,   eine reine Formsache zu sein. Das Topmanagement von Devro hat sich nach Eigenangaben einstimmig darauf geeinigt, den Aktionären von Devro die Annahme des „fairen und angemessenen SARIA-Angebotes“  zu empfehlen. Die Londoner Börse, an der Devro seit 2010  notiert ist, hat nach Bekanntwerden des Übernahmeangebots mit einem Kursgewinn von gut 60 Prozent  bereits deutliche Signale ausgesendet.

Aktiönäre sind euphorisch

Das spiegelt nicht zuletzt die euphorische Stimmung der Aktionäre wider, die durchaus nachvollziehbar ist.  Denn das letzte Kurshoch von Devro liegt mehr als 20 Jahre zurück. Die Finanzkrise und auch der Brexit forderten ihren Tribut. Hinzu kam, dass es nicht immer  gute Nachrichten aus dem Headquarter in Moodiesburn nach draußen drangen. 2019 kündigte das Unternehmen die Schließung seiner Fabrik in Bellshill  (Lanarkshire) und den Verlust von 90 Arbeitsplätzen an. Im Jahr 2000 hatte  Devro sein Zellulosegeschäft für 4,9 Millionen Pfund verkauft,  was zu einem außergewöhnlichen Verlust von 54,5 Millionen Pfund  führte.

Hoffnungsvolles Management

Umso hoffungsvoller zeigt sich Steve Good, Chairman von Devro. “Unter der Eigentümerschaft von Saria wird das kombinierte Unternehmen über ein erweitertes Produktangebot verfügen, eine stärkere, diversifiziertere Skalengruppe sein und versuchen, das langfristige nachhaltige Wachstum weiter zu beschleunigen“., erklärte er gegenüber BBC. Er glaube, dass Sarias Verständnis für unsere Märkte, seine starke finanzielle Position und die kulturelle Nähe dem Geschäft und den Mitarbeitern der Gruppe zugutekommen werden.“

Harald van Boxtel. Foto: Van Hessen Holding B.V.

Harald van Boxtel, Topmanager von SARIA, beteuerte, dass alle sieben Standorte nicht nur erhalten blieben, sondern deren Kapazität durch Investitionen erhöht werden solle. Auch sei die Übernahme der Mitarbeitenden vorgesehen. . Zudem plane SARIA „eine detaillierte Überprüfung der Forschungs- und Entwicklungsfunktion von Devro mit dem Potenzial für zusätzliche Investitionen”.

Der  Zusammenschluss von Devro und der SARIA Gruppe würde „zwei führende internationale Unternehmen mit komplementären Produktportfolios, insbesondere im Wurstdarmmarkt, zusammenbringen und eine Plattform für nachhaltiges und skalierbares Wachstum in hochattraktiven und dynamischen Kategorien bieten”, hob van Boxtel  hervor.  Die kombinierten Unternehmen wären ideal positioniert, „um das Wachstum sowohl in reifen als auch in aufstrebenden Märkten zu nutzen, indem sie die kombinierte Verkaufs- und Vertriebsplattform, eine verbesserte Forschungs- und Entwicklungsfunktion und eine breitere Produktpalette maximieren“.  Damit “könne Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten gleichermaßen eine Reihe von Vorteilen geboten werden.

Auf gewohntem Terrain

Bei der Übernahme würde sich SARIA auf gewohnten Terrain bewegen. Kollagen und das daraus gewonnene denaturierte  Produkt Gelatine  wird aus Schlachtnebenprodukten, sprich Schlachtabfällen hergestellt- bekanntermaßen einem der hauptsächlichen Geschäftsfelder von SARIA.  Zudem stellt eine Tochtergesellschaft von SARIA ebenfalls  Wursthüllen her „und vertreibt bereits Devro-Produkte in Brasilien“, wie BBC meldet.

Wursthüllen aus Kollagen

Devro (heute zirka weltweit  etwa 1.900 bis 2.000 Mitarbeitende) wurde Anfang der  1950er Jahren von Johnson & Johnson (J&J)  gegründet. Dies geschah,  nachdem konzernintern ein Verfahren entwickelt wurde, das die Herstellung von Wursthüllen aus Kollagen  ermöglicht. Der Unternehmensname ist ein Akronym  für “Development and Research Organisation” von J&J , aus der Devro hervorging. 1991 erfolgte ein Management Buyout in Höhe von 109 Millionen Pfund. 1996 wurde Devro von der  US-amerikanischem Firma Teepak International für 135 Millionen US-Dollar übernommen. Miterworben wurde  seinerzeit die  Mehrheitsbeteiligung an der tschechischen Firma Cutisin, die 2004  eine 100-Prozent-Tochter wurde. Ende 2015 erwarb Devro PVI Industries, den niederländischen Kollegenhersteller PV Industries B.V. (PVI) in Gendt für rund 12,5   Millionen Euro.

Devro unterhält neben dem Hauptquartier   in Moodiesburn sechs weitere  Standorte. Die jüngste  und unternehmensweit größte Dependance wurde in Nantong (China) eröffnet. Weitere Standorte befinden sich in  Jilemnice und Slavkov  (beide Tschechien),   Sandy Run (South Carolina. USA),  Bathurst, (New South Wales, Australien) und Gendt (Gelderland, Niederlande). Außerdem werden in Deutschland, Russland, Hong Kong, Japan und Neuseeland Vertriebsbüros betrieben.

Der zweite große Deal

Devro ist der zweite große Deal von SARIA in jüngster Zeit. Im Jahr 2017 schloss sich  die deutsche Unternehmensgruppe  mit der niederländischen Van Hessen BV, einem der  größten Unternehmen im Bereich der  Naturdärme, zusammen. Zweck der Übung: Expansion in der fleischverarbeitenden und pharmazeutischen Industrie. Damaliger CEO  war heutige SARIA-Manager  Harald Hendrikus Joannes Antonius van Boxtel, wie er  mit vollem Namen heißt.

khg

Oberstes Bild: Auszug aus der Recommed Cash Acquisition. Quelle:  UK Regulatory 

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