“Runderneuerte Reifen sind Öko-Reifen“

“Runderneuerte Reifen sind Öko-Reifen“

150 150 Klaus Henning Glitza

AZuR-Netzwerk will das Negativimage revidieren / Bundestiftung Umwelt fördert Projekt fachlich und finanziell

 

Gute Ökobilanz, schlechter Ruf. Das ist das Kennzeichen von runderneuerten Reifen. Dieses aus einer Sicht unverdiente Negativimage  will Netzwerk Allianz Zukunft Reifen (AZuR) im Zuge des Projektes „Ökologische und ökonomische Bilanzierung der Runderneuerung von Fahrzeugaltreifen” revidieren. Denn runderneuerte Reifen seien Ökoreifen von guter Qualität.

Schützenhilfe bekam das Netzwerk jetzt von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Die DBU wird das Projekt fachlich, aber auch finanziell mit rund 91.000 Euro fördern.

Machen die Entsorgungsprobelamtik besonders deutlich: Berge von Altreifen, die in der Umwelt  landen. Foto: AZuR

Mit dem Projekt will das AZuR-Netzwerk die Nutzer von Reifen über die ökologischen und ökonomischen Vorteile von runderneuerten Reifen informieren. Nach Netzwerk-Angaben machen aktuell runderneuerte Reifen im Nfz-Bereich knapp ein Drittel des Marktes aus, bei Pkw werden runderneuerte Reifen dagegen noch kaum genutzt. Das will AZuR ändern: Runderneuerte Reifen sollen auch für Pkw-Fahrer zu einer vielversprechenden Option werden. Denn runderneuerte Reifen „schonen natürliche Ressourcen und benötigen weniger Energie bei der Herstellung“. so das AZuR-Netzwerk.  „Gleichzeitig lohnen sie sich finanziell: Qualitativ sind sie mit guten Neureifen vergleichbar und unterstützen die lokale mittelständische Wirtschaft“, heißt es in einer Erklärung.

Das Projekt umfasst ein umfangreiches Maßnahmenpaket, das das Image von runderneuerten Reifen nachhaltig stärken soll: Geplant ist eine Studie zur Ökobilanz für zwei Nfz-Reifendimensionen (Antriebsachse und gezogene Achse) und zwei Pkw-Dimensionen. Die Studie soll neue wissenschaftlichen Fakten zum Ökopotenzial und zur Qualität von runderneuerten Reifen liefern; neue Rollwiderstandsmessungen für Pkw und Nfz sollen Reifennutzern mehr Klarheit bringen. Hintergrundinformationen wird eine neue produktneutrale Website liefern, die Einblicke in den Runderneuerungsprozess und deren Bedeutung für die Kreislaufwirtschaft gibt. Sie klärt Flottenbetreiber, Unternehmen und Autofahrer gleichermaßen auf.  Ein Öko-Bilanz-Rechner und Verlinkungen zu Betrieben, die runderneuerte Reifen anbieten, sollen auf der Website integriert werden. Für das Projekt soll ein Qualitätslabel entwickelt sowie Öffentlichkeitsarbeit und Lobbying gemacht werden.

“Neue Lösungen müssen her”

Aus Sicht des Netzwerkes müssen für die Verwertung der ausrangierten Reifen dringend neue Lösungen her, denn der Recycling-Markt sei im Umbruch. Recyclingwege änderten sich, Reifen dürften nicht mehr deponiert werden und thermische Verwerter benötigten immer weniger Altreifen für die Verbrennung in Zementwerken. Es geht dabei um riesige Mengen: In Deutschland fallen jährlich etwa 570.000 Tonnen Altreifen an.

Das Netzwerk AZuR sucht deshalb nach neuen Wegen für einen zukunftsweisenden Umgang mit Altreifen, um ökologische und ökonomische Belange in Einklang zu bringen. Vorrangiges Ziel dabei: Es sollen Lösungen gefunden werden, um das Material der Altreifen für eine Kreislaufführung zu erhalten – statt es zu entsorgen

Nach AZuR-Angaben ist die Runderneuerung von Reifen  eine Verwertungsform mit großem Potenzial und könnte viel mehr ausgeschöpft werden. Im Vergleich zu der Produktion eines Neureifens werden bei der Runderneuerung bis zu 70 Prozent der Energie eingespart. Trotz der guten Umweltbilanz hätten runderneuerte Reifen noch immer einen negativen Ruf. Unter anderem liege das auch an veralteten Daten, so AZuR.

Dem Projekt haben sich  King-Meiler, Kraiburg, Marangoni, Rigdon, REIFF Süddeutschland, Rösler und Rula von Anfang an angeschlossen. „Jedes Unternehmen, das davon überzeugt ist, dass die Reifen-Runderneuerung ein Baustein sein kann, Müll zu vermeiden, Ressourcen zu schonen und die bestmögliche Nutzung der eingesetzten Wertstoffe sicherzustellen, ist herzlich eingeladen mitzuwirken“, so AZuR.

Zum AZuR-Netzwerk

Das AZuR-Netzwerk  ist ein Zusammenschluss von Unternehmen, Verbänden, Organisationen und Forschungseinrichtungen aus dem Reifen- und Recycling-Bereich, die das Ziel haben, Altreifen möglichst zu 100 Prozent wiederzuverwerten und einem geschlossenen Wertstoffkreislauf zuzuführen. Seit seiner Gründung im Jahr 2020 wurde AZuR zehn Monate durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Seit Juni 2021 wird das Netzwerk unter der Schirmherrschaft des wdk eigenfinanziert fortgeführt.

Zur Deutschen Bundesstiftung Umwelt

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert ihrem Stiftungsauftrag und dem Leitbild entsprechend innovative, modellhafte und lösungsorientierte Vorhaben zum Schutz der Umwelt unter besonderer Berücksichtigung der mittelständischen Wirtschaft. Geförderte Projekte sollen nachhaltige Effekte in der Praxis erzielen, Impulse geben und eine Multiplikatorwirkung entfalten. Es ist das Anliegen der DBU, zur Lösung aktueller Umweltprobleme beizutragen, die insbesondere aus nicht nachhaltigen Wirtschafts- und Lebensweisen unserer Gesellschaft resultieren.

ChG/rd

 

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