REMONDIS-DSD: Hochzeit um jeden Preis?

REMONDIS-DSD: Hochzeit um jeden Preis?

REMONDIS-DSD: Hochzeit um jeden Preis? 150 150 Klaus Henning Glitza

Konzern hält offenbar eisern an den Plänen zur Übernahme des Grünen Punktes fest 

 

REMONDIS hält eisern an der Übernahme des Dualen Systems Deutschland (DSD) fest und ist offenbar bereit, selbst harte Auflagen hinzunehmen. Zu diesen Themen habe es am vergangenen Freitag ein Treffen im Bundeskartellamt gegeben. Das berichtet aktuell die Frankfurter Allgemeine (FAZ).

EM-Recherchen ergaben: Es hat diesen Gesprächstermin gegeben. Ob der Zeitpunkt korrekt ist, ließ sich nicht klären. Dabei habe REMONDIS insbesondere Kompromissbereitschaft bei der Altglasentsorgung erkennen lassen. Sowohl REMONDIS als auch das Bundeskartellamt geben zu dieser Frage keine Statements ab.

Die Frist, in der sich der Konzern mit Hauptsitz im westfälischen Lünen äußern kann, endet theoretisch am heutigen Montag. Der dann definitive Beschluss des Bundeskartellamtes wird voraussichtlich für Mitte Mai erwartet.

Insider gehen davon aus, dass REMONDIS alles daransetzen wird, das auch Grüner Punkt genannte Duale System Deutschland zu übernehmen. Für den größten deutschen Entsorgungskonzern sei die Elefantenhochzeit alternativlos. Wolle REMONDIS im Konzert der deutschen Entsorger weiterhin die erste Geige spielen, müsse er sich das größten deutschen Rücknahmesystem einverleiben, ist zu hören.

Nur mit dem Grünen Punkt im Rücken könne der Konzern auch weiterhin punkten. Andere Duale Systeme, die den hohen Ansprüchen der REMONDIANER genügen, stehen nicht zum Verkauf. Andere Systeme, für die Verkauf eine Option wäre, sind REMONDIS zu klein und zu wenig beziehungsweise nicht schnell genug  entwicklungsfähig. Die inzwischen abgewickelten Europäischen Lizenzierungssysteme (ELS), bei denen die Lünener auch ventiliert haben sollen, waren bei weitem nicht bedeutend genug, um das mittlerweile unterirdische Image aufzuwiegen. Es sollte kein „Kriminalfall“ ins Haus geholt werden-

Groß (REMONDIS) will und braucht es  groß (DSD)., denn das zu übernehmende System soll und muss gegen einen neuen Giganten, der bereits seine Schatten vorauswirft, in Stellung gebracht werden Gegen das neue Duale  System PreZero dual des Schwarz-Konzerns (Lidl, Kaufland) , dem man in mit Sorge entgegensieht. Der „Schwarze Punkt“, wie das neue System auch genannt wird, ist nicht nur eine Herausforderung für kleine und mittlere Betriebe, sondern in erster Linie für REMONDIS. Die Unternehmensgruppe Schwarz, der größte Handelskonzern Europas, hat ein Kapital im Hintergrund, das selbst das der Lünener um Längen übertrifft. Und: Die Schwarz-Strategen sind auf extensiven Wettbewerb getrimmt. Die Schlachten, die mit dem Hauptkonkurrenten ALDI geschlagen werden, sind an Härte und Aggressivität kaum zu überbieten. Deals sind mit solchen Playern nicht zu machen.

Würde sich REMONDIS aktuell für ein eigenes Duales System entscheiden, könnte es wegen des langwierigen Genehmigungsverfahrens und der organisatorischen Vorbereitung um die zwei Jahre dauern, bis auf Betriebstemperatur ist. Während das Schwarz-System 2020 startklar sein wird, hinkten die REMONDIANER ein glattes Jahr hinterher. Ein Jahr sei in diesem Bereich eine Ewigkeit, so ein Branchenkenner. “Das wäre so, als würde man einen Sprint mit riesiger Verspätung starten”. Wer zu spät loslaufe, könne es auch gleich ganz sein lassen.

Außerdem: Die Lünerer brauchen das Know-how eines großen Dualen Systems wie es bei DSD zweifellos vorhanden ist. Insider glauben, dass die Eko Punkt GmbH, die Ende 2014 ihre Tätigkeit als duales System eingestellt hatte, mit einem entsprechenden Wissenshintergrund noch heute am Markt wäre, REMONDIS könne viel, heißt es, aber Duale Systeme konnten sie eben nicht. Da sei auch den Lünerer Machern klar, die neben der Marke „Grüner Punkt“ vor allem nach dem Know-how trachten.

Bei DSD kommt noch hinzu, dass über die enge  und langjährige Freundschaft zwischen den Topmanagern der unternehmerischen „Elefanten“, Herwart Wilms und Michael Wiener, schon länger ein reger Austausch stattfindet- auch wenn auch beide für sich in Anspruch nehmen, Privates und Geschäftliches strikt zu trennen. Die engen Bande der Spitzenkräfte würden es aber auch nicht gerade erleichtern, dass REMONDIS mit einem eigenen Dualen System dem DSD Konkurrenz machte. Denn Konkurrenz bedeute nach Lünener Lesart nicht Wettbewerb, sondern Ausschaltung des Wettbewerbs, so ein Mittelständler.

In den eigenen Reihen und auch bei DSD verbreitet REMONDIS nach wie vor Zuversicht. Die Version vom auflagenfreien Durchwinken ist zwar vom Tisch, doch nunmehr heißt es, der Konzern werde auf jeden Fall und auch um den Preis empfindlicher Auflagen (Abgabe von Anteilen. Öffnung von Mehrheitsbeteiligungen für den Wettbewerb, teilweiser Rückzug aus dominierten Märkten) an der Übernahme festhalten.

Die „Elefantenhochzeit“, die Vermählung der Giganten- sie ist längst nicht vom Tisch. Das Thema bleibt spannend- und EM bleibt dran.

khg

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