Region Trier: Traumquote- ein Prozent Fremdstoffe im Bioabfall

Region Trier: Traumquote- ein Prozent Fremdstoffe im Bioabfall

Region Trier: Traumquote- ein Prozent Fremdstoffe im Bioabfall 150 150 Klaus Henning Glitza

Bestnote aus Witzenhausen: Welche Erfahrungen A.R.T. mit dem Bringsystem gemacht hat

 

 

Einer der Bioabfall-Sammelcontainer im Verbandsgebiet des Zweckverbandes Abfallwirtschaft Region Trier (A.R.T.). Foto: A.R.T.

Im Bioabfall der Region Trier ist zu 99 Prozent Bio drin. Über dieses traumhafte Ergebnis kann sich der Zweckverband Abfallwirtschaft Region Trier (A.R.T.) freuen. Eine vom Witzenhausen-Institut für Abfall, Umwelt und Energie GmbH durchgeführte repräsentativen Analyse der Bioabfälle aus den Sammelcontainern ergab, dass der Fremdstoffanteil bei nur etwa einem Prozent liegt. Eine kaum zu übertreffende Bestnote für nahezu sortenreine Bioabfälle.

Den größten Anteil an den Stoffen, die nicht in die Bio-Container gehören, hatten verpackte Lebensmittel, gefolgt von Plastiktüten, Glas und Metallen. Schadstoffhaltige Abfälle wie Batterien oder Elektroaltgeräte wurden in keiner der Proben festgestellt. Die Fortführung der Analysen wurde durch den A.R.T. bereits beauftragt.

„Wir freuen uns sehr über dieses Ergebnis. Die Zahlen bestätigen unsere Annahme, dass das System von den Nutzern akzeptiert und im Sinne der Trennung von Abfällen verantwortungsvoll genutzt wird“, so der Kommentar von Kirsten Kielholtz, Pressesprecherin des A.R.T..

In der Region Trier gibt es ein besonderes System der Bioabfallentsorgung, nämlich ein Bringsystem. Als im Jahr 2015 die gesetzliche Pflicht zur Getrennterfassung von Bioabfällen beschlossen wurde, stieß eine flächendeckende Einführung der Biotonne bei den Menschen im Verbandsgebiet auf großen Widerstand. Aufgrund dessen handelte der A.R.T. mit der zuständigen Aufsichtsbehörde, der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord, einen Vergleich aus.  Dieser sah lediglich die Aufstellung zentraler Sammelbehälter für Speise- und Küchenabfälle an den 86 Grüngutsammelstellen im Verbandsgebiet vor „Das System wurde seit seiner Einführung stetig ausgeweitet und an die Bedürfnisse der Menschen angepasst, so dass die Sammelmengen an Küchen- und Speiseabfällen mittlerweile mit denen einer Biotonne vergleichbar sind“, erklärt Kirsten Kielholtz.

Mittlerweile gehöre der regelmäßige Gang zum Biogutcontainer für viele Menschen in der Region zum Alltag. Bioabfälle werden zu Hause gesammelt und können flexibel an zentralen Sammelstellen entsorgt werden. Im Januar 2018 hat der Zweckverband Abfallwirtschaft Region Trier (A.R.T.) das System „Biotüte“ zur Erfassung von Speise- und Küchenabfällen eingeführt.

Während nach A.R.T.-Angaben ihren Angaben die Erfassungsmengen in den ersten beiden Jahren noch eher gering waren, sind diese seit der Einführung des Identsystems für Restabfall Anfang 2020 stark angestiegen. Im bundesweiten Vergleich von Bringsystemen liegen die Bioabfall-Sammelmengen des A.R.T. im oberen Drittel. Bei den Erfassungsmengen von Grünschnitt ist der A.R.T. mit etwa 100.000 Jahrestonnen (zirka 188 Kilogramm pro Einwohner des Verbandsgebiets) unter den bundesweiten Spitzenreitern.

Die Trierer Alternative zur konventionellen Biotonne: Sammeleimer und Biotüte, Foto: A.R.T.

Überwiegend erreichen den A.R.T. nach Eigenangaben positive Rückmeldungen zum System der Biotüte. „Die meisten Bürgerinnen und Bürger nehmen das System an und geben uns Rückmeldung, dass sie das System gerne und umfänglich nutzen“, so Kielholtz, die allerdings auch hinzufügt, „wir erhalten auch vereinzelt Meldungen, dass es an den Containerstandorten zu Verschmutzungen und illegalen Ablagerungen kommt.“ Gerade in den warmen Sommermonaten sei mit Madenbildung zu rechnen. „Dieser Problematik sind wir uns durchaus bewusst. Um bei warmen Temperaturen Abhilfe zu schaffen, leeren und reinigen wir die Biogutcontainer bis Oktober wöchentlich.“ Allerdings liegt diese Problematik in der Natur der Bioabfälle begründet und lässt sich auch bei der haushaltnahen Biotonne kaum vermeiden.

Der Zweckverband weist ausdrücklich darauf hin, dass er keine Präferenz für ein Hol- oder Bringsystem hat. „Wenn uns die politischen Gremien – wie in der Vulkaneifel geschehen – mit einer erneuten Systemumstellung beauftragen, werden wir diese schnellstmöglich umsetzen“, versichert Pressesprecherin Kielholtz. Der Landkreis Vulkaneifel hatte im Juni beschlossen, das Bringsystem um das Zusatzangebot einer Biotonne am Haus zu ergänzen.

Bei der Ausgestaltung des neuen Systems spielen die aktuellen gesetzlichen Rahmenbedingungen eine zentrale Rolle. Die Getrennterfassung von Bioabfall ist eine sich aus dem Kreislaufwirtschaftsgesetz ergebende Pflicht. Es muss in jedem Fall ein System zur Getrennterfassung zur Verfügung gestellt werden. Eine Eigenkompostierung in bisheriger Art und Güte wird nach Aussage des Umweltministeriums nicht als vollwertiger Ersatz für die Teilnahme am Bringsystem (Biotüte) oder der Aufstellung einer eigenen Biotonne in jedem Haushalt anerkannt und wäre an sehr hohe Auflagen geknüpft. Dies begründet sich zum einen dadurch, dass nicht alle anfallenden Abfälle auch für die private Kompostierung geeignet sind, zum anderen durch den Umstand, dass nicht alle Haushalte über die notwendige Fläche verfügen, um den Kompost auch ausbringen zu können.

Im Juni 2020 hat die SGD Nord die Diskussion über die Gleichwertigkeit des Erfassungssystems im Verbandsgebiet des A.R.T. wieder aufgegriffen. Hierbei gilt es zu berücksichtigen, dass das Umweltministerium Rheinland-Pfalz wiederholt deutlich gemacht hat, dass es ein Bringsystem für Bioabfälle kritisch betrachtet und der flächendeckenden Einführung einer haushaltsnahen Biotonne den Vorrang einräumt.

Kirsten Kielholtz: „Der A.R.T. bekräftigt hierzu seine Rechtsauffassung und verweist – neben der hohen Qualität der eingesammelten biogenen Abfälle und der Tatsache, dass nach Feststellung des Gutachters die Menge der eingesammelten  Bioabfälle dem entspricht, was andernorts mit einer Biotonne eingesammelt wird –  auf die weitere Tatsache, dass das System des A.R.T. für die Bürgerinnen und Bürger die wirtschaftlichste Variante darstellt“.

KK/rd

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