Rätselraten hat ein Ende: DSD-Übernahme soll perfekt sein

Rätselraten hat ein Ende: DSD-Übernahme soll perfekt sein

150 150 Klaus Henning Glitza

Nach Insiderangaben soll die Vertragsunterzeichnung mit REMONDIS bereits nächsten Woche anstehen

 

Wer kauft den Grünen Punkt-Duales System Deutschland (DSD)? Die langen Monate des Rätselratens und der gezielten Desinformationen haben jetzt möglicherweise ein Ende. Laut einer gewöhnlich gut informierten Quelle haben sich die Verhandlungspartner, die britisch-amerikanischen Fonds H.I.G. Capital und Bluebay nach langen, mehrfach unterbrochenen Verhandlungen mit REMONDIS geeinigt. Bereits in der nächsten Woche, möglicherweise bereits am Montag, 24. September, soll der Deal perfekt gemacht werden.

Aus einer weiteren Quelle sickerten Einzelheiten der Transaktion durch.  Die Vertragsunterzeichnung, das so genannte Signing, soll durch das REMONDIS-Vorstandsmitglied Max-Arnold Köttgen vorgenommen werden. Sein Topmanagement Herwart Wilms, soll als Gesellschafter DSD-Anteile übernehmen.   Michael Wiener, Geschäftsführender Gesellschafter des DSD und mit Herwart Wilms eng befreundet, soll im Amt bleiben. Wie lange das der Fall sein wird, wurde allerdings offengelassen.

Es sollen aber Pläne bestehen, kurz- bis mittelfristig den Verwaltungsapparat wesentlich zu verkleinern. Durch Synergieeffekte würden nach internen Informationen längst nicht mehr so viel Mitarbeiter gebraucht. Außerdem, so heißt es, lägen die Personalkosten nach REMONDIS-Geschmack viel zu hoch. Aus berufenem Munde wird eine finale Personalstärke von 50 genannt. Jetzt hat DSD noch zirka 220 Mitarbeiter. „Zu wenige Leute für die DSD-Zentrale in Köln-Porz-Eil“, macht ein Insider deutlich. In REMONDIS-Kreisen soll deshalb „angestrengt“ über die Verlegung des DSD-Hauptsitzes nach Lünen, dem Stammsitz des Konzerns, nachgedacht werden.

Bis zum so genannten Closing, dem finalen Inkraftreten des unterzeichneten Vertrages, werden noch rund sechs Monate ins Land gehen.  Insider rechnen damit, dass erst dann mögliche Neubesetzungen im Management und Personalreduktionen mit voller Intensität umgesetzt werden,

Offen ist, wie der wohl wichtigste Kunde, nämlich ALDI, auf die potenziell neuen Herren im Hause DSD reagieren wird. Wie aus Indiderkreisen verlautet, hatte der Discount-Riese der beiden Albrecht-Brüder den DSD-Entsorgungsvertrag bislang nicht unterschrieben. Das hatten Beobachter als ungewöhnlich bewertet und angenommen, dass erst abgewartet werden sollte, wer und zu welchen Konditionen DSD übernimmt. Für den Grünen Punkt geht es in puncto ALDI um viel. Der Vertrag mit dem Discounter soll einen Wert von rund 100 Millionen Euro pro Jahr haben.

Von ALDI ist bekannt, dass eine Übernahme durch die Schwarz-Gruppe (Lidl und Kaufland) auf ausgemachtes Missfallen des Discounters gestoßen wären. Nach zuverlässigen Informationen soll ALDI angedroht haben, sich bei einer Schwarz-Übernahme aus dem Kreis der DSD-Kunden zu verabschieden.  Aus ALDI-nahen Kreisen wurde bekannt, dass auch eine Übernahme durch REMONDIS „keinesfalls Jubel auslösen würde“. Der mögliche Grund: Der Mega-Discounter-versucht in jüngster Zeit, mit einem ökologiebewussten Image und Nachhaltigkeit zu punkten. Aus Sicht der ALDI-Chefetage entspreche die REMONDIS-Geschäftspolitik längst nicht in allen Punkten diesen hohen Ansprüchen. Dabei spiele sogar der Umweltskandal an der Schlei eine Rolle, deutet ein Insider an.

Vor der möglichen Übernahme soll sich REMONDIS auch bei kleineren dualen Systemen umgesehen, die zum Verkauf standen. Diese Option kann aber nach zuverlässigen Angaben nicht zum Tragen, weil die verkaufsbereiten Systeme als nicht attraktiv genug erschienen, wohingegen die wirklich interessanten Unternehmen nicht im Traum daran dachten, sich von ihren Systemen zu trennen. Deshalb soll es maximal zu Orientierungsgesprächen gekommen sein.

khg

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