Praktisch, aber extrem schlecht für die Umwelt

Praktisch, aber extrem schlecht für die Umwelt

150 150 Klaus Henning Glitza

Wie man bei der Biomüllentsorgung  bequem auf die schädlichen Plastiktüten verzichten kann

 

Zugegeben: So ein Plastikbeutel hat etwas enorm Praktisches. Und das ganz besonders bei Bioabfällen. Das Abfallgut wird eingefüllt, der Beutel zugeknotet- und voilà, nichts stinkt, kein übelriechendes Sickerwasser tritt aus. Wie praktisch… aber schlimmstes Gift für unsere Umwelt.

Das Problem ist bekannt und von EM schon mehrfach beleuchtet. Plastik im Bioabfall stört den Prozess der Kompostierung und führt auch bei der Biogasgewinnung zu Verunreinigungen des Gärsubstrats. Auf diese Weise gelangen Plastikpartikel auf Äcker, in Fließgewässer, Seen und Meere. Das schlimme Beispiel von der Schlei zeigt, wohin das führt. Auch die Ozeane sind arg betroffen. Plastikmüllinseln fast so groß wie Kontinente machten alarmierende Schlagzeilen. Wissenschaftler wiesen nach: 80 Prozent der Meeresverschmutzungen haben an Land ihren Anfang genommen.

Das hängt natürlich nicht nur mit den so genannten Fehlwürfen in die Biotonnen zusammen. Doch Plastik in den grünen oder braunen Tonnen- es trägt ganz ohne Zweifel zum Umweltdesaster bei. Dabei ist es ganz einfach, den Kunststoffen im Biomüll die rote Karte zu zeigen- und etwas für den Natur- und Umweltschutz zu tun.

Statt Plastik hilft ein anderer Stoff, um zum Beispiel üble Gerüche zu vermeiden: Papier. In Form von Zeitungspapier ist es in jedem Haushalt präsent. Wird die Tonne damit ausgelegt, kommt es gar nicht so schnell zur gefürchteten Geruchsentwicklung. Zerknülltes   Zeitungspapier kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen.  Auch das „Einfüllen von holzi­gen Strauchabfällen verhindert das Verdichten der Bioabfälle und damit auch übermäßiges Austreten der Feuchtigkeit in Form von Sickerwasser“, macht Maja Heindorf von den Göttinger Entsorgungsbetrieben (GEB) deutlich.

Wichtig: Tages- oder Anzeigenzeitungen nehmen, keine Illustrierten oder farbige Prospekte. Letztere haben keine Saugfähigkeit und lassen sich kaum optimal kompostieren. Hilfsweise: Papier von der Küchenrolle (möglichst unbedruckt).

Im Handel erhältlich sind auch Abfallsäcke (Inlet-/Einlegesäcke) , die die gesamte Innenfläche der Biotonnen bedecken.

Es versteht sich von selbst, dass die Biotonne an einem schattigen Platz stehen sollte- und nicht etwa in der prallen Sonne. Direkte Sonneneinstrahlung beschleunigt den Fäulnisprozess immens. Am besten ist es, wenn die Tonne in einer lichtgeschützten, trockenen Umgebung steht, beispielsweise in einem Verschlag.

Von großer Bedeutung ist, dass die Tonne gut belüftet ist. Dies ist gewährleistet, wenn der  Deckel zumindest leicht geöffnet bleibt, beispielsweise durch Positionieren eines Kantholzes zwischen Tonnenrand und Deckel. Die Luftzufuhr sorgt dafür, dass Bioabfälle trocknen statt zu gammeln. Das eintretende Licht hat außerdem einen weiteren nützlichen Effekt: Maden, die dunkel-feuchte Milieus lieben, wandern nach unten und verbreiten sich nicht auf eklige Weise auf der Mülloberfläche.

Die überwiegend nassen Bioabfälle aus der Küche sollten in Zeitungspapier eingewickelt werden. Mit Zeitungspapier ausgelegt sein sollte auch das so genannte Vorsortiergefäß. Das ist ein meist kleiner Eimer, den wir in der Küche zu stehen haben. Gut ist es, den Deckel dieses Gefäßes stets geschlossen zu halten, um Insekten den Zugang zu erschweren. Das Einwickeln in Zeitungspapier ist insbesondere bei Fleischabfällen zu empfehlen.

Um Geruchsentwicklungen und Insektenbefall (beispielsweise Fruchtfliegen) zu vermeiden, sollte das Vorsortiergefäß täglich in die Biotonne entleert werden.

Grasschnitt entwickelt in besonders reichlichem Maße Sickerwasser und fängt schnell an, penetrant zu riechen. Das Mähgut sollte daher erst etwas antrocknen, oder aber erst kurz vor der Abfuhr in die Biotonne geworfen werden.

„Biologisch abbaubare Plastiktüten“, das klingt umweltbewusst, ist es aber nur begrenzt.  verwenden. „Diese Tü­ten werden in dem relativ kurzen Kompostierungsprozess in unserem Bioenergiezentrum nicht abge­baut und bleiben am Ende als Siebüberlauf übrig. Pa­piertüten oder sonstiges Papier ist da­gegen gut und in Maßen akzeptiert“, informiert Maja Heindorf von den GEB.

Kommt es zu einer Geruchsentwicklung, hilft eingestreuter Kalk (Algenkalk oder gelöschter Kalk- erhältlich im Baustoffhandel).  Dieser sorgt für ein Anheben des pH-Wertes. Nebeneffekt:  Maden, die eher ein saures Milieu mögen, werden vertrieben. Auch Gesteinsmehr sorgt für Abhilfe. Gerüche können wirksam vermieden werden, wenn nach der Leerung flüssige Überreste sofort mit saugfähigen Papier bedeckt werden. Ab und an sollte die Tonne mit Wasser ausgespült und mit Essig desinfiziert werden. Chemiekeulen sollten in den Regalen des Handels stehenbleiben.

Eine absolute Ausnahmelösung ist Branntkalk. Der Geruch ist zwar nach der Anwendung weg, aber der Stoff ist alles andere als ohne. Handschuhe und Mundschutz sind ein Muss. Außerdem wird das Material der Tonne angegriffen- Schadensersatzforderungen drohen. Das macht Branntkalk zu einer Option für Extremfälle.

  • bem unter Verwendung von Material der Göttinger Entsorgungsbetriebe,  der Abfallwirtschaft Schaumburg und des Landkreises Friesland

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