Plastik im Biomüll wird Kampf angesagt

Plastik im Biomüll wird Kampf angesagt

150 150 Klaus Henning Glitza

Aus so genannten Bio-Tüten kann weder Energie noch Kompost gewonnen werden

 

Weil immer mehr Plastiktüten und andere Fremdstoffe in den Biotonnen landen, ist vielerorts die Kompostierung und die Bioenergiegewinnung in Frage gestellt.  Selbst „Bio“-Plastiktüten stellen keine Alternative dar. Aus diesem Grunde haben die Stadtreinigung Hamburg (SRH) und 22 weitere Entsorgungsunternehmen in Norddeutschland Plastiktüten in den Biotonnen den Kampf angesagt.

Erstmalig realisieren Abfallwirtschaftsbetriebe aus ganz Norddeutschland gemeinsam eine große überregionale Informations- und Aufklärungskampagne, um die konventionellen Plastiktüten und die angeblich „kompostierbaren Plastiktüten“ aus den Biotonnen zu verbannen. Heute, am 20. April 2018, fiel der Startschuss. Aktuell sind 23 Betriebe aus Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern dabei. Dr. Robert Habeck, Umweltminister in Schleswig-Holstein und bis vor kurzem stellvertretender Ministerpräsident Schleswig-Holsteins, unterstützt als Schirmherr diese Kampagne.

Zu den Hintergründen der Aktion, die unter dem Motto „Norddeutschland räumt auf in der Biotonne“ steht, teilt die Stadtreinigung Hamburg (SRH) mit: „In kleinste Schnipsel zerfallen, können die Plastiktüten nicht mehr aus dem Bio-Kompost getrennt werden und landen so auf den Äckern. Damit ist der Absatz des Qualitätskompostes als natürlicher und umweltfreundlicher Dünger gefährdet, weil Landwirte und Gartenbaubetriebe den mit Plastik verunreinigten Kompost nicht abnehmen. Wenn der Kompost nicht mehr abgenommen wird, ist auch die getrennte Sammlung von Bioabfall in den grünen Biotonnen bedroht.“

 SRH-Geschäftsführer Professor Dr. Rüdiger Siechau appelliert besonders an die Nutzer von Biotonnen in Hamburg: „Bitte sammeln Sie Ihre Küchenabfälle in den eigens für diesen Zweck entwickelten Papiertüten der Stadtreinigung Hamburg. Für jeden Haushalt mit Biotonne gibt’s 30 Stück pro Jahr kostenlos. Nur Papiertüten werden bei der Biogaserzeugung und anschließender Kompostierung rückstandsfrei abgebaut. Bitte verwenden Sie keine Tüten aus sogenanntem „Bio“-Plastik. Auch diese angeblich umweltfreundlichen Materialien verunreinigen den Kompost.“

Vielen Bürgern ist nicht bewusst, dass auch „kompostierbare Plastiktüten“ aus „Bioplastik“ einen aus Erdöl erzeugten Anteil an Plastik enthalten darf, der sich zwar langsam zersetzt, aber nicht biologisch abgebaut wird. Diese Tüten erfüllen die Euro-Norm, wenn sich nach zwölf Wochen 90 Prozent der Tüte in Teile zersetzt hat, die kleiner als zwei Millimeter sind. Dann gilt, dass nach sechs Monaten 90 Prozent der Tüte biologisch abgebaut sind. Diese Zeiten überschreiten aber deutlich die Produktionszeiten in modernen Biogas- und Kompostierungsanlagen.

Die Stadtreinigung Hamburg plant, Probeexemplare der Hamburger Biotüten aus mit Wachs beschichtetem, nassfestem Papier sowie einen Gutschein für weitere 30 kostenfreie Biotüten an alle Hamburger Haushalte mit Biotonne zu verteilen. Pro Haushalt mit Biotonne gibt es einen kostenfreien Satz von 30 Biotüten pro Kalenderjahr. So einfach geht es schon jetzt: Auf der Website www.stadtreinigung.hamburg/biotueteeinfach Mailadresse und den Standplatz der Biotonne eingeben. Anschließend erhält man per Mail einen Coupon im PDF-Format. Mit Abgabe des ausgedruckten Coupons gibt es in den Hamburger BUDNI-Filialen einen 30-er Satz der Booteten kostenlos. Selbstverständlich gibt es die Biotüten auch auf allen zwölf Recyclinghöfen der Stadtreinigung Hamburg. Hier muss entweder der ausgedruckte Coupon mitgebracht oder der Abholcoupon auf dem mobilen Endgerät vorgezeigt werden.

Der Anteil sogenannter Störstoffe im Bioabfall der grünen Biotonnen Hamburgs schwankt stark und beträgt im Jahresmittel 1,85 Gewichtsprozent. Oft ist der Bioabfall so stark mit Restmüll (Konservendosen, Plastiktüten, Glasverpackungen, Lebensmittelverpackungen u. v. m.) verunreinigt, dass der Bioabfall nur noch als Restmüll in einer Müllverbrennungsanlage entsorgt werden kann. Auch Gartenscheren, Kartoffelschälmesser und Besteck gelangen häufig unbeabsichtigt in die Biotonne.

Mehr Informationen unter www.wirfuerbio.deund auf der Homepage www.stadtreinigung.hamburg

-red unter Verwendung einer Pressemitteilung der SRH

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