Neues von den Dualen Systemen

Neues von den Dualen Systemen

150 150 Klaus Henning Glitza

Steht Konzernwechsel bei BellandVision bevor? / Die Preispolitik von EKO-Punkt / Verkaufskandidat Grüner Punkt?

 

Noch ist nichts offiziell, doch alle Anzeichen deuten darauf hin, dass BellandVision den Mutterkonzern  wechseln wird. Vermutlich zur Jahreswende wird die derzeitige Nummer 1 der dualen Systeme in den VEOLIA-Konzern integriert werden. Bislang war BellandVision eine Tochter von SUEZ, des faktischen Verlierers der sattsam bekannten  Übernahmeschlacht.

Nach EM-Informationen wartet VEOLIA nur noch auf die Freigabe durch die EU-Wettbewerbsbehörde, um die mit SUEZ vereinbare Transaktion, sprich die Übernahme eines Großteils des historischen Konkurrenten, in die Endrunde zu bringen.  “Eine Formsache”, so die Einschätzung von Insidern.  Die EU brauche für  bestimmte Dinge eben etwas länger.  In überseeischen Ländern, darunter auch den selten expressmäßig prüfenden USA, ist die Freigabe bereits seit einiger  Zeit erteilt worden.

Was wird mit VEOLIA Umweltservice dual?

Welche Auswirkungen der nahezu sichere  Konzernwechsel auf das bestehende deutsche VEOLIA-System VEOLIA Umweltservice dual haben wird, ist derzeit unklar. Die Franzosen lassen sich diesbezüglich äußerst ungern in die Karten gucken. Es ist aber schwer vorstellbar, dass VEOLIA in Deutschland zwei Rücknahmesysteme betreiben wird, die zudem umsatz- und bedeutungsmäßig Welten trennen.  Da VEOLIA erklärtermaßen auf dem deutschen Markt kräftig expandieren will, wäre es von der einfachen Logik sehr viel effektiver, mit einem einzigen schlagkräftigen System auf dem Markt zu operieren als sich quasi zu verzetteln.

Ein “stiller” Mit- Geschäftsführer?

Wichtig erscheint auch, ob BellandVision, wie es Insider befürchten, künftig an die kurze Leine genommen wird. SUEZ hat. von temporären Ausnahmen abgesehen, die Erfahrung gewonnen, dass BellandVision am besten funktioniert, wenn man von oben nicht allzu viel hineindirigiert. Es ist aber anzunehmen, dass neben der  Alleingeschäftsführerin Diana Uschkoreit -wie das zuvor auch bei SUEZ der Fall war- ein zweiter Geschäftsführer mit VEOLIA-Hintergrund berufen wird. Inwieweit dieser als „stiller Geschäftsführer“ fungieren wird, bleibt abzuwarten.

EKO-PUNKT und der ALDI-Abschied

Weit vom Nummer 1-Status entfernt ist derweil EKO-PUNKT, das duale System von REMONDIS. Der bevorstehende Weggang der beiden Discounterketten ALDI SÜD und ALDI NORD hat tiefe Spuren hinterlassen und sich zudem wenig förderlich auf das Image ausgewirkt. Deshalb wird nach EM-Informationen in der gegenwärtigen Akquisephase offensiv über  Preise verkauft, die laut Insidereinschätzungen kaum auskömmlich sein dürften.

Ob der „ALDI-Job“ übermäßig viel Geld in die EKO-PUNKT-Kassen gespült hat, ist indessen mehr als unsicher. Andere Systeme, bei denen ALDI nachgefragt haben soll, sollen jedenfalls aufgrund der Preisvorstellungen der Discounterketten keine tragfähige Grundlage gesehen haben. Auf jeden Fall ist sicher, dass EKO-PUNKT mit seinem letzten verbliebenen Großkunden AMAZON eher rote als schwarze Zahlen erwirtschaftet, angeblich im siebenstelligen Bereich. „Aber es trifft ja keinen Armen“, so kommentiert ein Insider.

Insider sind der Ansicht, dass ALDI die Pläne nach einem eigenen System oder einem System mit Mehrheitsbeteiligung nicht aufgegeben hat,  Bei Interseroh + bestände nach EM-Informationen durchaus die Möglichkeit, sich in größerem Maße einzukaufen. Ein eigenes System aus dem Boden zu stampfen, erscheint wenig erfolgversprechend. Dem ständen die längeren Systemfeststellungs-Zeiten entgegen, aber auch die Schwierigkeiten, wirklich gutes Personal zu finden, denn der Markt ist ziemlich abgegrast.

Viele Vorteile- abgesehen vom Preis

Bei PreZero dual, dem  Rücknahmesystem der Schwarz Gruppe (Lidl, Kaufland) ist nach EM-Information inzwischen die Erkenntnis gewonnen worden, dass ein eigenes System zwar diverse Vorteile bietet, ein Preisvorteil aber nicht unbedingt  dazugehört. „Die wären billiger davongekommen, wenn sie die Leistungen  einem bestehenden dualen System übertragen hätten“, ist sich ein Insider sicher. Das hindert PreZero dual aber nicht daran, nach wie vor intensiv nach Kaufobjekten Ausschau zu halten. Die Tochter der Schwarz Gruppe gilt in ihrer Entsorgungssparte als chancenreichster Herausforderer der REMONDIS-Gruppe, der derzeitigen deutschen Nummer 1 im Entsorgungswesen..

Grüner Punkt- grünes Licht für Verkauf?

Beim Grünen Punkt- Duales System Deutschland (DSD)  stehen nach Insiderangaben die Zeichen auf Verkauf. Mehrheitsgesellschafter H.I.G. Capital  hat nach EM-Informationen  mehrfach signalisiert, dass er das älteste deutsche System aus seinem Bestand entlassen will. Es kann aber nicht davon gesprochen werden, dass die Kaufinteressenten Schlange stehen. Zumal es eine Art Agreement zu geben scheint, dass der Grüne Punkt nicht abermals in die Hände eines Finanzinvestors kommen soll. Der Kaufpreis soll aber inzwischen „angepasst“ worden sein. Dies ist auch der sogenannten Breakup-Fee, die REMONDIS nach der gescheiterten Übernahme in zweistelliger Millionenhöhe an H.I.G. zahlen musste, zuzuschreiben.

Altera  System auf der “Reservebank”

Rätselhaft bleiben nach wie vor die Hintergründe, die zur Gründung eines zweiten dualen Systems unter dem Dach des DSD, der Altera System GmbH mit Sitz in Monheim geführt haben. Nach Insiderinformationen handelt es sich um ein System auf der „Reservebank“, das noch nicht wirklich auf das Spielfeld aufgelaufen ist.

Entscheidend: Was bringt die Akquisephase?

Die gesamte Branche der Rücknahmesysteme blickt gebannt auf das Ergebnis der derzeit auf Hochtoren laufenden Akquisephase. Wiederum heißt es aus Insiderkreisen , der Umfang der Kundengewinnung sei entscheidend für den Fortbestand kleinerer Systeme. Aber das war schon im vergangenen Jahr so, als Branchenkenner davon ausgingen., dass mindestens zwei Systeme vom Markt gehen. Das bewahrheite sich bekanntermaßen nicht, Wohl kann aber ging jetzt mit großer Sicherheit angenommen werden, dass es für einige Systeme sehr eng wird.

Faktum ist, dass es gegenwärtig eindeutig  zu viele Rücknahmesysteme in Deutschland gibt- und der “Kuchen” nicht groß genug ist, um alle auskömmlich zu beköstigen.

khg

Hinterlasse eine Antwort