Neues Jahr- neue Einkaufstouren

Neues Jahr- neue Einkaufstouren

150 150 Klaus Henning Glitza

REMONDIS Nord hat die Optisys GmbH in Wedel zu 100 Prozent übernommen

 

Neues Jahr- neue Einkaufstouren. 2018 hat kaum begonnen, da wird schon die erste Neuerwerbung gemeldet. Mit Wirkung zum 02. Januar hat die REMONDIS GmbH Nord das nach Eigenangaben rund 70 Mitarbeiter beschäftigende Entsorgungsunternehmen Optisys GmbH in Wedel bei Hamburg mit seinen 35 Fahrzeugen zu 100 Prozent übernommen. Von einer “Müll-Hochzeit” spricht die Pinneberger Zeitung.

Bisheriger Mehrheitsgesellschafter war mit 70 Prozent Jan Stephan Bötel, der in Wedel auch ein Fitnessstudio betreibt. Neben dem Importunternehmer Salvatore Chiolo (20 Prozent) war auch Geschäftsführer Michel Meißner mit 10 Prozent beteiligt. Die 2009 gegründete Firma ging aus der Elbe Recycling Dienstleistungs- und Branchenlösungs-GmbH hervor.

Laut Hamburger Abendblatt war die offenbar bilanziell überschuldete Optisys mit der Entsorgung von Altglas und Verpackungsabfällen in 15 Landkreisen in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern betraut. Darunter waren mehrere Neuaufträge, die erst Anfang diesen Jahres 2018 aktuell geworden wären. Ob der Personal- und Fahrzeugbestand für sämtliche Entsorgungsgebiete gereicht hätte, wurde in Branchenkreisen ernsthaft infrage gestellt. So sah man im niedersächsischen Landkreis Rotenburg dem künftigen Dienstleister mit Sorge entgegen. Optisys hatte nach Berichten der Rotenburger Kreiszeitung für die Entsorgung lediglich zwei Fahrer eingestellt, die nicht vor Ort, sondern von Nienburg an der Weser aus koordiniert werden sollten. Aus schleswig-holsteinischen Kreisen, in denen Optisys bereits tätig war, wurde von Problemen berichtet.  „Optisys genoss nicht den besten Ruf, es gab viele Ungereimtheiten im Zusammenhang mit dieser Firma“, wird Ralph Hohenschurz-Schmidt, Geschäftsführer der Abfallwirtschaftsgesellschaft Rendsburg-Eckernförde (AWR) von der Eckernförder Zeitung zitiert.

Gut für REMONDIS: Neben Rotenburg an der Wümme fallen drei weitere Aufträge, die Optisys dem Branchenprimus in den Kreisen Schleswig-Flensburg, Rendsburg-Eckernförde und Dithmarschen abgejagt hatte, in den Schoß des Konzerns zurück. Weniger gut: Das etwa 60.000 Quadratmeter große Grundstück des Wedeler Unternehmens am Kronskamp 105 – 107 gilt in der Bevölkerung seit längerem als höchst ärgerliche Quelle von Geruchs- und Lärmbelästigung sowie Rattenbefall.

Mehrfach hatte es deshalb Beschwerden von Bürgern gegeben. Bei Kontrollmaßnahmen wurde unter anderem festgestellt, dass „die laut Betriebsgenehmigung erlaubte Menge an Müll, die dort gelagert werden darf, bis um ein Dreifaches überschritten“ wurde, wie das Hamburger Abendblatt berichtete.  Aufgrund der Verstöße seien zahlreiche Strafen verhängt und sei auch die Kontrolldichte erhöht worden.

Gegen zwei Verantwortliche einer Firmengruppe, die am Kronskamp 105 -107 (Adresse von Optisys), ihren Sitz hat, laufen zudem Ermittlungsverfahren wegen unerlaubten Betreibens von Anlagen. Die Staatsanwaltschaft Itzehoe hat außerdem gegen diese Personen Anklage wegen Urkundenfälschung erhoben. Dem Vernehmen nach wurden bei Ausschreibungen gefälschte Zertifikate vorgelegt.

Mit der Firmenübernahme ist REMONDIS im Landkreis Pinneberg, zu dem Wedel gehört, überdurchschnittlich gut vertreten. Auch an der Gesellschaft für Abfallwirtschaft und Abfallbehandlung mbH (GAB) mit Sitz in Tornesch ist der Konzern mit den üblichen 49 Prozent vertreten. Die übrigen Anteile hält der Landkreis Pinneberg.

Die Geschäftsführung bleibt formal in den Händen von Michel Meißner, Jahrgang 1984, der dieses Amt am 02. Mai 2016 angetreten hatte. Als 2. Geschäftsführer fungiert der Diplomkaufmann Arne Oberbeck, der zugleich Geschäftsführer der Remondis GmbH Hamburg ist. Es ist ein offenes Geheimnis, dass der REMONDIS-Manager im Unternehmen keinesfalls die zweite Geige spielt.

 

 

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