Neue REMONDIS-Akquise

Neue REMONDIS-Akquise

Neue REMONDIS-Akquise 150 150 Klaus Henning Glitza

Konzern steigt in das Geschäft der Datenanalyse ein: Beteiligung an Westphalia DataLab, Münster

 

Mit Kraftwerken kennt sich REMONDIS aus- mit dem „Kraftwerk der Datenanalyse“ weniger. Bis jetzt, denn der Entsorgungsriese aus dem westfälischen Lünen, seit Jahren um Diversifizierung bemüht, will in das Geschäft der Datenanalyse einsteigen. Eine ganz andere Branche als der „Grüne Punkt“ oder STEAG.

Objekt der Lünener Begierde ist -wie EUWID meldet- Westphalia DataLab GmbH mit Sitz in Münster. Nach Eigendarstellung ein „Kraftwerk der Datenanalyse“. Die EU-Wettbewerbsbehörde hat die Transaktion freigegeben.  Weil es ein Marktfeld ist, auf dem sich REMONDIS noch nicht intensiv betätigt.

Westphalia DataLab ist ein typisches Startup. Viele gute Ideen, exzellentes Know-how, ein enormer Finanzbedarf, zufriedenstellende Umsätze- aber hängen bleibt nichts. Eher das Gegenteil. Im jüngsten Jahresabschluss 2018 wird ein Jahresfehlbetrag von 602.403,38 Euro ausgewiesen. In 2017, dem Gründungsjahr, betrug das Minus 307.583,01 Euro. Neue Zahlen liegen nicht vor. Im internationalen Rating ist das Unternehmen mit erhöhtem Risikoprofil und überdurchschnittlicher Ausfallwahrscheinlichkeit charakterisiert.  Doch das ist bei Startups fast schon Normalität: Wer vom Beckenrand springt, schwimmt nie im Geld, sondern landet stets im sprichwörtlich kalten Wasser.

Logistiker FIEGE gehört zu den Gründern

So läuft es in der Welt der Unternehmen. Die einen haben die Ideen, die anderen das Geld. Das war auch bei Westphalia DataLab so. Als Mitgründer stieg ein Logistikriese ins Boot. Die FIEGE Logistik Stiftung & Co. KG mit Hauptsitz im westfälischen Greven hält derzeit mit 40 Prozent die Mehrheitsanteile an Westphalia DataLab. Mitgründer Reiner Kurzhals und Cornelius Brosche sind mit 36 beziehungsweise 24 Prozent dabei.

Der Gütertransportkonzern (rund 12.0000 Mitarbeiter) begnügt sich -wie üblich- nicht mit der Teilhaberseite. FIEGE-Manager Marcus Gropp ist zusammen mit Mitgründer Brosche Mitglied der Geschäftsführung.

Zehn Millionen frisches Geld

Trotz Konzernhilfe ist frisches Geld vonnöten. Unlängst war von einer neuen Finanzierungsrunde die Rede. Man sprach von zehn Millionen Euro, die eingeworben werde sollen.  Der Part von REMONDIS- dem neuen strategischen Investor? Einem Konzern, für den das Peanuts wären?

Es fragt sich nur, wer gibt welche Anteile ab? Wird REMONDIS Assets & Services nach dem Muster von FIEGE einen Platz in der Geschäftsführung beanspruchen?  EM-Versuche, durch Kontaktierung von Westphalia DataLab Licht ins Dunkel zu bringen, scheiterten. Unter der auf der Webseite angegebenen Rufnummer meldete sich ganztägig niemand. Auch ein AB war nicht geschaltet.

Eines steht aber fest: Schlecht wäre dieses Invest nicht. Denn Westphalia DataLab hat überaus ambitionierte Zukunftsvisionen, nämlich die globale Expansion in drei Stationen.  Erst die Nummer 1 in Deutschland, dann der Spitzenreiter in Europa und schließlich Weltmarktführer, wie es Gründer Kurzhals verlauten ließ.  Solch ausgeprägtes Selbstbewusstsein dürfte in Lünen gut angekommen sein. Dort denkt man in ganz ähnlichen Dimensionen.

 

REMONDIANER kennen das DataLab als Kunden

Die REMONDIANER wissen, worauf sie einlassen. Denn die kennen Westphalia DataLab schon seit frühen Zeiten: Ebenso wie STRABAG, SLM Solutions, Autozulieferer Mann + Hummel oder der Landmaschinenhersteller Claas gehören sie zu den Kunden. Genau wie Mehrheitsgesellschafter FIEGE, der gerne auch die Dienstleistungen in Anspruch nimmt. Wenn sich schon -jedenfalls zunächst- kein Geld verdienen lässt.

Für REMONDIS wäre es nicht das erste Mal, dass eine Kundenbeziehung oder eine geschäftliche Kooperation in einen Anteilserwerb oder eine komplette Übernahme mündet.

Firmengründer Reiner Kurzhals, seines Zeichens Professor an der Fachhochschule in Münster, hätte mit derlei Transaktionen Erfahrung. Schon einmal hatte er ein Startup namens 4tree zusammen mit zwei Ex-Studenten seines Statistikkurses in Leben gerufen. Ein Unternehmen, das auf Datenanalyse für den Einzelhandel spezialisiert war. 2015 übernahm McKinsey das Unternehmen komplett. Die Mitgesellschafter wurden ausgezahlt. Ein gutes Startkapital für neue unternehmerische Vorhaben.

Problem: Zu viele Daten

Der Begriff Big Data, zu Deutsch Massendaten und dessen Handling, die Data Science, machen ein allgemeines Problem vieler Unternehmen deutlich. Es gibt eine Unmenge verfügbarer Daten- und das heißt, wesentlich zu viele, als die allermeisten Firmen mit Bordmitteln erfassen und verwerten können. Zudem haben nicht wenige Daten ein nur kurzes Leben und verschwinden dann wieder auf Nimmerwiedersehen.  Ohne Softwarelösungen und künstliche Intelligenz lässt sich aus Ozeanen an Daten kaum das herauszapfen, was die Unternehmenslenker für ihre spezifischen Anforderungen, sprich ihren Teich vor der Haustür brauchen. Mit der klassischen Datenverarbeitung kommt hier niemand weiter.

Gleichzeitig können die Unternehmen auf Big Data kaum verzichten. Informationen sind das Öl des 21. Jahrhunderts, so sagen es auch Repräsentanten von Westphalia DataLab. Aus der Verknüpfung von internen Daten (beispielsweise Kundendaten) und externen Daten lassen sich „hoch präzise Vorhersagen zu Wareneingängen, Absatz oder Personalbedarf“ generieren, wie es in einer Ausarbeitung des DataLabs heißt. Letztlich ergeben sich aus der Datenanalyse auch Anhaltspunkte auf Konkurrenten und deren Potenziale.

„Wir analysieren Daten für Unternehmen, die gute Positionen am Weltmarkt haben, aber sich vor neuer Konkurrenz fürchten, die Marktmacht durch Technik anstrebt“, zitieren die Westfälischen Nachrichten Firmengründer Kurzhals.

khg

 

 

Hinterlasse eine Antwort