MVV nahm neue Anlage in Betrieb

MVV nahm neue Anlage in Betrieb

1024 549 Klaus Henning Glitza

In Bernburg (Saale) werden künftig in großem Maßstab Bioabfälle vergärt und energetisch genutzt

 

Das Energieunternehmen MVV hat am gestrigen Montag seine auf für etwa 21.000 Megawattstunden Biomethan pro Jahr ausgelegte Anlage zur Vergärung und energetischen Nutzung von Bioabfällen in Bernburg an der Saale (Salzlandkreis, Sachsen-Anhalt ) offiziell in Betrieb genommen.

Die nach neuesten Gesichtspunkten erbaute Anlage kann nach MVV-Angaben jährlich etwa 33.000 Tonnen Bioabfälle verarbeiten. Bei der Vergärung entsteht zusätzlich zum Biogas als stofflicher Output das Gärprodukt, das nach der Aufbereitung in hochwertiger fester oder flüssiger Form in der Landwirtschaft sowie im Landschafts- und Gartenbau Verwendung findet.

Biomethan ist eine erneuerbare Energie und damit ein vollwertiger sowie gleichzeitig klimaneutraler Ersatz für Erdgas. Gegenüber der Bioabfallverwertung bei der reinen Kompostierung ohne energetische Nutzung spare die Bioabfall-Vergärungsanlage Bernburg etwa 7.400 Tonnen CO2 ein, teilt MVV mit . Diese Einsparung entspreche etwa dem Effekt einer Umstellung von 2.200 Haushalten auf die Versorgung mit grünem Strom und zirka 300 Haushalten mit grüner Wärme. Das leiste „einen wichtigen Beitrag sowohl zu mehr Unabhängigkeit von fossilen Gaslieferungen als auch zum Klimaschutz“.

Wie es funktioniert

Und so funktioniert das Verfahren der Bioabfallvergärung: In der Anlage zersetzen Bakterien unter Luftabschluss den organischen Abfall, ohne dass Gas in die Atmosphäre entweicht. Sämtliche Behälter der Anlage sind zudem geruchsdicht. Ein leistungsfähiges Absaugverfahren reinigt sowohl den Annahmebereich als auch die gesamte Hallenluft. Die Masse wird von Rührwerken innerhalb eines so genannten Fermenters in Bewegung gehalten. Das Biogas kann so nach oben entweichen und die gesamte Abluft wird in einem modernen Biofilter gereinigt. Das bei der Vergärung entstehende Biorohgas wird anschließend zu Biomethan in Erdgasqualität aufbereitet. Das Biomethan wird in das Erdgasnetz eingespeist und gelangt so zu den Verbrauchern. Mittels eines Blockheizkraftwerks können dezentral Strom und Wärme erzeugt oder das Biomethan kann als Kraftstoff genutzt werden (zum Beispiel. an CNG-Tankstellen, für Lkw, Abfallsammelfahrzeuge oder im ÖPNV). Industrie und Gewerbe können Biomethan als grünes Gas für ihre Produktionsprozesse einsetzen.

Stärkung der Versorgungssicherheit

„Reduzierung von Treibhausgasen bei gleichzeitiger Stärkung der Versorgungssicherheit: Die Biomethangewinnung aus der Bioabfallvergärung bietet einen Lösungsansatz mit Perspektive für zwei der größten Herausforderungen unserer Zeit, den Klimawandel und die Energiekrise infolge des russischen Krieges in der Ukraine“, sagte der Minister für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt, Professor Dr. Armin Willingmann, bei der Einweihungszeremonie. Er sei froh, „ dass wir mit MVV hier in Sachsen-Anhalt auf einen starken Energiepartner bauen können, der uns beim Ausbau von zukunftsweisenden Technologien für eine klimafreundliche Energiegewinnung unterstützt“.

Die Rolle der Vergärung

Markus Bauer, Landrat des Salzlandkreises, verwies in seiner Rede auf den Beitrag der Bioabfall-Vergärungsanlage für die Umsetzung der Zukunftsstrategie Salzlandkreis 2030: „Wir haben uns vorgenommen, bis 2030 klimaneutral zu werden. Dabei spielt die Vergärung von Bioabfällen eine wichtige Rolle – denn diese spare !im Gegenteil zur Kompostierung und durch die. zusätzliche energetische Nutzung große Mengen CO2 ein.“ Zum Standort un Bernburg hob der Landrat hervor: „Wir verringern Transportwege und können damit Kosten sparen“. Auch die Belastung der Straßen verringere sich.

Gewinnung grüner Energie

Dr. Silvia Ristow, Oberbürgermeisterin der Stadt Bernburg (Saale), zeigte sich von den Vorteilen der umweltfreundlichen Energiegewinnung vor Ort überzeugt: „Diese Anlage ist ein Paradebeispiel für die Gewinnung grüner Energie aus der Region für die Region sowie für eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft. So leisten wir als Stadt unseren lokalen Beitrag für die Umsetzung der Energiewende.“

“Beitrag zur Kreislaufwirtschaft”

„Mit der klimafreundlichen Vergärung von Bioabfällen leistet Bernburg nicht nur einen wichtigen Beitrag für eine regionale und nachhaltige Kreislaufwirtschaft, sondern wird gleichzeitig zu einem Vorreiter der Energiewende. Denn hier wird durch die Nutzung natürlicher Ressourcen erneuerbare Energie gewonnen, die auch den Bürgerinnen und Bürgern vor Ort zugutekommt“, betonte MVV-Vorstand Dr. Hansjörg Roll. Seinen Worten zufolge demonstriere die Biogasanlage in Bernburg „erneut unsere Verbundenheit mit der Region, wo wir uns bereits seit 2005 für eine umweltfreundliche und nachhaltige Energieerzeugung engagieren“.

Baubeginn Ende 2020

Der Bau der emissionsarmen Bioabfall-Vergärungsanlage in Bernburg wurde vom Bundesumweltministerium im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative gefördert. Ende 2017 wurde das Projekt mit einem Investitionsvolumen von etwa 20 Millionen Euro erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Zum Baubeginn der Anlage auf dem gut vier Hektar großen Gelände im Gewerbegebiet West von Bernburg erfolgte Ende 2020 der feierliche Spatenstich. Seit Anfang 2022 ist die Anlage unter anderem mit Bioabfallmengen aus dem Salzlandkreis in Betrieb und speist Biomethan in das Erdgasnetz der Stadtwerke Bernburg ein.
MVV ist seit 2005 in Sachsen-Anhalt mit mehreren Anlagen für eine nachhaltige und klimafreundliche Energiegewinnung engagiert: Das Unternehmen betreibt in diesem Bundesland vier Biomethananlagen in der Magdeburger Börde, fünf Windparks und in Leuna auch eine thermische Abfallbehandlungsanlage, die unter anderem klimafreundliche Fernwärme für Merseburg produziert. MVV ist zudem seit 2000 Muttergesellschaft der Köthen Energie. – MVV ist ein Unternehmen in der Metropolregion Rhein-Neckar, die MVV-Gruppe ist weltweit tätig.

SeA/rd

Oberes Bild: Offizielle Inbetriebnahme der neuen MVV-Anlage in Bernburg (Saale) durch Oberbürgermeisterin Dr. Silvia Ristow, MVV-Vorstand Dr. Hansjörg Roll, Minister  Professor Dr. Armin Willingmann  und Landrat Markus Bauer. Foto: MVV

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