München wird “Zero Waste”-Stadt

München wird “Zero Waste”-Stadt

150 150 Klaus Henning Glitza

AWM will zusammen mit Partnern das Müllaufkommen in der bayerischen Hauptstadt deutlich verringern

 

Der Abfallwirtschaftsbetrieb München (AWM) hat in Zusammenarbeit mit dem Wuppertal Institut, Stakeholder Reporting, Prognos und rehab republic e. V. ein Zero-Waste-Konzept für die Landeshauptstadt München ausgearbeitet. Das ambitionierte Ziel: Das Münchener Müllaufkommen soll sich deutlich verringern und dadurch Ressourcen geschont werden.

Der Weg hin zu einer Zero-Waste-City besteht laut Konzept aus drei Themen­blöcken:

  • Zero-Waste-Lebens­stil  (Abfall­reduzierung im All­tag durch verantwortungs­bewussten Konsum)
  • Zero-Waste-Wirt­schaft  (Optimierung von Produktion und Prozessen hin zur Abfall­vermeidung)
  • Zero-Waste-Verpflichtung (Ver­pflichtung der Stadt­verwaltung, nach einem konkreten Plan die Abfall­vermeidung voran­zutreiben)

Das über 200 Seiten starke Zero-Waste-Konzept wurde vom Stadtrat verabschiedet. Initiiert wurde das Projekt von Oberbürgermeister Dieter Reiter: „Es ist wirklich beeindruckend, was in nur drei Jahren aus meiner Idee aus den Gesprächen mit Dr. Wilts *, die wir im Rahmen meines Münchner Zukunftsdialogs geführt haben, geworden ist. Ich danke allen Beteiligten für das tolle Engagement, insbesondere dem AWM und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und ich hoffe, wir können das alles erfolgreich umsetzen. Und vielleicht sind wir ja in einzelnen Bereichen sogar schneller auf dem Weg zur Zero Waste City, als wir uns das derzeit vorstellen“,  sagte das Stadtoberhaupt.

1, Werkleiterin Kristina Frank. Foto: Stadt München

Die Ausarbeitung und Umsetzung erfolgte durch die Kommunalreferentin und 1. Werkleiterin des AWM, Kristina Frank: „München hat sich mit dem Zero-Waste-Konzept sehr viel vorgenommen. 56 Kilo weniger Haushaltsmüll pro Jahr – diesen Wert gilt es bis 2035 für jeden Münchner und jede Münchnerin zu knacken. Zusammen wären das für unsere Stadt 85 000 Tonnen Müll weniger. Dieses herausfordernde Ziel können wir nur gemeinsam erreichen. Um München zu einer abfallärmeren Stadt zu machen, sind wir auf die Unterstützung aller – Haushalte, Unternehmen, Politik und der Stadtverwaltung – angewiesen.“

In der Landeshauptstadt fallen jährlich ca. 720.000 Tonnen Siedlungsabfälle (darunter 43 Prozent Restmüll) an. Diese Abfallmengen stellen nicht nur eine Ressourcenverschwendung dar, sondern benötigen für ihre Sammlung, Sortierung und Behandlung enorme Energiemengen.

Wie lässt sich Müll einsparen, wie lassen sich Ressourcen schonen? Die Projektbeteiligten haben innerhalb des Vorhabens “Zero Waste München” nun ein umfangreiches Konzept erarbeitet. Darin schlagen sie unter anderem konkrete Maßnahmen vor, mit deren Hilfe sich die Siedlungsabfälle – also alle haushaltsähnlichen Abfälle – reduzieren und letztlich auch Ressourcen schonen lassen.

Der Erarbeitungsprozess erstreckte sich über anderthalb Jahre und erfolgte unter Begleitung des Wuppertal Instituts. Die Projektbeteiligten sammelten nach der Status-quo-Analyse erste Ideen, an denen sich die gesamte Münchner Stadtgesellschaft beteiligen konnte. Stakeholder Reporting und rehab republic e. V. konzipierten und moderierten mehrere Workshops mit unterschiedlichen Personen der Stadtbevölkerung, in denen über 100 Maßnahmen zur Abfallvermeidung sowie zum Ressourcenschutz erarbeitet wurden. Zusätzlich berechnete Prognos verschiedene Abfallvermeidungsszenarien, welche essenziell für die Auswahl und Quantifizierung der notwendigen Maßnahmen waren.

Das Zero-Waste-Konzept bildet bis 2035 den Handlungsplan zur Abfallvermeidung in München und ist an drei übergeordneten Zielen ausgerichtet:

  • Haushaltsabfälle um 15 Prozent pro Kopf reduzieren – von 366 auf 310 Kilogramm
  • Restmüllmenge um 35 Prozent pro Kopf reduzieren – das Einsparpotenzial liegt an dieser Stelle bei knapp 70 Kilogramm pro Einwohner
  • Münchnerinnen und Münchner für Zero Waste sensibilisieren

Die weiteren Ziele und Maßnahmen, die im Zero-Waste-Konzept zur Müllvermeidung und Ressourceneinsparung festgeschrieben wurden, beziehen sich auf Bereiche des Abfallmanagements, der öffentlichen Verwaltung, der Bildungseinrichtungen, des Gewerbes, des Bausektors, der Zivilgesellschaft, des Handels und der Eventbranche.

Carina Koop, Researcherin im Forschungsbereich Stoffkreisläufe in der Abteilung Kreislaufwirtschaft am Wuppertal Institut, betont: „Das Zero-Waste-Konzept bildet den Startschuss, um München nachhaltig zu verändern. Der Grundstein ist gelegt und jetzt gilt es alle Kräfte zu mobilisieren und die Maßnahmen in die Tat umzusetzen.”

Die personellen und finanziellen Mittel zur Umsetzung der Maßnahmen werden für den Haushalt 2023 beantragt. Angesetzt werden für das erste Jahr 1,8 Millionen Euro für die Umsetzung des Zero-Waste-Konzeptes.

Mit den umfassenden Maßnahmen des Zero-Waste-Konzept und der Formulierung konkreter Ziele bewirbt sich die Landeshauptstadt München nun für das “Zero Waste City”-Zertifikat, welches vom europäischen Verein Zero Waste Europe verliehen wird.

EvT/rd

* Dr. Henning Wilts, Director Division Circular Economy des Wuppertal Institute for Climate, Environment and Energy.

Links:

Weitere Infos zum Thema Zero Waste München: https://www.awm-muenchen.de/zerowastecity

Projekt: Zero Waste München:
https://wupperinst.org/p/wi/p/s/pd/1865

Morgen: Pop-up-Versteigerung und Räumungsverkauf  am Viktualienmarkt

 

Der Viktualienmarkt, gelegen in der Altstadt Münchens, ist einer der bekanntesten Märkte der Welt. Am morgigen Sonnabend können hier neben Viktualien (alte Bezeichnung für Lebensmittel) auch gut erhaltene Gebrauchtwaren erworben werden.

 Der Abfallwirtschaftsbetrieb München (AWM) versteigert ab 12 Uhr rund 20 besondere Secondhand-Stücke, darunter ein kunstvoll verziertes Holz-Kruzifix, ein Tandem-Bike,  ein signiertes Ölgemälde und ein Akkordeon von Hohner. Diese Objekte  wurden die auf den Münchner Wertstoffhöfen oder im Gebrauchtwarenkaufhaus Halle 2 abgegeben.    Im Vorfeld findet von 11 bis 13 Uhr der Abverkauf der Einrichtungsgegenstände und Restposten aus dem Pop-up-Store am Viktualienmarkt statt, bei dem laut AWM alle Artikel zu sehr günstigen Preisen erworben werden können.

Die Auktion findet nicht wie gewohnt in der Halle 2 statt, sondern knüpft bewusst  an das Ziel der quartiersnahen Lösungen für mehr Wiederverwendung an. Das zentrale Angebot soll es den Münchner Bürgerinnen und Bürgern ermöglichen, einen unkomplizierten Zugang zu gut erhaltenen Gebrauchtwaren zu erhalten.

Eine kunstvolle Arbeit: das Holz-Kruzifix., Foto: AWM

„Das Thema Wiederverwendung von Ressourcen gehört in die Mitte unserer Gesellschaft – und somit in die Mitte unserer Stadt“, hebt die 1. Werkleiterin und Kommunalreferentin Kristina Frank hervor.. Die Versteigerung von Gebrauchtwaren im Herzen Münchens sei nach ihren Worten „der wunderbare Abschluss zu unserem Pilotprojekt, dem Halle 2-PopUp-Store am Viktualienmarkt“. Dort „konnten wir mit noch mehr Münchner_innen ins Gespräch kommen und unser Gebrauchtwarenkaufhaus-Konzept, das es bisher nur in Pasing gibt, erhielt eine ganz neue Aufmerksamkeit“. Kristina Frank: “Nur so können wir Zero Waste- und Circular City werden. Jetzt wissen wir, worauf es ankommt, wenn wir das Thema künftig stadtweit bespielen wollen. Ich freue mich auf viele weitere Pop-Up-Stores!“

Der Abfallwirtschaftsbetrieb München (AWM) ist mit rund 1.600 Beschäftigten einer der größten kommunalen Entsorgungsbetriebe in Deutschland. Er leert pro Tag in München mit 155 Müllfahrzeugen über 60.000 Mülltonnen (Restmüll, Papier, Bioabfälle), besitzt eine Müllverbrennungsanlage und betreibt im Stadtgebiet zwölf Wertstoffhöfe, eine Biogasanlage und das Gebrauchtwarenkaufhaus Halle 2.

EvT/rd

 

Links:

Eine Auswahl der Versteigerungsobjekte  ist zu sehen auf der AWM-Webseite (www.awm-muenchen.de),  auf Instagram (@halle2_muenchen) und Facebook (@GebrauchtwarenkaufhausHalle2).

So ist der Versteigerungsort zu finden. Grafik: AWM

 

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