Menschen & Macher 03-03/2019

Menschen & Macher 03-03/2019

150 150 Klaus Henning Glitza

Uwe Ochsenknecht ist heute als Müllwerker zu sehen / Zu viele Bagatellsachen: Präsident Mundt fordert Entlastung

 

 

Respekt vor dem herausfordernden Alttag der Müllwerker: Uwe Ochsenknecht in der knallorangenen Arbeitskleidung der BSR. Foto: ARD Degeto/Britta Krehl

Im Film heißt er Träsch. Das klingt wie das englische trash, sprich Müll, Das ist alles andere als ein Zufall, denn Uwe Ochsenknecht spielt die Hauptrolle im ARD-Format „Die drei von der Müllabfuhr“. Am heutigen Freitag wird um 20.15 Uhr mit „Dörte muss weg“ eine Folge im Ersten ausgestrahlt.

„Dörte“, eigentlich PZT04-5000, ist ein Müllroboter mit der Lizenz zum Töten von Arbeitsplätzen. Die Filmfigur Träsch, wegen seiner kompromisslos ehrlich-direkten Art gegenüber seinem Chef auch Käpt´n genannt, ahnt, dass mit dem seelenlosen Roboter sein Arbeitsplatz und der seiner Kollegen Ralle und Tarik in Frage gestellt wird. Maschine contra Mensch- ein altes, aber niemals inaktuelles Thema. Gerade in einer Zeit, in der die Automation nur so um sich greift. Auch bei der Abfallentsorgung.

Der 63-jährige Uwe Ochsenknecht wäre kein Schauspieler von Rang, wenn er sich nicht genaustens auf seine Rolle vorbereitet hätte. Bei der Berliner Stadtreinigung (BSR) fuhr er in aller Herrgottsfrühe Touren in Wilmersdorf und Charlottenburg mit. Bei der BSR entstanden auch die Filmaufnahmen. Trotz aller bemühten Realitätsnähe ist „Die drei von der Müllabfuhr“ eine Komödie, die auf den breiten Publikumsgeschmack abzielt und sich bewährter Uralt-Muster bedient. Aber von Dokumentarfilm hat ja niemand etwas gesagt.

Ein Schauspieler in Knallorange. Ein Star, der auf- und wegräumt.  Für Uwe Ochsenknecht war es ein nachhaltiges Erlebnis. „Ich habe wirklich einen Riesenrespekt vor den Leuten, denn es ist ja letztlich so, dass die unseren Dreck wegmachen. Wenn mal ein Streik ist, sieht man ja, was dann passiert”, sagt er.

Auch im Privatleben ist Uwe Ochsenknecht ein Mensch, der bewusst mit dem Thema Müll umgeht.

Die drei von der Müllabfuhr: (von links) Tarik Büyüktürk (Daniel Rod), Ralle Schieber (Jörn Hentschel) und Werner Träsch (Uwe Ochsenknecht). In der Mitte die Unternehmensberaterin und “Rationalisierungsexpertin “ Dr. Hanna Keller (Inez Bjørg David), die das Trio auf dem Müllwagen wohl oder übel mitnehmen muss. Foto: ARD Degeto/Britta Krehl

Gegenüber der Augsburger betonte er: „Ich achte sehr darauf, dass Papier, Plastik und Restmüll getrennt werden. Viele Leute denken ja, es hat keinen Sinn, seinen Müll zu trennen, so nach dem Motto: ‘Die schmeißen ja am Schluss sowieso wieder alles zusammen.’ Aber das stimmt nicht. Ich habe ja vor Jahren mal für den Grünen Punkt Werbung gemacht, und damals habe ich mir Müllverwertungsanlagen angeschaut und gesehen, dass die Dinge getrennt bleiben.”

Der Schlüssel zur Lösung des Müllproblems liegt aus Sicht von „Dirty Uwe“, wie er seit seiner neuen Rolle liebevoll tituliert wird, in der Müllvermeidung: „Wir versuchen, möglichst wenig Lebensmittel wegzuwerfen. Das ist ja auch nicht so schwer, als erwachsener Mensch kann man das beim Einkauf kalkulieren.”

An die Politik appelliert Ochsenknecht: „Da müssten Änderungen auf internationaler politischer Ebene stattfinden. Man kann seinen eigenen kleinen Müll noch so akribisch trennen, das ist besser als nichts, aber nicht genug.“

Am Freitag nächster Woche, 5. April, geht es, gleichfalls um 20.15 Uhr mit „Die drei von Müllabfuhr weiter“. Dörte, der Roboter ist dann schon passe´, denn das Gute hat, wenn auch mit Hilfe eines fiesen Virus´, gesiegt. „Baby an Bord“ ist dann der Titel. Es geht um ein Findelkind, das auf einem Betriebshof der Berliner Müllabfuhr entdeckt wird, Und wieder erweisen sich die drei von der Entsorgungsfront als Männer mit Herz, Hirn und Mumm.

khg mit Material der Augsburger Allgemeinen, des Berliner Kuriers, der Degeto Film und dpa

***

Eine Entlastung seiner Behörde von Bagatellfällen fordert der Präsident des Bundeskartellamtes Andreas Mundt. Derzeit bekomme die Wettbewerbsbehörde jedes Jahr mehr als 1000 Fusionsanträge auf den Tisch. „Nur eine Handvoll der Fälle sind dabei komplexere Verfahren, die wir nicht binnen vier Wochen entscheiden können. Insgesamt landen bei uns zu viele unproblematische Fälle. Das bindet Ressourcen, die dann bei den wirklich kniffligen Verfahren fehlen“, sagte Mundt im Interview mit der WirtschaftsWoche.

Daher sei es „sinnvoll, bei der anstehenden Novelle des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) „in diesem Bereich etwas zu tun.“  Darüber sei man mit dem Bundeswirtschaftsministerium auch bereits im Gespräch. Über die Reform des deutschen Wettbewerbsrechts will das Bundeskabinett bis Ende des Jahres entscheiden.

Zurzeit wird im Bundeskartellamt bekanntermaßen der Fusionskontrollverfahren Duales System Deutschland-REMONDIS bearbeitet.  Die zuständige Vierte Beschlussabteilung kommt mit der parallelen Bearbeitung von kleineren Verfahren und der Sektor Untersuchung Hausmüll „an ihre Grenzen und darüber hinaus“, so die Einschätzung eines Insiders.

Nach EM-Informationen soll der Behörde das von  REMONDIS in Auftrag gegebene -Gutachten eines international führenden Kartellrechtlers vorliegen, in dem angeblich nachgewiesen werde, dass mit der „Elefantenhochzeit“ des größten deutschen Entsorgungskonzerns und dem größten dualen System keine marktbeherrschende Position erlangt werde.

khg

 

 

 

 

Hinterlasse eine Antwort

Subscribe to our newsletter