Menschen & Macher 01-01/2019

Menschen & Macher 01-01/2019

150 150 Klaus Henning Glitza

„Weiterer Geschäftsführer“ in Neumünster / Dr. Tanja Wielgoß ging- die Nachfolgefrage bleibt offen

 

„Ich schaue mal, ob am 2. Januar der Wagen von Herrn Michaelis vor dem Haus steht“. Mit diesen Worten zitierten die Kieler Nachrichten einen der 750 verunsicherten Mitarbeiter der Stadtwerke Neumünster.

Der Mann wollte auf diesem Wege zum Ausdruck bringen, dass die Beschäftigten des kommunalen Unternehmens wohl als letzte gewahr würden, wer als ihr neuer Oberchef fungieren werde. Nicht früher und nicht später als am Tag des Amtsantrittes würden sie es erfahren, mutmaßte er- und sollte Recht behalten.  Der Aufsichtsrat, der Bürgermeister und der Designierte selbst hüllten sich derweil gegenüber den Stadtwerke-Mitarbeitern, aber auch gegenüber den Medien in Schweigen. Örtliche Beobachter sprachen unverhohlen von Tauchstation.

Inzwischen bedarf es keiner Kommunikation mehr. Es wirkt die Macht des Faktischen, die vollendete Tatsache. Bernd Michaelis, früherer Ko-Chef des kommunalen Entsorgungsunternehmens und seit sechs Jahren im Ruhestand, ist am gestrigen Mittwoch als „weiterer Geschäftsführer“ an seine alte Wirkungsstätte zurückgekehrt. Sein Auto steht vor der Tür. Jeder sieht es, ohne dass es irgendwelcher Erklärungen bedarf.

„Weiterer Geschäftsführer“, ursprünglich sollte es Sprecher der Geschäftsführung heißen, das ist eine vornehme Umschreibung für eine Art Hauptgeschäftsführer, der dem bisherigen Leitungs-Duo Tino Schmelzle und Thomas Junker quasi vor die Nase gesetzt wird. Aufgabe von Michaelis wird es vor allem sein, die Sanierung der stark defizitären Stadtwerke voranzubringen und die Verhandlungen mit den involvierten Kreditinstituten zu koordinieren (was schwierig genug sein dürfte).

Wie berichtet, befinden sich die Stadtwerke in einer millionenschweren Schieflage „Desaströs“ sei die Lage, so Insider. Der Aufsichtsrat, der die Installierung eines „weiteren Geschäftsführers“ mit angestoßen hat, wird von örtlichen Beobachtern eine alles andere als rühmliche Rolle in der negativen Entwicklung der Stadtwerke zuerkannt. Das Gremium sei eher am Parteiproporz orientiert gewesen als an der Erfüllung seiner Kontrollaufgabe, heißt es.

Für die Geschäftsführer Schmelzle und Junker ist der neue „Aufpasser“ in der Führungsetage ein glatter Affront. Sie hatten unlängst gegenüber dem Aufsichtsrat die Vertrauensfrage gestellt- und warten bis heute auf eine Antwort.  Mit Spannung wird deshalb erwartetet, ob sie in dieser neuen Konstellation weitermachen wollen oder dem „alten neuen Chef“ das Feld überlassen wollen.

khg

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Dr. Tanja Wielgoß, seit 2014 Vorstandsvorsitzende der Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR) hat -wie bereits berichtet- zum 31. Dezember 2018 das kommunale Unternehmen verlassen. Zum 1. März dieses Jahres wird sie zu Vattenfall Wärme Berlin AG wechseln. Wer ihre Nachfolgerin, ihr Nachfolger wird, steht noch in den Sternen.

Bislang gibt es weder Namen noch Trends. Die Nachfolgerin, der Nachfolger wird voraussichtlich Mitte des Jahres bestimmt werden, ist aus BSR-Kreisen zu erfahren. Gerade erst ist von der Aufsichtsratsvorsitzenden und  Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe, Ramona Pop, eine Personalberatung mit der Bewerbersuche beauftragt worden,

Eine „regierungslose Zeit“ wird aber nicht auftreten. Vorerst werden die Aufgaben der ausgeschiedenen Chefin von den weiteren Vorstandsmitgliedern Werner Kehren (Finanzen) und Martin Urban (Personal, Soziales und technische Dienstleistungen) paritätisch weitergeführt.  Der Vorstand versteht sich als Team. Seine Mitglieder waren auch vorher schon mit gegenseitigen Vertretungen und gegenseitiger Unterstützung befasst.

Es ist damit zu rechnen, dass sich eine Vielzahl von Bewerbern melden wird. Der Job der oder des Vorstandvorsitzenden des größten kommunalen Entsorgungsunternehmens Deutschland ist nicht nur äußerst prestigereich, sondern auch überdurchschnittlich dotiert. Dr. Wielgoß hat ein Bruttogehalt von 389.000 Euro bezogen.

khg

 

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