Massenhafte Vernichtung von Elektrogeräten- ist das etwa eine Art von Regelfall?

Massenhafte Vernichtung von Elektrogeräten- ist das etwa eine Art von Regelfall?

150 150 Klaus Henning Glitza

Werden neuwertige Geräte geschreddert?/ Wilde Müllablagerungen nehmen stark zu/  Remondis immer noch in DSD-Verhandlungen/ 150 bis 200 Millionen Euro für neue MVA

 

Der Deutschen Umwelthilfe (DUH) liegen nach Eigenangaben konkrete Hinweise darauf vor, „dass in vielen deutschen Recyclinganlagen neuwertige Elektrogeräte geschreddert und nicht auf die Möglichkeit einer Wiederverwendung hin überprüft werden“. Oft verlangten die Händler oder Hersteller dies von den Anlagenbetreibern, so die DUH.  Auch auf vielen deutschen Wertstoffhöfen würden alte Möbel, die lediglich kleine Macken haben, in die Müllpresse gegeben und nicht in Sozialkaufhäusern verkauft oder gespendet.

Laut DUH ist diese Praxis, die gegen das Kreislaufwirtschaftsgesetz und bei Elektrogeräten zusätzlich gegen das Elektro- und Elektronikgerätegesetz verstoße, kein Einzelfall. Die DUH fordert die Vollzugsbehörden der Länder auf, die Entsorgungspraktiken von Amazon und anderen Handelsunternehmen umgehend zu überprüfen und derartige rechtswidrige Praktiken zu stoppen.

„Die massenhafte Vernichtung von Elektrogeräten, Möbeln oder Textilien zeigt uns, wie weit sich Deutschland vom gefühlten Umwelt- und Klimaschutz-Vorreiter-Image tatsächlich entfernt hat. Unter den Augen der für den Gesetzesvollzug zuständigen Behörden werden völlig unnötig Ressourcen verschwendet und das Klima belastet“, betont DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. Der stellvertretende DUH-Leiter für Kreislaufwirtschaft Philipp Sommer ergänzt: „, Dass es für Unternehmen attraktiver ist, neue Produkte oder Produkte mit kleinen Mängeln zu zerstören, anstatt diese zu spenden oder als Gebrauchtware zu verkaufen, zeigt, dass etwas gewaltig schiefläuft. Die ökologisch sinnvolle Wiederverwendung von Geräten wird durch den Gesetzgeber nicht gefördert, sondern systematisch gebremst“.

Nach amtlichen Statistiken werden von etwa 723.000 Tonnen korrekt erfassten Elektroaltgeräten lediglich etwa 15.000 Tonnen für eine Wiederverwendung vorbereitet.

rd/khg

 ***

Eine fast 70-jährige Firmengeschichte geht zu Ende. Der 1949 gegründete Entsorgungsfachbetrieb Johann Franz Hofmann GmbH & Co. KG in Viernheim (Kreis Bergstraße, Südhessen) wird zum 29. Juni 2018 seinen Betrieb einstellen.

Es waren die „zunehmend schwierigeren Bedingungen für kleine Privatunternehmen in der Abfallwirtschaft“, die die vier Chefs des Unternehmens, Wolfgang und Elke Hofmann sowie Ingrid und Karl Ruland, zur Aufgabe zwangen.  Es sei Vieles zusammengekommen, machte Wolfgang Hofmann (67) gegenüber dem Mannheimer Morgen deutlich. „Kommunale Zweckverbände, europäisches Vergaberecht, Dumpingpreise großer Wettbewerber, teure moderne Müllautotechnik und ein immer stärkerer Mangel an Müllwerkern“, nannte er einige der Gründe.

Bestimmender Faktor war vor allem, das der Zweckverband Abfallwirtschaft Kreis Bergstraße (ZAKB) „alles selber mache“, wie Ingrid Ruland gegenüber EM. DAS ENTSORGUNGSMAGAZIN erläuterte.  Für ein kleines Privatunternehmen (zwölf Mitarbeiter, zehn Fahrzeuge) blieb da kein Platz mehr.

Der Rückblick auf die Firmengeschichte ermöglicht tiefe Einblicke in die Entwicklung des deutschen Abfallwesens. Als das Unternehmen 1949 gegründet wurde, gab es kaum Müll. „Die Viernheimer haben vieles wiederverwendet und den Rest verbrannt“, zitiert der Mannheimer Morgen Wolfgang Hofmann. „Doch nach dem Krieg änderte sich das. Eine neue Branche entstand: die Abfallwirtschaft. Erst mit Traktor und Anhänger, ab 1951 dann mit richtigen Müllautos fuhren Johann Franz Hofmann und seine anfangs nur zwei Mitarbeiter durch die Straßen und leerten die Tonnen. Hofmanns Kinder Wolfgang, Ingrid und Albert wuchsen damit auf, dass im Garten ihres Elternhauses in der Annastraße Müllautos standen – eine echte Besonderheit“, schreibt die Zeitung.

 Doch es gibt trotz des bedauerlichen Faktums der Betriebsaufgabe auch eine gute Nachricht: Sämtliche zwölf Mitarbeiter werden vom Zweckverband und der Stadt Viernheim übernommen.

rd/khg

***

Gegen die Aussagen des Geschäftsführers der Stadtwerke Schleswig, Wolfgang Schoofs, die Niederlassung von REMONDIS sei ein „zweiter Einleiter, hat sich der Konzern verwahrt.  „Die Vorwürfe von Herrn Schoof halten wir für absurd. Weder die untere Wasserbehörde, noch die zuständige Staatsanwaltschaft sehen Handlungsbedarf, da es keinerlei Begründung oder Beleg für diese Behauptung gibt. Die Äußerungen von Herrn Schoof sehen wir als Schutzbehauptungen, um von den eigenen Zuständigkeiten bei der Wasserverunreinigung der Schlei abzulenken. REMONDIS wird sich rechtlich gegenüber den Behauptungen aufstellen“, so Anna Ephan von der Presse & Öffentlichkeitsarbeit der REMONDIS Assets & Services GmbH & Co. KG.

khg

Update I

Auf die Frage von Jens Nielsen, Administrator der Gruppe Unsere Schlei plastikfrei “Was ist aus dem Verdacht einer Mitschuld des Remondis-Betriebes in Schleswig als Einleiter von Plastik in die Schlei geworden?” hat Wolfgang Schoofs geantwortet: “Der Sachverhalt wird von uns weiter geprüft und wir sind mit Vertretern von Remondis im Gespräch.”

***

Die Anzahl der festgestellten wilden Müllablagerungen hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Das ergab eine stichprobenhafte Umfrage von Panorama 3 in Norddeutschland.  So seien beispielsweise im Umland von Hannover im Jahr 2009 326 illegale Ablagerungen festgestellt worden, 2017 waren es bereits 687. 1.400 Tonnen wild entsorgten Mülls würden in der Region im Jahr eingesammelt, zitiert Panorama 3 das kommunale Entsorgungsunternehmen aha

 „Auch in Hamburg stiegen die Kosten für die Entsorgung nach Angaben der Hamburger Stadtreinigung von knapp 1,3 Millionen Euro 2007 auf rund 3,8 Millionen Euro im Jahr 2017. Der Kreis Vorpommern-Greifswald vermeldete ebenso einen Anstieg: 2011 zählten die Behörden 186 Fälle (ältere Zahlen lagen nicht vor), die Kosten von 35.000 Euro verursachten. 2017 waren es bereits 737 Fälle, die den Landkreis 114.000 Euro kosteten“, berichte das TV-Magazin weiter.

dn

***

Die ALBA Group hat sich nach Unternehmensangaben im Zuge der strategischen Weiterentwicklung der Unternehmensgruppe von ihrem Metall-Standort in Mannheim getrennt. Der Platz, der bisher zur ALBA Metall Süd GmbH gehörte, wurde an die Unternehmensgruppe Rohstoffhandel Bernhard Westarp veräußert. Künftig bündelt die ALBA Metall Süd die Geschäfte an ihren weiteren Standorten.

“Wir treiben die strategische Neuausrichtung unserer Gruppe kontinuierlich voran“, so Dr. Axel Schweitzer, Vorstandsvorsitzender der ALBA Group plc & Co. KG. „Unser Ziel ist es weiterhin, die Tiefe der Wertschöpfung in unseren zentralen Geschäftsbereichen zu erhöhen.“

Den Standort Mannheim hatte ALBA vor allem für den An- und Verkauf sowie die Aufbereitung von Schrotten und Metallen für die Gießerei- und Stahlindustrie genutzt. Im Jahr 2017 wurde ein Volumen von circa 100.000 Tonnen umgeschlagen. Die Unterzeichnung des Kaufvertrages erfolgte am 29. Mai 2018. Alle Mitarbeiter werden vom Käufer übernommen.

rd

***

2.500 Euro haben die Wuppertaler Stadtwerke GmbH (WSW) kürzlich an den Verein Kindertal e.V. überwiesen. Die Summe kam auf mehreren Wegen zusammen. Zum einen konnten die WSW-Beschäftigten im Betriebsrestaurant eine Spendentaste drücken, außerdem buk WSW-Mitarbeiterin Patricia Rosien im Kundencenter Barmen Schwebebahnwaffeln für die Kunden. Dadurch kamen 1.280 Euro zusammen, die von der Geschäftsleitung auf 2.500 Euro aufgestockt wurden.

Die Aktion Kindertal e.V. unterstützt Wuppertaler Kinder und Jugendliche in finanziellen Notlagen.

rd/khg

***

Remondis und das Duale System Deutschland (DSD)- dieses Kapitel ist noch lange nicht abgeschlossen. Nach EM-Informationen ist auch nach dem einstweiligen Abbruch der Verkaufsverhandlungen durch die derzeitigen Mehrheitsgesellschafter, die britisch-amerikanischen Private Equity Fonds H.I.G. und Bluebay, die Tür nicht endgültig zugeschlagen. Vielmehr befinden sich die Spitzen der Fonds und des mit Abstand größten deutschen Entsorgungskonzern „nach wie vor im Verhandlungsmodus“, so ein Insider.  Um ein alternatives Übernahmemodell, der Erwerb von Mehrheitsanteilen durch das jetzt bereits mit 20 Prozent beteiligte Management, ist es dagegen sehr ruhig geworden. Die Führungsriege hatte offenbar die Management-buy-out-Lösung ins Auge gefasst, weil bei einer Übernahme durch REMONDIS voraussichtlich eine Hierarchieebene, nämlich die ihre, wegfallen würde.

Die DSD- Verkaufsverhandlungen ziehen sich bereits länger als ein Jahr hin. Dabei hatte sich im vergangenen Jahr CEO Michael Wiener zuversichtlich gezeigt, bis Mitte 2017 die Transaktion über die Bühne bringen zu können. Doch daraus wurde nichts. Zweimal wurden die Verhandlungen abgebrochen, dann aber in aller Stille wieder aufgenommen. Beim Abbruch Nummer 1 verließ Remondis den Verhandlungstisch, weil sich selbst nach hartnäckigsten Feilschen die Fondsmanager nicht auf die Preisvorstellungen der Remondianer im erwünschten Sinne zubewegen wollten. Beim zweiten Mal sagten die Briten und US-Amerikaner No. Grund: Sie sollen „not amused“ über die angebliche Forderung von REMONDIS, dass sie die finanziellen Risiken von kartellrechtlichen Sanktionen zu übernehmen sollten.  Wie SPIEGEL-online jüngst berichtete, seien die Verhandlungspartner aber aktuell auf den „Trick“ verfallen, die Übernahme bei der europäischen Wettbewerbsbehörde anzumelden. „Das Kalkül ist möglicherweise, dass die Brüsseler Beamten nicht so tief in den deutschen Entsorgungsmarkt hineinblicken und das Geschäft durchwinken“, so SPIEGEL-online. EM liegen dazu keine Informationen vor.

khg

***

Den deutschlandweiten Tag der Daseinsvorsorge am 23. Juni nehmen die Göttinger Entsorgungsbetriebe (GEB) und ihre 275 Mitarbeiter zum Anlass, die Aufmerksam­keit auf ihre Leistungen zu lenken. „Unsere Dienstleistungen oberhalb und unterhalb der Straßen funktionieren, nicht selten auch unbemerkt, 365 Tage im Jahr“, unterstreicht Dirk Brandenburg, kaufmännischer Betriebsleiter der GEB, die vielfältigen Dienst­leistungen im Abfallwirtschafts- wie auch im Abwasserbereich.

Welche Dimensionen die Abfall- und Abwasserentsorgung besitzt, verdeutlicht nach GEB-Angaben ein Blick auf Zahlen: Die Müllwerker leeren auf rund 24.000 privat und gewerblich genutzten Grundstücken die Abfallbehälter. Davon bewegt jede Kolonne täglich etwa 1.100 Behälter pro Tag. – Auf etwa 850 km Straßenlänge führen die Mitarbeiter die maschinelle oder manuelle Straßen- und Gehwegrei­nigung durch, wenn notwendig, auch mit Spezialgeräten. Mehr als 1.020 Abfallkörbe werden regelmäßig ge­leert. Im Winterdienst werden rd. 950 Straßen mittels Räum- und Streufahrzeugen von Eis und Schnee befreit.- Zudem weist das öffentliche Kanalnetz stadtweit eine Länge von 720 km auf.

dn/rd

***

Der REMONDIS-Konzern ist nach wie vor auf Expansionskurs. Neueste Zukäufe sind das mittelständische Entsorgungsunternehmen Müntefering-Gockeln in Herne, die schwedische Ad Infinitum Recycling AB in Borås und die Martin Mülder GmbH in Emsdetten, wie unter anderem  der Branchendienst EUWID berichtet.  

Nach Angaben auf der Webseite des Unternehmens wurde der heutige Entsorgungsfachbetrieb H. Müntefering-Gockeln Wertstoffrecycling & Containerdienst GmbH am 1. August 1980 vom Ehepaar Helene Müntefering Gockeln und Karl-Heinz Gockeln gegründet. Das Unternehmen beschäftigt fast 100 Mitarbeiter, verfügt über ein 58.000 Quadratmeter großes Betriebsgrundstück und soll einen jährlichen Umsatz von 15 Millionen Euro erzielen. In den zurückliegenden Jahren musste die Firma auch zur Erfüllung der gesetzlichen Anforderungen enorme Investitionen tätigen.

Über den Kaufpreis wurde nichts bekannt. Die Übernahme steht noch unter dem Vorbehalt des Bundeskartellamtes, jedoch rechnen Insider mit, dass die Transaktion „durchgewunken“ wird. Bislang hat das Bundeskartellamt aber über den Antrag “ Remondis GmbH & Co.KG; Erwerb der Helene Müntefering-Gockeln Wertstoffrecycling” unter dem Aktenzeichen B4-77/18 noch nicht entschieden.

 Die Übernahme der schwedischen Ad Infinitum Recycling AB erfolgt rückwirkend zum 1. September 2017. Das Unternehmen (Schwerpunkten Sammlung und Behandlung von Gewerbe- und Haushaltsabfällen sowie Verpackungsmaterialien aus dem schwedischen Rücknahmesystem) wird künftig unter dem Namen Remondis Infinitum auftreten, Ad Infinitum Recycling AB ist derzeit an insgesamt sechs Standorten in Schweden vertreten und beschäftigt gut 130 Mitarbeiter. Wie „Nordic Media“ berichtete, werden die Firmengründer Patrik Högström und Morgan Larsson Teil der Geschäftsführung bleiben.

Rückwirkend zum 1. Januar 2018 wurde ebenso der familiengeführte Entsorgungsfachbetrieb Martin Mülder GmbH, Emsdetten (nördliches Münsterland, Nordrhein-Westfalen) übernommen. Das 1969 gegründete Unternehmen beschäftigt 30 Mitarbeiter, die allesamt übernommen werden sollen. Auch der Name soll bestehen bleiben. Über den Kaufpreis wurden, wie üblich, keine Angaben gemacht.

Nach der Übernahme sollen am Standort in Emsdetten sollen „nennenswerte Investitionen“ getätigt werden, berichten EV-online und EUWID. So soll für 500.000 Euro ein neues Verwaltungsgebäude mit Sozialräumen errichtet werden. Außerdem sei geplant, zusätzliche Mitarbeiter einzustellen, weitere Fahrzeuge anzuschaffen und das Betriebsgelände umzugestalten.

Die Martin Mülder GmbH erlitt das typische Schicksal kleinerer familiengeführter Unternehmen. Martin Mülder jun., der das Unternehmen 1981 von seinem Vater übernommen hatte, entschloss sich mangels Nachfolger im Alter von 65 Jahren zum Verkauf. „Um einen optimalen Übergang zu gewährleisten, wird er Stefan Schäfer (…) und Tobias Stehling, Niederlassungs-, bzw. Betriebsleiter von Remondis Münster, noch zur Seite stehen“, schreibt EV-online.

Die Martin Mülder GmbH ist Mitgesellschafter der Vereinigung für Wertstoffrecycling (VfW)  in Köln. Diese Vereinigung wurde nach Eigenangaben im Zuge der Rücknahme-verpflichtung von Transportverpackungen nach der Verpackungsverordnung von Mitgliedsbetrieben des Bundesverbandes Papierrohstoffe gegründet

rd/khg

***

Recycling“ auf die besondere Art: Tauschen statt wegwerfen- das ist die Grundidee des Warentauschtages, den die Göttinger Entsorgungsbetriebe (GEB) und die „Neue Arbeit Brockensammlung“ bereits zum 23. Mal veranstalteten. Nach dem Motto Was für den einen wertlos ist, kann ein anderer noch gebrauchen“ bekamen Dinge, die sonst im Abfall landen, die Chance auf ein zweites Leben.
Denn Müll ist keineswegs Müll. Längst nicht alles, was in die Tonnen wandert, ist kaputt oder unbrauchbar. Manches ist einfach nur „über“. Fragt man in Verwandten- oder Freundeskreis, will es oft niemand haben. Das ist beim Tauschtag ganz und gar anders. Die Chancen, dass das Abgelegte neue Liebhaber ist ungleich größer. Wer kommt, der sucht auch. Von der höheren Anzahl der Interessenten gar nicht zu reden: Mehr als 1.000 Besucher waren es in diesem Jahr.
Maja Heindorf von den GEB berichtet: „Hausrat, Bücher und Elektrogeräte waren – wie in allen Jahren – der Hit des or­ganisierten Tau­schens. Mengenmäßig we­niger, aber in guter Qualität, waren in diesem Jahr auch Pflanzen im Tauschsortiment zu finden.“
Das Prinzip des Göttinger Tauschtages, nämlich tauschen ohne Werteausgleich, habe sich im Bewusstsein der Besucherinnen und Besucher verankert, freute sich Mana Heindorf. Rund 97 % der mitgebrachten Tauschwaren hätten den Besitzer gewechselt, so dass nur ein verhältnismäßig kleiner Rest direkt entsorgt werden musste. Der Warentauschtag vereinte damit soziale und umweltrelevante Aspekte. Etliche Besucher bedankten sich beim Organisationsteam für diese im wahren Sinne des Wortes wertvolle Veranstaltung.
***
Münsteraner Nothilfe für die Kollegen in Wuppertal. Am Sonnabend, 2. Juni, machten sich sechs Sperrgutfahrzeuge der Abfallwirtschaftsbetriebe Münster (AWM) mit einer rund 20-köpfigen Besatzung auf den Weg in die größte Stadt des Bergischen Landes. Der Grund: Wuppertal war von einem verheerenden Unwetter betroffen gewesen, das zahlreiche Keller bis zur Decke unter Wasser gesetzt hatte, Mit einer solchen Extremlage kannten sich die Münsteraner betrüblicherweise nur allzu gut aus. Bei einem Starkregen im Juli 2014 liefen zahlreiche Keller voll. Durch unbrauchbar gewordene Einrichtungsgegenstände fielen seinerzeit rund 10 000 Tonnen Sperrgut an.
„Es ist selbstverständlich, dass wir die Kollegen aus der kommunalen Familie unterstützen. Indem wir mit anpacken und auch indem wir unsere Erfahrungen teilen und wertvolle Hinweise geben. Insbesondere für zu beachtende Punkte rund um die Entsorgung der Abfälle und die Reinigung der Stadt nach einem solchen Starkregenereignis”, betont AWM-Betriebsleiter Patrick Hasenkamp.
Die Münsteraner konnten damit die Hilfe zurückgeben, die sie umgekehrt im Juli 2014 von auswärtigen Sperrgut-Teams erhielten. Neben Wuppertal waren zahlreiche weitere kommunale Entsorger unterstützend in Münster im Einsatz. “Ohne die Hilfe des starken bundesweiten Netzwerks der kommunalen Entsorger hätten wir unsere Stadt damals nicht so schnell wieder sauber bekommen”, erinnert sich Patrick Hasenkamp.
***

Stapelfeld (Landkreis Storman, Schleswig-Holstein) wird ein Wahrzeichen verlieren- aber eine der technisch modernsten Müllverbrennungsanlagen (MVA) in Deutschland hinzugewinnen. Wenn die neue Anlage voraussichtlich Mitte 2022 eröffnet wird, wird der jetzt noch rund 110 Meter hohe Schornstein Geschichte sein. Das Nachfolgemodell soll dann nur noch 61 Meter in den Himmel ragen.

Das ist aber keineswegs die einzige Neuerung.  Mit einem Investitionsaufwand, den Insider mit 150 bis 200 Millionen Euro beziffern, soll ein neues Müllheizkraftwerk errichtet werden, das „dank moderner Technik deutlich effizienter arbeiten als die bestehende Müllverbrennungsanlage“, so dass Hamburger Abendblatt.  Der Betreiber EEW Energy form Wüste GmbH rechne damit, dass sich die Stromeinspeisung mit 200.000 Megawattstunden/Jahr mehr als verdoppelt. „Die Fernwärmemenge könnte von 250.000 auf bis zu 400.000 Megawattstunden steigen. Zugleich sinkt die Verbrennungskapazität von 350.000 auf 320.000 Tonnen im Jahr“, so die Tageszeitung.

Neben der neuen Abfallverbrennungsanlage soll eine Mono-Klärschlammverbrennungsanlage entstehen. Klärschlamm, quasi ein Abfallprodukt aus den Klärwerken, landet derzeit noch auf Äckern und Feldern. Und dies mit den bekannten Folgen, da sich Plastikpartikel nicht restlos entfernen lassen, und Nitrat sowie Phosphor in unverträglichen Mengen in die Böden gelangt.  In der Neufassung der Düngemittelverordnung wird dieser Praxis ein Riegel vorgeschoben. Ab dem 1. Januar 2019 dürfen Klärschlämme mit einem hohen Anteil an so genannten synthetischen Polymeren nicht mehr auf landwirtschaftlich genutzte Flächen aufgebracht werden. Da dies bei vielen Schlämmen regelmäßig der Fall ist, haben etliche Kommunen somit ab 2019 ein Problem für das EEW eine Lösung anbietet.

Bisher gibt es in Deutschland 24 Mono-Klärschlammanlagen. Davon arbeiten 18 mit der Technologie der „stationären Wirbelschicht“, die auch in Stapelfeld zum Einsatz kommen soll. Bei diesem Verfahren wird mit niedrigen und gleichmäßigen Verbrennungstemperaturen gearbeitet. Dadurch kann  die Bildung schädlicher Gase (insbesondere CONOx) relativ gering gehalten werden.

EEW will im Spätsommer oder Herbst dieses Jahres einen Genehmigungsantrag beim Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) stellen. Politische Widerstände gegen das Vorhaben sind nicht erkennbar. In der Gemeinde Stapelfeld ist die MVA wegen der rund 70 Arbeitsplätze und als wichtiger Steuerzahler hochgeschätzt. EEW, vormals E.ON Energy from waste, ist seit 2016 eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Beijing Enterprises Holdings Limited und betreibt in Deutschland und im benachbarten Ausland 18 MVAs.

khg

***

Zu kleine Tonnen mit Rieseninhalt- das wird für immer mehr Entsorgungsunternehmen zum Problem. Deshalb werden in vielen Kommunen so genannte Abfalldetektive gegen übervolle Mülltonnen in Marsch gesetzt. Ein Beispiel ist der Schwarzwald-Baar-Kreis. Nach Berichten des Südkuriers beobachtete die dortige Kreisverwaltung, dass überfüllte Restmülbehälter nicht die Ausnahme, sondern an manchen Standorten die Regel sind. Als Gründe werden nicht nur Motive der Gebühreneinsparung vermutet, sondern auch die ungenügende Trennung von Abfällen und Wertstoffen.

„Insgesamt geht es um erhebliche Mengen: Allein im Jahr 2016 fielen 27 600 Tonnen Rest- und Sperrmüll im Kreis an. Das Abfallwirtschaftsamt des Landratsamts will nun gegensteuern: Zusätzlich zu den Kontrollen durch die Müllabfuhrfirmen schickt die Behörde künftig ihren Abfalldetektiv los, um den Müllsündern Einhalt zu gebieten, kündigte Abfallwirtschaftsamtsleiter Martin Festscher im Kreistagsausschuss für Umwelt und Technik an. In gravierenden Fällen werden die betreffenden Tonnen nicht mehr geleert“, ist dem Südkurier zu entnehmen.

rd/dn

***

Die INTERSEROH Dienstleistungs GmbH übernimmt nach Unternehmensangaben ab dem 1. Januar 2019 die Werkstattentsorgung für die Volkswagen Original Teile Logistik GmbH & Co. KG (Volkswagen OTLG). Die Tochtergesellschaft der Volkswagen AG versorgt rund 3.000 Servicepartnerbetriebe der Marken Volkswagen, Volkswagen Nutzfahrzeuge, Audi, Seat, Škoda und Porsche in Deutschland mit Original-Teilen, Zubehör und Servicedienstleistungen. Dabei bietet das Unternehmen im Volkswagen-Konzern den Servicepartnerbetrieben auch die Werkstattentsorgung an – die Interseroh als Dienstleister übernimmt. Die Mitarbeiter des Kölner Umweltdienstleisters kümmern sich künftig um die Erfassung, den Transport und die Lagerung sowie um das Recycling beziehungsweise die umweltschonende Verwertung und sichere Beseitigung der Werkstattabfälle. Neben Verpackungsabfällen zählen dazu auch Serviceabfälle wie Autoglas oder gefährliche Abfälle wie Betriebsflüssigkeiten.

rd

***.

Der Kreistag des Kreises Bad Kreuznach hat beschlossen, dass der kreiseigene Abfallwirtschaftsbetrieb (AWB) fortan auch im Stadtgebiet den Müll einsammeln soll. Wie die „Allgemeine Zeitung“ berichtete, wird seit Beginn des Jahres „in Kreis und Stadt der Müll durch den AWB gesammelt – ohne Kooperation mit dem städtischen Bauhof Kreuznachs, wie es ursprünglich geplant war“. Nachdem die rheinland-pfälzische Vergabekammer im Dezember den Bedenken des Entsorgungsunternehmens REMONDIS zugestimmt habe und die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Kreis für rechtswidrig erklärt hatte, werde der Kreis die Aufgabe nun alleine übernehmen, so die Allgemeine Zeitung. „Und das, obwohl das Oberlandesgericht (OLG) nach einer Klage der Stadt die Entscheidung der Vergabekammer zugunsten Remondis aufgehoben hatte – allerdings mit der Einschränkung: ‚Die Kooperation zwischen Stadt und Landkreis Bad Kreuznach ist dennoch vergaberechtlich nicht möglich.‘“

rd

 ***

Interseroh (Köln) und Saubermacher (Feldkirchen bei Graz) haben nach Unternehmensangaben ihre Kompetenzen gebündelt und ein Joint Venture für die Rücknahme und das Recycling von Lithium-Ionen-Batterien mit dem Namen SIMPLi RETURN gegründet. Als erstes weltweites Rücknahmesystem in diesem Bereich bietet SIMPLi RETURN neben der Rundum-Beratung auch die Organisation des fachgerechten Transports sowie das umweltschonende Recycling an. Das Angebot richtet sich an Hersteller und Inverkehrbringer von Lithium-Ionen-Batterien aus dem Industriebereich und E-Fahrzeugen jeder Art.

 Interseroh ist einer der großen Anbieter von Umweltdienstleistungen rund um die Schließung von Produkt-, Material- und Logistikkreisläufen. Saubermacher ist seit knapp 40 Jahren in der Umwelt- und Recyclingwirtschaft international tätig. Das Unternehmen ist führend in der Batterieverwertung und hat Anfang 2018 eine neue High-Tech-Aufbereitungsanlage für Lithium-Ionen-Batterien in Bremerhaven in Betrieb genommen. Nach Vorliegen der erforderlichen Kartellfreigaben wird Interseroh mit 51 Prozent und Saubermacher mit 49 Prozent an dem Joint Venture-Gesellschaft beteiligt sein, Sitz der Gesellschaft wird Köln.

„Die Menge an Lithium-Ionen-Batterien steigt nach Interseroh-Angaben jährlich mit zweistelligen Wachstumsraten. „Betrachtet man nur den Bereich der E-Fahrzeuge, dann lag der Bedarf 2015 bei 205 Millionen Zellen. Im Jahr 2020 soll er bei 1.808 Milliarden Stück liegen. Das ist ein jährliches Wachstum von 37 Prozent“, informiert Ralf Mittermayer, Sprecher des Vorstandes Saubermacher. Dieser Wert wird seinen Worten zufolge im nächsten Jahrzehnt noch weiter steigen.

Der Umgang mit Lithium-Ionen-Batterien unterliegt strengen gesetzlichen Vorgaben und erfordert hohe Sicherheitsstandards sowohl bei beschädigten als auch bei intakten Batterien.

rd

Hinterlasse eine Antwort

Subscribe to our newsletter