Lidl lohnt sich -auch für Tönsmeier

Lidl lohnt sich -auch für Tönsmeier

150 150 Klaus Henning Glitza

Nummer 5 der deutschen Entsorgungsbranche gehört jetzt zum Handelsriesen Schwarz

 

Lidl lohnt sich“- dieser Werbeslogan gilt jetzt im übertragenen Sinne auch für die Tönsmeier-Gruppe, die Nummer 5 des deutschen Entsorgungsmarktes. Das Unternehmensgeflecht mit dem Hauptsitz in Porta Westfalica ist jetzt von der GreenCycle GmbH, einem Unternehmen des Lidl- und Kaufland-Eigners Schwarz, rückwirkend zum 1. Januar übernommen worden.

Das Gesamtpaket von GreenCycle habe am meisten überzeugt, teilt Aufsichtsratschef und Hauptgesellschafter Jürgen Tönsmeier mit. „Wir bekommen einen langfristig orientierten und finanziell starken Eigentümer mit strategischen Wachstumsplänen”, betonte er.  Das seit März dieses Jahres zum Verkauf stehende Unternehmen habe „jetzt beste Chancen, unter dem neuen Eigentümer weiterhin profitabel zu wachsen.“

Die Übernahme, die noch unter dem Vorbehalt des Bundeskartellamtes steht, wurde am gestrigen Montag den über 3.000 Mitarbeitern der Tönsmeier-Gruppe (500 Millionen Jahresumsatz, Gewinn im niedrigen zweistelligen Millionenbereich) eröffnet. Wie aus Unternehmenskreisen verlautet, wurde die Transaktion mit Erleichterung aufgenommen. Dem Vernehmen nach hatten sich neben GreenCycle und der dahinterstehenden Alpha Schwarz Beteiligungs-GmbH Veolia Deutschland und der niederländische Fonds Waterland ein Auge auf das Unternehmen geworfen. Besonders eine mögliche Übernahme durch einen Finanzinvestor war in Kreisen der Beschäftigten eher misstrauisch beäugt worden. Branchenprimus REMONDIS war nur an einem kleinen, aber lukrativen Teil von Tönsmeier interessiert- und könnte jetzt leer ausgehen.

Die Schwarz-Gruppe, einer der weltweit größten Handelskonzerne, beschäftigt rund 400.000 Mitarbeiter und erzielt einen Umsatz von rund 100 Milliarden Euro. Das ist sogar gegenüber dem Branchenführer der deutschen Entsorgungswirtschaft riesig. Die Tochtergesellschaft GreenCycle (150 Mitarbeiter) ist derzeit mit der Sammlung, Sortierung und Verwertung von jährlich rund zwei Millionen Tonnen Wertstoffen aus den Lidl- und Kaufland-Filialen befasst, bietet ihren Entsorgungsservice aber auch für andere Unternehmen an. Der Recyclingdienstleister betreibt fünf Wertstoffhöfe mit Pressanlagen. Nach Angaben des Geschäftsführers Dietmar Böhm möchte sich Green Cycle „verstärkt als Treiber der Kreislaufwirtschaft und mit nachhaltigen Innovationen am Markt etablieren“. Der Erwerb von Tönsmeier diene dem Zweck, die die Kreislaufsysteme weiter schließen und die Recyclingfähigkeit vorantreiben.

Der Einstieg der Schwarz-Gruppe markiert aus Sicht von Branchenkennern einen Umbruch im deutschen Entsorgungsmarkt. Die weitaus höheren Recyclingquoten, die das neue Verpackungsgesetz vorgibt, und die strengeren Kontrollmaßnahmen  gegen so genannten Mengenbetrug, lassen gerade die Rücknahmesysteme wieder attraktiv werden. Brancheninsider glauben, dass die Schwarz-Gruppe in das Geschäft der dualen Systeme einsteigen will. Schon um Kosten für seine eigenen Verpackungsabfälle zu sparen, aber auch um ein neues Geschäftsfeld zu etablieren.

Über die Konditionen des Verkaufs wurde offiziell nichts bekannt. Beide Seiten hatten Stillschweigen vereinbart. Aus Insiderkreisen war in Erfahrung zu bringen, dass der Kaufpreis mindestens 300 Millionen Euro betragen hatte, vermutlich aber höher lag.

khg

 

 

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