“Langweiliges” Klärwerk? Nein, es kann durchaus durchaus spannend sein

“Langweiliges” Klärwerk? Nein, es kann durchaus durchaus spannend sein

“Langweiliges” Klärwerk? Nein, es kann durchaus durchaus spannend sein 150 150 Klaus Henning Glitza

Ein nichtalltägliches Schauspiel im niedersächsischen Osnabrück:  Der Riesen-Mixer stand zur Wartung an

 

 

Ein Klärwerk- wie langweilig… Das kann nur jemand sagen, der die hochmodernen Abwasserreinigungsprozesse dieser Anlagen nicht oder nur wenig kennt. Klärwerke sind sogar spannend, wie ein nicht alltägliches Schauspiel belegt, das sich in der vergangenen Woche  im  Klärwerk Eversburg in Osnabrück (Niedersachsen) abspielte.

Ein 40-Tonnen-Kran holt hievt den 1,5-Tonnen-Mischer aus dem Faulturm des Klärwerks Eversburg. Foto: Stadtwerke Osnabrück / Uwe Lewandowski

Wer in der vergangenen Woche die von SWO Netz GmbH (100-prozentiges Tochterunternehmen der Stadtwerke Osnabrück) betriebenen Anlage im Blickfeld hatte, kam auf seine Kosten.  Ein 40-Meter-Kran wurde herbeibeordert, um  den sogenannten Mischer aus einem der beiden Faultürme zu holen. Der XXL-Mixer wurde der turnusgemäßen Wartung unterzogen.

„Dieser Kraneinsatz ist auch für uns was Besonderes“, sagt Michael Brunschön, Fachkraft in der Prozessführung im Klärwerk Eversburg.  Zwar stehen fortlaufend unterschiedliche Instandhaltungsarbeiten an Becken, Motoren, Pumpen und weiteren Anlagen auf dem Klärwerksgelände an. Arbeiten im Zusammenhang mit den beiden 28 Meter hohen Faultürmen – den heimlichen Wahrzeichen des Klärwerks – sind hingegen immer „willkommene Highlights“. Gut alle fünf Jahre müssen die Mischer in den beiden für den Abwasserreinigungsprozess wichtigen Großbehältern umfangreich gewartet werden. Jetzt war der 1,5 Tonnen schwere Mischer im größeren der beiden Faultürme an der Reihe.

Dafür wurde der XXL-Mixer zunächst spektakulär per Kran aus dem Faulturm geholt, von Ablagerungen – sogenannten Verzopfungen – befreit und anschließend in der Klärwerks-Werkstatt technisch geprüft und gewartet. Alle anfallenden Arbeiten übernahm das Klärwerksteam der SWO Netz GmbH komplett in Eigenregie, lediglich der Kran wurde angemietet. „Auch solche Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten führen wir mit unserer eigenen Mannschaft durch – das erforderliche Knowhow dafür haben wir im eigenen Hause“, betont Brunschön.

Am darauffolgenden Tag wurde der Mischer wieder per Kran in den Faulturm gesetzt. „Der Mischer erfüllt im Faulturm eine wichtige Funktion, indem er – wie ein Mixer – die verschiedenen im Reinigungsprozess anfallenden Schlämme ständig in Bewegung hält und umwälzt“, erläutert der SWO Netz-Fachmann. Nur so können die Schlämme kontrolliert „ausfaulen“, ehe sie dann im späteren Prozessverlauf getrocknet und zu Klärschlamm werden.

Neben den Mischern müssen aber auch die Faultürme selber zum regelmäßigen Inspektionscheck. „Dafür setzen wir eigens Industrietaucher ein, die in die Türme hinabsteigen und dann in völliger Dunkelheit und sozusagen ‚blind‘ weitere Verzopfungen und Sandablagerungen im Turm entfernen“, beschreibt Brunschön diese Aufgabe. Zuletzt waren die Profitaucher vor sieben Jahren im Einsatz. „Wir sind derzeit in den Planungen und Vorbereitungen für die nächsten Tauchgänge“, kündigt der Experte schon den nächsten nicht alltäglichen Wartungsvorgang an.

Die SWO Netz GmbH ist für die Planung, den Bau und den Betrieb der Infrastrukturnetze im Stadtgebiet zuständig. Das umfasst die Sparten Strom, Gas, Wasser, Abwasser, Telekommunikation sowie Straßenbeleuchtung.

MH/rd

 

 

 

 

 

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