Kreatives für textile Kreisläufe

Kreatives für textile Kreisläufe

150 150 Klaus Henning Glitza

Bundesstiftung Umwelt startet mit Ideen-Wettbewerb für textile Kreisläufe in das neue Jahr

 

Neues Jahr, neue Initiative. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) startet mit einem  Ideen-Wettbewerb für textile Kreisläufe in das noch junge 2022. Einsendeschluss ist der 31. März.

Der Hintergrund ist mehr als ernst: Rund 100 Milliarden neue Kleidungsstücke  werden weltweit jedes Jahr produziert.  Fatal ist dabei die Tendenz zur Fast Fashion, also einer Mode, die immer billiger und schneller produziert und dazu verleitet, Kleidungsstücke bereits nach ein- oder zweimaligem Gebrauch zu entsorgen. Viele halten auch nicht länger und landen dann  in den Altkleider-Sammelcontainern. Dort sind sie nicht mehr als Müll, denn recyceln  kann man sie nicht. Eine Untersuchung der Ellen MacArthur-Stiftung, belegt  wie groß der Handlungsbedarf im Textilbereich ist: Von den jährlich weltweit rund 100 Milliarden hergestellten Kleidungsstücken wird lediglich ein minimaler Anteil in den Wirtschaftskreislauf zurückgeführt – knapp zwölf Prozent.

Produktion “for waste”

Pfiffige Ideen gefragt: Die Deutsche Die Bundesstiftung Umwelt (DBU) startet das Jahr 2022 mit einer neuen Förderinitiative. Gesucht sind Vorschläge, die einer umfassenden Kreislaufwirtschaft im Textilbereich den Weg bereiten. Foto: Lea Kessens

Dieses Besorgnis erregende Lagebild einer Produktion „for waste“ und eines den Fugen geratenen Konsums soll auf DBU-Initiative durch neue Ideen zum Positiven verändert werden.  Mitwirken am Ideen-Wettbewerb können Firmen aller Unternehmensgrößen, egal ob klein, mittelständisch, groß oder international agierende Akteure,  sowie Forschungseinrichtungen. Bei dieser DBU-Initiative für textile Kreisläufe dreht sich alles um eine Frage: Wer kann mit innovativen technischen, wirtschaftlich realisierbaren Vorschlägen oder mit neuartigen Bildungs- und Qualifizierungsformaten punkten, um einem Ziel ein großes Stück näher zu kommen: einer Circular Economy (CE), also einer erweiterten Kreislaufwirtschaft, im Textilsektor.

Fernab von Kreislaufwirtschaft

Eine ambitionierte Vision, denn bislang ist in der Textilindustrie wenig von umwelt- und ressourcenschonenden Kreisläufen zu hören.  DBU-Abteilungsleiter Dr. Maximilian Hempel erläutert: „Derzeit werden Textilien fast ausschließlich aus frischen Fasern hergestellt.“ Das führe zu erheblichen Umweltschäden – „bedingt unter anderem durch hohen Wasserverbrauch, den Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln im konventionellen Baumwollanbau sowie umweltschädliche Abluft- und Abwasseremissionen bei der Faserherstellung sowie der Textilveredelung.“

Existenzgefährdende Mechanismen

Eine Circular Economy habe nach  Einschätzung  des DBU-Abteilungsleiters das Zeug, „diese für die Erde existenzgefährdenden Mechanismen zu durchbrechen“. Er betont:  „Gemeinsam mit den kreativen und innovativen Vorschlägen vor allem der mittelständischen Wirtschaft wollen wir Wege freimachen für eine umfassende KreislaufwirtschaftCircular Economy fängt schon beim Produktdesign an, bei dem man bereits ans Recyceln denkt, und reicht von Müllvermeidung übers Wiederverwenden bis hin zum Reparieren von Waren und Gütern“.

Der Resolve-Ansatz

Dr. Hempel  verweist in diesem Zusammenhang auf den sogenannten „Resolve“-Ansatz, der sechs Stoßrichtungen einer CE-Strategie umfasst. Das Kürzel steht für „regenerate“ (erneuerbare Ressourcen nutzen), share (teilen), optimize (Abfallvermeidung), loop (wiederverwerten), virtualize (ersetzen durch Digitalisierung) sowie exchange (ressourcenschonende Alternativen als Ersatz).

 Schlüssel zum Erhalt unseres Planeten

Wie die Menschen mit den Ressourcen der Welt künftig umgehen, ist nach den Worten von DBU-Generalsekretär Alexander Bonde „eine Schlüsselfrage für den Erhalt des Planeten“. Der Textilindustrie fällt dabei eine zentrale Rolle zu. Denn sie verursacht weltweit mehr Ausstoß an für die Atmosphäre gefährlichen Treibhausgasen als alle internationalen Flüge und der maritime Schiffsverkehr zusammen. Der Textilbereich sei, so Bonde, in gewisser Weise symptomatisch für andere Bereiche der Weltwirtschaft, überwiegend werde nach einem linearen Geschäftsmuster verfahren. „Aber ein solches Handeln, das im Englischen auch als „take-make-waste“ bezeichnet wird – also als ein Entnehmen, Verwenden und Verschwenden von Rohstoffen – ist ein Auslaufmodell“, macht der DBU-Generalsekretär deutlich. Die Transformation zu mehr Umwelt- und Ressourcenschutz gelinge nur dann, „wenn wir lernen, nachhaltiges Wirtschaften in Kreisläufen zu denken. Unser Ziel sollte sein, Produkte so lange wie möglich zu verwenden, zu reparieren, zu recyceln und auch zu teilen.“ Die Textilindustrie könne angesichts dieser Herausforderung zu einer „Pionierin für einen Paradigmenwechsel“ werden, so Bonde.

Innovative Ideen gefragt

Deshalb will die aktuelle DBU-Förderinitiative für textile Kreisläufe zu innovativen Ideen animieren, die zu ressourcenschonenden Produkt-, Material- und Stoffkreisläufen beitragen. Als Projektskizzen gefragt sind neben technischen und ökonomisch praktikablen Lösungen explizit auch Neu-Entwicklungen für Bildungs- und Qualifizierungsformate, die einer Circular Economy im Textilbereich zum Erfolg verhelfen können. Besonders praxisnahe Vorschläge haben gute Chancen. Dabei kann es etwa darum gehen, Altprodukte wiederzuverwenden, kreislauffähige Materialinnovationen zu präsentieren, IT-basierte Lösungen fürs Teilen von Waren und Gütern zu entwickeln oder neue Wege für eine kreislauffähige Textil-Logistik, zum Beispiel inklusive Pfandsystem, digitaler Kennzeichnung oder smarten Sammelbehältern zu erarbeiten.

DB/rd

Link:

Einreichen der Projektskizzen bis zum 31. März unter https://www.dbu.de/@TextileKreislaeufe.

 

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