Klimaschutz ohne Kreislaufwirtschaft?

Klimaschutz ohne Kreislaufwirtschaft?

150 150 Klaus Henning Glitza

DUH übt Kritik: Wichtige Klimaentlastungspotenziale werden ausgeklammert

 

 

Die unter anderem durch diverse Klageverfahren auf Diesel-Fahrverbote bekanntgewordene  Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat die fehlende Berücksichtigung des Bereichs Kreislaufwirtschaft bei aktuellen Klimaschutzplanungen kritisiert. Die Umwelt- und Verbraucherschutzorganisation fordert verbindliche Ziele zur Abfallvermeidung und Wiederverwendung sowie eine CO2-Steuer zur Förderung von Recyclaten.

Wie die DUH mitteilt, spielten Aspekte der Kreislaufwirtschaft im Rahmen der Klimaschutzberatungen der Bundesregierung keine Rolle. Durch die Vermeidung unnötiger Abfälle, die Wiederverwendung von Verpackungen und Produkten sowie Recycling könnten aber jährlich Millionen Tonnen des klimaschädlichen Gases CO2 eingespart werden.

„Es ist völlig unverständlich, dass die Kreislaufwirtschaft in den politischen Planungen zum Klimaschutz praktisch keine Rolle spielt“, betont  die stellvertretende DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz. Dabei böten Abfallvermeidung, Wiederverwendung und Recycling ein enormes Klimaentlastungspotential, ohne dass zusätzliche Kosten entstehen. „Wenn auf unnötige Verpackungen verzichtet wird, werden Kosten vermieden und gleichzeitig das Klima entlastet. Durch die Wiederverwendung und das Recycling werden die mit der Rohstoffgewinnung verbundenen CO2-Emissionen vermieden und wertvolle Produkte und Werkstoffe erhalten. Kreislaufwirtschaft und Klimaschutz gehören zusammen. Das muss vom Klimaschutzkabinett berücksichtigt werden“, so Barbara Metz.

Eine Verbesserung der getrennten Wertstoffsammlung, etwa bei Bioabfällen, könne das Klima ebenso massiv entlasten, wie die der Stopp unsachgemäßer Entsorgungspraktiken bei FCKW-haltigen Kühlgeräten. „Grundsätzlich sollte jedes Elektroaltgerät auf die Möglichkeit zur Wiederverwendung geprüft werden“, fordert DUH-Leiter für Kreislaufwirtschaft, Thomas Fischer. Hierzu brauche es eine verbindliche Obhutspflicht, damit Altprodukte zerstörungsfrei erfasst und wenn möglich aufbereitet oder repariert werden. Gebrauchte Produkte und Reparaturdienstleistungen sollten mit einem niedrigeren Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent besteuert werden, um einen finanziellen Anreiz zur Wiederverwendung zu bieten. Das ist aktiver Klimaschutz“, betont Fischer. Bereits die Wiederverwendung eines einzelnen Smartphones spart 14 Kilogramm Ressourcen und 58 Kilogramm CO2 ein, die für die Herstellung eines neuen Gerätes notwendig wären.

„Es gibt hierzulande ein riesiges ungenutztes Recyclingpotenzial, das ohne großen Aufwand gehoben werden kann. Wir wären beim Klimaschutz einen großen Schritt weiter, wenn alle Kommunen flächendeckend eine haushaltsnahe Bioabfallsammlung einführen würden. Pro Jahr könnten so vier Millionen Tonnen Bio- und Grüngutabfälle zusätzlich gesammelt.

„Um die Klimaziele zu erreichen, ist aus Sicht der DUH ein Maßnahmenpaket im Bereich Kreislaufwirtschaft unverzichtbar. Dazu zählen laut DUH

  • Vermeidungsziele für Restabfall und Verpackungen,
  • Umsetzung der gesetzlichen Quote für Mehrweggetränkeverpackungen
  • Einführung weiterer Wiederverwendungsquoten für Verpackungen und Produktgruppen.
  • Verbesserung der getrennten Wertstoffsammlung – insbesondere des Bioabfalls
  • verbindliche Festlegung des Einsatzes von Recyclingmaterialien.

 „Es gibt hierzulande ein riesiges ungenutztes Recyclingpotenzial, das ohne großen Aufwand gehoben werden kann. Wir wären beim Klimaschutz einen großen Schritt weiter, wenn alle Kommunen flächendeckend eine haushaltsnahe Bioabfallsammlung einführen würden. Pro Jahr könnten so vier Millionen Tonnen Bio- und Grüngutabfälle zusätzlich gesammelt und zu Biogas sowie Kompost verarbeitet werden. Deren Verbrennung macht keinen Sinn“, sagt Fischer. Aus einer Tonne Bioabfall können durchschnittlich 110 Kubikmeter Biogas gewonnen werden, was im Vergleich die Nutzung von 66 Liter klimaschädlichem Heizöl ersetzt.

Städte und Kommunen sollten nach Auffassung von Fischer notfalls durch die Bundesländer zur Einführung einer Biotonne gezwungen werden. „Wenn Recyclingmaterialien Primärrohstoffe ersetzen, werden die Auswirkungen auf das Klima verringert. Durch die Einführung einer CO2-Steuer würde die Verbrennung von Plastikabfällen im Vergleich zum Einsatz von Recyclingmaterialien schlechter gestellt. Das ist ein wichtiges Element, um Recyclingmaterial gegenüber Neumaterial aus fossilem Rohöl konkurrenzfähig zu machen. Zudem ist auch die Festlegung einer Mindesteinsatzquote für Recyclingmaterialien sinnvoll, um die vermehrte Nutzung von Rezyklaten weiter anzukurbeln“, so der Leiter für Kreislaufwirtschaft.

UH/rd

 

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