Kleine Presseschau 15-10/2018

Kleine Presseschau 15-10/2018

150 150 Klaus Henning Glitza

Führt Grüne-Punkt-Label zu Irritionen?

 

Über das Label „Der Grüne Punkt“ und seine „womöglich negativen Folgen für die Umwelt und den Wettbewerb unter den Müllfirmen in Deutschland“ berichtet die Süddeutsche Zeitung. Anmerkung der Redaktion: Wenn von Abschaffung die Rede ist, ist nicht der Grüne Punkt an sich gemeint, sondern die Kennzeichnungspflicht, die seit 2008 nicht mehr besteht.

Der Grüne Punkt wurde vor ziemlich genau zehn Jahren abgeschafft, verschwunden ist er damit aber nicht. (…) Dem Konkurrenten Belland-Vision zufolge werfen Verbraucher auch heute noch vorzugsweise Plastikmüll in den gelben Sack, der den Grünen Punkt trägt. Dabei gehören auch Leichtverpackungen aus Metallen wie Aluminium und Weißblech und Verbundstoffe wie Getränkekartons hinein. Es herrscht darüber auch fast 30Jahre nach Einführung des Müllsortierens in Deutschland große Verwirrung. Die Müllwirtschaft will erst 2020 mit einer großen Aufklärungskampagne informieren, was genau in den gelben Sack beziehungsweise die gelbe Tonne gehört – und was nicht.

Die Branche ist im Umbruch. Anfang 2019 tritt ein Verpackungsgesetz in Kraft. Es sieht eine wesentlich höhere Recyclingquote von Kunststoffen vor, als heute in Deutschland realisiert wird. Herstellern und Händlern wird nun klar, wie wichtig es ist, die Verwirrung, die der Grüne Punkt stiftet, aus der Welt zu räumen. Viele Wertstoffe aus Kunststoff, die eigentlich recycelt werden könnten, gehen verloren, weil Verbraucher nicht wissen, dass sie in den gelben Sack oder die Tonne gehören. (…)  Ohne Label könnte mehr recycelt werden, als es faktisch getan wird.

Einer Studie des BVSE zufolge sind etwa 50 Prozent der im gelben Sack oder in der gelben Tonne gesammelten Mengen nicht zu verwenden, weil sie aufgrund ihres Materials nicht hineingehören oder verunreinigt sind. “Der ökologische Nutzen des Sammelaufwandes ist damit infrage zu stellen”, sagt eine Sprecherin der Münchner Abfallwirtschaft. Deswegen wird in München mehr Plastikmüll verbrannt als anderswo. (…)

Kritiker des Grünen Punktes behaupten, Hersteller und Händler hielten an dem Markenzeichen vor allem fest, weil es verkaufsfördernd sei. Demnach greifen viele umweltbewusste Verbraucher gezielt nach Shampoos oder Spülmitteln, die mit dem Siegel gekennzeichnet sind. Sie gäben, so die Sicht der Kritiker, Geld für ein Zeichen aus, das es aus ökologischen Gründen besser nicht mehr gäbe.  (…)

Die größten Gegner des Grünen Punkts sind seine Konkurrenten. Das Label gehört dem Unternehmen Duales System Deutschland (DSD), dem Marktführer von derzeit neun dualen Systemen in Deutschland, darunter Belland-Vision, eine Tochter des französischen Suez-Konzerns. Vor 2008 war DSD bundesweit allein dafür zuständig, die Entsorgung des Plastikmülls zu organisieren. Aus wettbewerbsrechtlichen Gründen fiel das Monopol. Doch das Markenrecht für den Grünen Punkt behielt DSD. Dadurch erhält das Unternehmen weiterhin Lizenzgebühren für das Label. Die Gebühren zahlen letztendlich die Verbraucher bei jedem Kauf der Produkte mit dem Label.  (…)

Die Einnahmen sollen sich zwar nur auf acht bis zehn Millionen Euro belaufen. Es sind aber Einnahmen, die DSD einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil gegenüber den Konkurrenten bei der Akquise von Kunden, spricht Herstellern und Händlern, bieten. (…)

Wie schreibt der Entsorgungsverband BVSE fast 30 Jahre nach der Einführung des Dualen Systems und des Grünen Punkts (…) auf seiner Homepage? “Das Kunststoffrecycling in Deutschland ist auf einem guten Weg, hat aber noch viel Potenzial.” Fürwahr.

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