Kleine Presseschau 12-10/2018

Kleine Presseschau 12-10/2018

150 150 Klaus Henning Glitza

Essen: MVA soll wieder in Betrieb genommen werden / Satire: Exkremente in den gelben Sack?

 

Entsorger will am Essener Stadthafen Klärschlamm verbrennen“. Unter dieser Überschrift berichtet die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) über Pläne des Entsorgungsunternehmen Harmuth (Essen), seine Verbrennungsanlage im Stadtteil Bergeborbeck wieder in Betrieb zu nehmen.

(…). Das private Entsorgungsunternehmen Harmuth bereitet die Wiederinbetriebnahme seiner Müllverbrennungsanlage in Essen-Bergeborbeck vor. „Wir befinden uns in der Genehmigungsplanung“, bestätigte Geschäftsführer Stefan Strüngmann am Mittwoch auf Anfrage dieser Zeitung. Läuft alles glatt im Genehmigungsverfahren, will der private Entsorger ab Ende kommenden Jahres auf dem Econova-Gelände Klärschlamm verbrennen. Laut Strüngmann plant das Unternehmen mit 50.000 Tonnen pro Jahr.

Harmuth hatte den Müllofen im Sommer 2014 nach nur drei Jahren Laufzeit stillgelegt. Ursprünglich wollte sich das private Entsorgungsunternehmen mit der eigenen Abfallverbrennung unabhängig machen von den großen Müllverbrennungsanlagen in Karnap oder Oberhausen. 14 Millionen Euro investierte der Entsorger in die notwendige Technik. Sinkende Preise machten den Betrieb jedoch unwirtschaftlich. (…)  Nun soll (die MVA) „aus dem Dornröschenschlaf geweckt werden“, wie es Stefan Strüngmann formuliert.

(…)  Genehmigt ist bislang nur die Verbrennung so genannter „Sortierreste“ wie Papier, Kunststoff und Textilien – maximal 26.000 Tonnen pro Jahr. Nach Angaben der Aufsichtsbehörde beabsichtigt Harmuth zukünftig Klärschlamm sowie Schlämme, beispielsweise aus der Aufarbeitung von Altöl und Ölabscheiderückständen, zu verfeuern.

Insbesondere in der Verbrennung von Klärschlämmen sieht Harmuth ein lukratives Geschäftsmodell. Das Aufbringen auf Ackerflächen hat der Gesetzgeber erschwert. Freie Verbrennungskapazitäten werden benötigt. Der politisch beschlossene Ausstieg aus der Braunkohle dürfte die Nachfrage noch befeuern. Denn bislang werden Klärschlämme in Braunkohlekraftwerken mitverbrannt.

Der Müllofen auf dem Harmuth-Betriebsgelände sei durch seine stufenweise Wirbelschichtfeuerung für den gewünschten Zweck prädestiniert, sagt Stefan Strüngmann. Dennoch rechnet der Geschäftsführer auch diesmal mit zahlreichen Einwänden aus der Bevölkerung. (…)

Sollte die Bezirksregierung die Genehmigung für die Verbrennung von Klär- und Industrieschlämmen erteilen, will Harmuth die Anlage in Kooperation mit der Entsorgungsfirma Lobbe aus Iserlohn betreiben, ebenfalls ein Familienbetrieb.

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Einen Satirebeitrag hat das von Stefan Sichermann betriebene Onlinemedium „Der Postillion“ unter der Überschrift „Nach Fund von Mikroplastik: Menschlicher Stuhl muss künftig in Gelben Sack statt in Toilette“ veröffentlicht. Spezialität des „Postillions“ (Motto: Ehrliche Nachrichten) ist Satirisches im Stil von Zeitungsartikeln oder Agenturmeldungen.

Berlin (dpo) – Nach dem Fund von Mikroplastik in menschlichen Stuhlproben hat das Bundesumweltministerium strengere Entsorgungsregelungen für Kot angeordnet. Künftig muss das große Geschäft nicht wie bislang in der Toilette, sondern mit dem restlichen Recyclingmüll im Gelben Sack entsorgt werden.

“Grundsätzlich sind Toiletten nur für biologisch abbaubare Stoffe ausgelegt”, erklärt eine Sprecherin des Umweltministeriums. “Mikroplastik braucht dagegen hunderte von Jahren, bis es sich zersetzt und verseucht bereits jetzt weltweit die Umwelt.” Darum sei es unvermeidbar, menschliche Exkremente aufgrund ihres Plastikgehalts in den Recyclingkreislauf zu integrieren.

Konkret bedeutet das: Nach Verrichten des großen Geschäfts muss es wie andere Plastikabfälle in den Gelben Sack bzw. die Gelbe Tonne geworfen werden. (…) Auch Klopapier darf künftig aufgrund der Verunreinigung durch kunststoffhaltigen Kot nicht mehr in die Toilette, sondern gehört jetzt in den Restmüll. Insgesamt sind Toiletten so bis auf weiteres nur noch für Urin zugelassen.

Nach Durchlaufen des Recyclingprozesses soll das aus den Exkrementen gewonnene Plastik schließlich für Verpackungen und PET-Flaschen wiederverwendet werden.

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Zusammenstellung: bem

Die Redaktion behält sich vor aus Gründen der überregionalen Relevanz und der Lesbarkeit Kürzungen in den wiedergegebenen Medienbeiträgen vorzunehmen, Kürzungen werden durch (…) kenntlich gemacht.

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