Kleine Presseschau 11-11/2018

Kleine Presseschau 11-11/2018

Kleine Presseschau 11-11/2018 150 150 Klaus Henning Glitza

Weitreichende Folgen der Elefantenhochzeit /  Mode: Nie getragen und dann weggeworfen / Junge Menschen für Sauberkeit

Die Wormser Zeitung berichtet über die aktuelle Situation in der Entsorgungsbranche. Schwerpunkt ist der DSD-REMONDIS-Deal.

Das neue Gesetz (gemeint ist das Verpackungsgesetz- die Redaktion) verspricht für die Recycling- und Entsorgungsbranche gute Geschäfte, entsprechend bringen sich die Unternehmen in Stellung. So steigt der Lidl-Eigner Schwarz mit einer eigenen Recycling-Firma in den Markt ein und schnappt sich die Nummer fünf der Entsorger, Tönsmeier.

Wesentlich weitreichender ist allerdings die Übernahme des Mülltrennungsbetreibers Duales Systems Deutschland (…) durch den Müllentsorger Remondis. Hier gehen, vorbehaltlich der Zustimmung der Wettbewerbsbehörden, zwei Unternehmen zusammen, die jeweils in ihrem Bereich mit Abstand Marktführer sind. Die Elefantenhochzeit bringt kommunale und kleinere private Abfallbetriebe auf die Palme. (…), Mit der DSD-Übernahme werde Hauptkonkurrent Remondis gleichzeitig auch Auftraggeber, heißt es beim Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (BVSE).

Die Verbraucher müssen sich nach Darstellung des Dualen Systems Deutschland (DSD, Grüner Punkt) auf steigende Preisaufschläge für die Verpackungsentsorgung einrichten: „Die Lizenzentgelte werden zwar steigen, da Sortierung und Verwertung stark ausgebaut werden müssen“, um die Recyclingziele des neuen Verpackungsgesetzes zu erreichen, so ein DSD-Sprecher. Mit der Übernahme von DSD durch Remondis habe das aber nichts zu tun.

 „Das kann zu einer Marktkonzentration führen. Die Zeche wird der Verbraucher zahlen“, sagt BVSE-Geschäftsführer Eric Rehbock. Die Abfuhr der Gelben Tonne ist für den Verbraucher nur auf den ersten Blick kostenlos. Denn Handel und Industrie holen sich die Kosten auf anderem Wege zurück – etwa an der Ladenkasse.

Diese Preisaufschläge „werden mangels Wettbewerb deutlich steigen“, prognostiziert auch Patrick Hasenkamp, der Vizepräsident des Verbandes Kommunaler Unternehmen. DSD und Remondis könnten sich mit maßgeschneiderten Angeboten versorgen und damit den Preis für die Verpackungsentsorgung beeinflussen. Dem widersprechen DSD und Remondis. Die gesetzlichen Vorgaben für die Auftragsvergabe schlössen eine konzerninterne Vergabe und damit eine Bevorteilung „gänzlich aus“, so ein DSD-Sprecher. Denn das neue Verpackungsgesetz regele sehr klar, dass Aufträge für den Abtransport des Verpackungsmülls „ausschließlich im Ausschreibungswettbewerb über eine neutrale Stelle“ vergeben würden. Dabei erhalte der Ausschreibende „jeweils nur das Angebot des Bestbietenden“, ergänzt Remondis. Auch den Vorwurf der Marktdominanz lässt man nicht gelten. (…)

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Im Süddeutsche Zeitung Magazin analysiert die Journalistin Michaela Haas die Rolle einer schnelllebigen Mode, die billigst, oft auf Kosten schamlos ausgebeuteter Menschen in der Dritten Welt  produziert am Ende nur zu einem taugt: als Müll- und als Beispiel für den grassierenden Wegwerfwahnsinn.

Das Problem: Kleidung im Wert von 100 Milliarden Dollar wird jedes Jahr weggeworfen, davon wurden 40 Prozent nie oder kaum getragen. (…)

Designerin Eileen Fisher nannte die Modeindustrie »den zweitgrößten Umweltverschmutzer nach der Ölindustrie«: ausgelaugte Böden, toxische Farbstoffe, die ins Grundwasser sickern, Plastikpartikel in den Weltmeeren. Man kann und soll natürlich bei Ökostandards ansetzen, Fair Fashion statt Fast Fashion, giftfreie Zutaten, klar macht das Sinn, aber letztendlich ist es die Masse, die den Mist macht: Die Welt produziert derzeit 100 Milliarden Kleidungsstücke pro Jahr – damit könnten wir jeden Menschen mehrfach einkleiden.

 Das Problem hat sich in den letzten Jahren verdreifacht. Billigläden wie Zara oder H&M haben Fast Fashion befeuert, im wahrsten Sinn des Wortes: Viele kaufen die spottbilligen Fetzen, ohne sie anzuprobieren, und werfen dann eben weg, was nicht passt. Durch die immer schneller rotierenden Saison-Angebote verfeuern sowohl Billiganbieter wie H&M also auch Edel-Marken wie Burberry tonnenweise Kleidung, die sich nicht verkauft. Aber dieses Jahr könnte ein Wendepunkt sein. Als Burberry im letzten Jahr Ladenhüter im Wert von 32 Milionen Euro verbrannte, weil die Luxusteile nicht auf dem Wühltisch landen sollten, war der Aufschrei groß. Der Protest wurde so massiv, dass Burberry seine Politik ändern musste: Die Teile sollen künftig gespendet oder recycelt werden. Letztendlich haben wir Konsumenten doch die Macht: Wenn wir etwas wirklich wollen, müssen es die Hersteller umsetzen, um uns als Kunden zu behalten.

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Denn wenn jetzt zu Weihnachten wieder viel Kleidung verschenkt wird, weiß man schon vorher, wohin ein Großteil wandern wird: direkt in die Müllverbrennung. Laut einer Greenpeace-Umfrage werden 40 Prozent der Klamotten selten oder nie getragen. Im Durchschnitt tragen wir die 60 Teile, die wir jedes Jahr kaufen, genau vier Mal. Eine Milliarde Kleidungsstücke, schätzt Greenpeace, liegen auf ewig ungetragen in deutschen Kleiderschränken.

Namhafte Hersteller wie Eileen Fisher und Patagonia, aber auch kleinere Startups und Second-Hand-Läden stellen sich dem besinnungslosen Kaufrausch entgegen. Warum sollen vollkommen intakte, womöglich nie oder kaum getragene Klamotten, die unter enormem Aufwand produziert wurden, im Müll landen? (..)

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RP online schreibt unter der Überschrift „KiJuPa will ‚neue“ Straßenreinigung‘“.

Wer meint, ein sauberes Erscheinungsbild der Stadt sei ein Thema, das lediglich die älteren „Semester“ interessiert, wird durch das aktuelle Kinder- und Jugendparlament (KiJuPa) Wermelskirchens eines Besseren belehrt. Im ersten Jahr der vierjährigen Legislaturperiode nach der Konstitution im Herbst 2017 haben die 23 KiJuPa-Mitglieder eine Arbeitsgruppe (AG) „Straßenreinigung“ gegründet.  (…) Kim Cürlis und Leon Wolff: „Eine zügige Umsetzung des Jugend- und Freizeitparks steht ganz oben auf der Liste. Zusätzlich wollen wir die Stadtreinigung nach vorne bringen.“ (…)

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Zusammenstellung: bem

Die Redaktion behält sich vor, aus Gründen der überregionalen Relevanz und der Lesbarkeit Kürzungen in den wiedergegebenen Medienbeiträgen vorzunehmen, Kürzungen werden durch (…) kenntlich gemacht.

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