Kleine Presseschau 07-02/2019

Kleine Presseschau 07-02/2019

150 150 Klaus Henning Glitza

Problem beim Recycling / Trennung: Nicht alle ziehen mit / FDP schießt gegen Hamburgs Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne)

 

Was die Menge an Verpackungsmüll angeht, sind die  Deutschen europaweit spitze  „Im Schnitt kommt mittlerweile jeder auf rund 220 Kilo Verpackungsmüll pro Jahr, das schaffen die Bürger in anderen Ländern der EU nicht, schreibt die Lippische Landeszeitung. Doch beim Recycling gibt es ein Problem, so Autorin Hanna Gersmann.

Früher gab es den Käse am Stück, heute benötigt der in Scheiben eine aufwendigere Verpackung. Der Obstsalat steht geschnitten und in Plastikbechern verpackt im Ladenregal, ebenso der Salat samt Sauce im Tütchen. Die Reinigungsmittel gibt es oft in einer Flasche mit Sprühkopf, der leicht so viel wiegt wie die ganze Flasche.

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Deutschland brüstet sich gerne mit seinem Eifer, alles im Kreislauf zu führen. Das stimmt für Glas, für Papier, für Metall weitgehend, die Stoffe sind in der hiesigen Industrie begehrt – nicht aber bei Kunststoff.

Das Problem fängt mit der schwarzen Waschmittelflasche an. Dunkle Kunststoffe lassen sich später nicht mehr zu hellen verarbeiten. Auch miteinander verklebte Folien machen den Recyclern zu schaffen.

Die sechs Scheiben Käse zum Beispiel. Die Verpackung soll ihn vor Sonne schützen, frisch halten, leicht zu öffnen und möglichst wieder zu schließen sein. Darum wird er in Folien gepackt, die aus gut zehn hauchdünnen Schichten bestehen – jede Schicht ein anderes Material.

Sollen die nach dem einmaligen Gebrauch wieder getrennt werden, um sortenreine Rezyklate daraus herzustellen, braucht es eine ausgeklügelte Technik. Nur: Das darf nicht zu viel kosten, sonst wird die Neuware aus Rohöl unschlagbar günstig.

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Anders als bei Hausmüll oder der Biotonne sind für den Verpackungsmüll die sogenannten Dualen Systeme zuständig. Das bekannteste von ihnen ist “Der Grüne Punkt”, weitere heißen “Belland-Vision” oder “Veolia”, neun sind es derzeit insgesamt. 2020 will noch der Discounter Lidl einsteigen.

Sie beauftragen die Müllwerker, Sortierer, Entsorger. Dafür zahlen ihnen Industrie und Händler Lizenzgebühren, die wiederum die deutschen Verbraucher mit jedem Einkauf mitfinanzieren – im Jahr sind das derzeit etwa 12,50 Euro pro Kopf. Die Dualen Systeme sollen ihre Preise für die Entsorgung ab jetzt staffeln – je recyclingfähiger eine Verpackung, umso günstiger.

Das ist eine entscheidende Neuerung im Verpackungsgesetz, das Anfang des Jahres in Kraft getreten ist. Nur: Es wird alles als recycelt gezählt, was nach der Sortierung des Plastikmülls in eine Verwertungsanlage reingeht. Aber längst nicht alles, was reingeht, kommt hinten als Recyclingmaterial wieder raus.

Denn eine stattliche Menge lässt sich zum Beispiel nicht gebrauchen, ist feucht, schimmelig, irgendwie ein Irrläufer. Solche Verluste werden nicht abgezogen, das Material, das in den Export geht auch nicht, egal was damit in einem anderen Land passiert. So wird insgesamt viel weniger recycelt als offiziell angegeben: nur 30 Prozent der Kunststoffe, schätzen Experten.

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Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe glaubt zwar, dass künftig mehr recycelt wird, im Grunde sieht er aber keinen echten Schub. Denn die Dualen Systeme müssten um ihre Aufträge feilschen. Sie könnten es sich unter den derzeitigen Wettbewerbsbedingungen kaum leisten, die Gebühren für schlecht zu recycelnde Verpackungen entscheidend anzuheben, wollten sie ihre Kunden behalten (…)

.Lohnt es für Verbraucher derzeit denn noch, Abfälle fein säuberlich zu trennen. „Auf jeden Fall”, meint Fischer, „je besser sortiert, desto einfacher das Recycling”. Am besten sei es allerdings auf Mehrweg zu setzen und Müll, wo immer es geht, zu vermeiden.

https://www.lz.de/ueberregional/owl/22385493_Beim-Recycling-gibt-sich-Deutschland-eifrig-doch-es-gibt-ein-Problem.html

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Die Mülltrennung könnte musterhaft sein, schreibt IKZ-online (Funke Mediengruppe). Könnte… Vorausgesetzt, dass alle Verbraucher und Hersteller mitspielen. „Doch das tun sie nicht“, konstatiert Autor Tim Gelewski unter der Überschrift „Ein Thema, das uns alle angeht“.

Ein Besuch in der Lobbe-Sortieranlage in Sümmern.  (…)  „30 bis 50 Prozent der Stoffe sind falsch einsortiert, gehören nicht in den gelben Sack“, sagt Simon Sadowski, 26, Entsorgungstechnik-Ingenieur und stellvertretender Anlagenleiter bei Lobbe in Sümmern. „Manchmal kommt sogar ein halbes Fahrrad oder ähnliches hier an“, sagt er. (…)

Nach Ankunft werden die Säcke als erstes in eine maschinelle Siebung gestürzt, dann wird Folie mit Luft abgesaugt. Auf Bändern geht es vorbei an Magneten unterschiedlicher Stärken für unterschiedliche Metallgrößen, Aluminium wird mittels eines elektromagnetischen Impulses bei der Sortierung abgeschieden. In einem mannshohen rotierenden Trommelsieb wird Kunststoff nach Größen sortiert. Auf einem Ballistik-Separator tanzen die Müllmassen, rundes fällt nach unten, Folien zieht es durch die Bewegung nach oben. Insgesamt 1,2 Kilometer Förderband werden einzelne Müllteile im Maximum hier durchlaufen.

Die Feinarbeit erledigt Infrarot-Licht, mittels dessen verschiedene Kunststoffe bestimmt werden können. Der Clou: Am Ende einer jeden Band-Sektion werden die identifizierten Teile einzeln per Luftdüse vom Band geschossen und so getrennt. Allein 16 Schritte umfasst dieses Verfahren. „Im Prinzip können wir mit Licht alles sortieren, was nicht schwarz ist. Schwarze Shampoo-Flaschen und ähnliches – das bereitet Schwierigkeiten“, sagt Simon Sadowski. Ein Grund, warum am Ende von Mitarbeitern händisch nachsortiert wird.

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Doch es sind nicht nur die Verbraucher, sondern auch die vom Hersteller verwendeten Materialien, Verbundstoffe, die eine noch effizientere Sortierung verhindern. Joghurt-Becher mit Papierbanderole etwa – hier erkennt die Maschine entweder Papier oder Kunststoff. Landet dann der Kunststoff im Partiersortierer oder umgekehrt, wird der unerwünschte Zweitstoff zum Ausschuss.

Was viele Verbraucher zudem nicht wissen: In vielen Wurst- und Käse-Supermarkt-Verpackungen, sogenannten PET-Schalen, sind bis zu 15 verschiedene Kunststoffe und dazu Kleber verwoben. Eine Optik und Haltbarkeit geschuldete Hürde bei der Verwertung, vor der selbst eine hochmoderne Sortieranlage passen muss, so dass die Schalen am Ende im Feuer landen. Insgesamt 50 Prozent des Inputs werden zur energetischen Verwertung verbrannt, 50 Prozent stofflich recycelt.

Trotz Verbesserungsbedarfs sieht Simon Sadowski aber beim Handel ein wachsendes Umweltbewusstsein. „Wir bekommen Anfragen, was man verbessern könnte. Und es wird zunehmend Re-Granulat verwendet.“ Nicht-Verbranntes nämlich – das wird im Falle von Lobbe an einem Schweriner Standort gewaschen und zu Granulat zerkleinert und dann später wieder verwendet. „Ich merke da schon eine Veränderung.“

https://www.ikz-online.de/staedte/iserlohn/ein-thema-das-uns-alle-angeht-id216504445.html

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Knatsch um den Neubau eines Heizkraftwerks in Hamburg. Wie das Hamburger Abendblatt berichtet, wirft die FDP dem Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) vor, „die Bürgerschaft vor der Entscheidung zum Rückkauf der Fernwärme im Herbst 2018 nicht ausreichend informiert zu haben“. Anlass des Vorwurfs sei die massive Kostensteigerung beim geplanten Bau einer neuen Anlage zur Müllverwertung im Stellinger Moor. Autor des Artikels unter der Überschrift „Fernwärme-Projekt wird rund 100 Millionen Euro teure“ ist Jens Meyer-Wellmann.

Das laut Stadtreinigung „deutschlandweit einzigartige Zentrum für Ressourcen und Energie (ZRE)“ soll von 2023 an 140.000 Tonnen Hausmüll sortieren, Biogas gewinnen und in einem „Biomasse- und Ersatzbrennstoffheizkraftwerk“ auch Strom und Wärme produzieren. (…) Nun aber musste das Unternehmen einräumen, dass das ZRE nicht nur rund ein Jahr später fertig, sondern auch deutlich teurer wird. Statt der ursprünglich geschätzten 220 Millionen Euro oder der 2018 veranschlagten 235 Millionen Euro soll die Anlage nun 325 Millionen Euro kosten.

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Stadtreinigungs-Sprecher Kay Goetze sagte, man gehe von „einer Kostensteigerung von rund 90 Millionen Euro“ aus. „Wir haben bei der Einschätzung bewusst Vorsichtsmaßnahmen getroffen“, so Goetze. „Mehr als die Hälfte der zu erwartenden Kostensteigerung bezieht sich auf die zu erwartende weitere Konjunktur-Entwicklung, also etwa Kostensteigerungen in der Baubranche.

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FDP-Fraktionschef Kruse wirft Umweltsenator Kerstan nun vor, die bereits bekannte Kostensteigerung dem Parlament bewusst vorenthalten zu haben.“ (…) Die „Kostenexplosion“ vergrößere die Probleme. „Zum einen werden die Kunden die Preissteigerungen bezahlen müssen“, so Kruse. (…)“

Jan Dube, Sprecher von Umweltsenator Kerstan, wies die Vermutung von Preiserhöhungen zurück. „Eine Auswirkung auf Gebühren und Wärmepreise ist nicht zu erwarten“ (…)

Kompletter Artikel: https://www.abendblatt.de/hamburg/kommunales/article216505791/Fernwaerme-Projekt-wird-rund-100-Millionen-Euro-teurer.html

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Zusammenstellung: bem

Die Redaktion behält sich vor, aus Gründen der überregionalen Relevanz und der Lesbarkeit sowie der Einhaltung der Zitierregeln Kürzungen in den wiedergegebenen Medienbeiträgen vorzunehmen,

Kürzungen werden durch (…) kenntlich gemacht.

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