Kennen Sie schon den großen Unterschied zwischen regionalen und globalen Projekten?

Kennen Sie schon den großen Unterschied zwischen regionalen und globalen Projekten?

Kennen Sie schon den großen Unterschied zwischen regionalen und globalen Projekten? 150 150 Klaus Henning Glitza

 Regionale Projekte funktionieren- wie das Hamburger Modell beweist

 

Die Partner des Hamburger Modells (von links); Umweltsenator Jens Kerstan, Professor Kerstin Kuchta (TU Hamburg), Professor Dr. Rüdiger Siechau (Stadtreinigung Hamburg), Peter Dekkers (Unilever), Christoph Wölke (BUDNI) und Matthias Harms (Veolia Deutschland). Foto: Ulrich Schaarschmidt

Was ist der Unterschied zwischen regionalen und globalen Projekten? Die schlichte und ergreifende Antwort: das regionale Projekt funktioniert! Was im Weltmaßstand bisher nicht gelang, in der Freien und Hansestadt Hamburg glückte es: Ein Wertstoffkreis konnte geschlossen werden. An einem Runden Tisch wurde zuwege gebracht, was in Tagungen, Konferenzen und Vollversammlung bislang bloße Theorie geblieben ist.

Wertstoffkreislauf bedeutet, dass ein weggeworfener Rohstoff letzten Ende in Form eines neuen Produktes wieder verfügbar wird. Und das nicht nur einmal. Beim Hamburger Beispiel geht es um Polyethylen (PE), den weltweit am meisten verbrauchten Kunststoff.

„Wirklich Wirksam Recyceln- das geht nur gemeinsam“. Unter dieser Devise haben sich -wie bereits berichtet- fünf Partner zu Hamburgs Wertstoff zusammengeschlossen.

Dies sind:

1. Die Hamburger Stadtreinigung, die Verpackungsabfälle aus der Hamburger Wertstofftonne oder dem Gelben Sack sammelt.

2. Der Entsorger Veolia Deutschland, der die Abfälle in seiner Hamburger Anlage sortiert, das zur Herstellung von Kunststoffflaschen erforderliche High Density Polyethylen (HDPE) in Ballen verpresst, und in einem weiteren Produktionsschritt zu kleinen Kunststoffkugeln, sogenannten Regranulaten formt.

3. Der niederländisch-britische Konzern Unilever, der das Rezyklat zur Produktion einer Waschmittelflasche aus 100-prozentig recyceltem Kunststoff einsetzt.

4. die Technische Universität Hamburg, die alle Prozesse mit umfangreichen Tests und Prüfungen wissenschaftlich begleitet.

5. die Handelskette BUDNI, die das Pflanzenstoff-basierte Waschmittel in der umweltfreundlichen Flasche exklusiv vertreibt

Experten wissen, nur wenn alle am Produktions- und Vertriebsprozess beteiligten Partner auf „kurzen Dienstwegen“ und mit gemeinsamen Intentionen kooperieren, kann es gelingen, ein echtes Kreislaufprojekt auf die Beine zu stellen. Globale Ansätze gehen oft in nationalen Egoismen und Partikularinteressen unter- siehe Klimaschutz.

Lange genug habe es ja gedauert, machte Professor Dr. Rüdiger Siechau, Geschäftsführer der Hamburger Stadtreinigung, zwischen den Zeilen deutlich. Denn die Idee des Recyclings sei alles andere als neu, hob er während einer virtuellen Pressekonferenz am heutigen Tage hervor. Seit 30 Jahren werde über das Thema nachgedacht. Und genau diese drei Jahrzehnte habe es gedauert, die Idee eines recyclingfähigen Gebindes auf sämtlichen Produktions- und Vertriebsebenen zu verwirklichen.

Jetzt seien die Verbraucher am Zuge. Denn es sei nicht nur entscheidend, „was hinten rauskommt, sagte der SRH-Chef in Anlehnung an ein Altkanzler-Zitat, „sondern was vorne reingegeben wird“. Eine gewissenhafte Trennung sei eine wichtige Basis für die Wiederverwertung. Wenn Flaschen aus Polyethylen in den Wertstoffsammelbehältern landeten, könnten jährlich 7 Millionen neue Flaschen aus Rezyklaten produziert werden.

Die “Hamburger Revolution” in Flaschen. So sieht das Unilever-Produkt “Sieben Generationen” aus. Flasche und Inhalt (auf Basis von Pflanzenstoffen) sind umweltfreundlich. Foto: Unilever

Dass die Realität betrüblicherweise anders aussieht, schilderte Matthias Harms (Veolia Deutschland). Fehlwürfe beeinträchtigten die Qualität des Recyclings in erheblichem Maße. Gelbe Säcke und Tonnen würden allzu oft für andere Abfallfraktionen missbraucht. Schuhe in den LVP-Abfällen seien eher noch ein harmloses Beispiel. Sogar Autoreifen samt Felgen seien schon gefunden worden. Und immer wieder Akkus, die bei mechanischer Einwirkung in Abfallentsorgungsfahrzeugen und Sortieranlagen zu schlimmen Bränden führten.

Ein Problem seien laut Harms auch die Verbundstoffe, also Mixturen unterschiedlicher Substanzen, die in dieser Kombination nicht recycelt werden können. Ebenso hinderlich: nicht wasserlösliche Klebstoffe. Diese und andere Fremdstoffe färben die Rezyklate dunkel, die deshalb von den Konsumenten abgelehnt werden.

Kunststoffe seien Wertstoffe und müssten auch als solche behandelt werden, erläuterte Peter Dekkers von Unilever. Der Konzern habe sich deshalb dazu entschieden, bis 2025 die Menge an Neuplastik zu halbieren. Entweder durch leichtere Verpackungen oder den Einsatz der genannten Post-Consumer-Rezyklaten. Bis 2015 sollen auch sämtliche Verpackungen recyclingfähig sein. Der erste Wertstoffkreislauf sei geschaffen, jetzt beginne die Kommunikations- und Informationsphase, um die Verbraucher mit ins Boot zu holen, so Dekkers.

So sah das auch Christoph Wölke von BUDNI. Es gehe jetzt darum, die Kunden für nachhaltigen Konsum zu begeistern, sagte er. Der Hamburger Wertstoffkreislauf sei ein Meilenstein, um das Bewusstsein, Konsum anders zu denken, fortzuentwickeln.

Umweltsenator Jens Kerstan, gleichfalls Teilnehmer der virtuellen Pressekonferenz, zeigte sich beeindruckt, in welch rekordverdächtiger Zeit das Projekt verwirklicht wurde. Mit den Worten „Nachmachen ausdrücklich erwünscht“ gab er der Hoffnung Ausdruck, dass das Hamburger Modell in Deutschland und darüber hinaus Schule macht.

Als wichtigen Beitrag, die negativen Folgen einer unbegrenzten Plastikflut einzudämmen, bezeichnete Professor Kerstin Kuchta von der Technischen Universität Hamburg das Projekt. „Wir sind begeistert, dass es gelungen ist, eine solche Idee in einer Stadt umzusetzen“, betonte. Wichtig sei jetzt, dass die Verbraucher ihre Produktwahl auch davon abhängig machten, wie gut sich eine Verpackung recyceln lasse.

Quintessenz: Der Runde Tisch der fünf Partner hat viel vermocht. Jetzt ist es an den Konsumenten, das Hamburger Modell rund zu machen.

khg

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