Keine Überraschung: SUEZ lehnt das Angebot des fusionswilligen Konkurrenzkonzerns VEOLIA ab

Keine Überraschung: SUEZ lehnt das Angebot des fusionswilligen Konkurrenzkonzerns VEOLIA ab

150 150 Klaus Henning Glitza

Konzern kündigt außergewöhnliche Dividenden an / Kann das überzeugen?

 

Eine sonderliche Überraschung ist der jüngste Beschluss des SUEZ-Verwaltungsrates nun wirklich nicht. Wie nicht anders zu erwarten wird das Angebot des fusionswilligen Konkurrenzkonzerns VEOLIA 18 Euro pro Aktie, rundweg abgelehnt.

Der intrinsische Wert (“intrinsic value”) der Aktie liege deutlich über dem angebotenen Preis, heißt es in einer aktuellen  SUEZ-Pressemitteilung.  Umsatzwachstum, verbesserte Profitabilität und Cashflow sowie der Strategieplan SUEZ 2020 (Konzentration auf die wachstumsstärksten Bereiche) würden das Dividendenwachstum ankurbeln und die Zahlung außergewöhnlicher Dividenden ermöglichen. Auch die SUEZ-Ergebnisse für 2020 zeigten, dass der von VEOLIA gebotene Preis, der frühestens im Mai 2022 zu zahlen wäre, nicht zufriedenstellend ist.

SUEZ: Umfeld hat sich verändert

Unberücksichtigt bleibe laut SUEZ, dass sich das wirtschaftliche und finanzielle Umfeld seit VEOLIAs Übernahme der Beteiligung von Engie an erheblich verbessert hat. Der inzwischen „veraltete“  Angebotspreis von 18 Euro pro Aktie (Cum-Dividende) diskriminiere die Minderheitsaktionäre von SUEZ im Vergleich zu Engie. Der von Veolia angebotene Preis entspreche lediglich einem Aufschlag von 13,1 Prozent gegenüber dem Aktienkurs von SUEZ zum 21. Februar 2020 (vor dem Ausbruch von Covid).

22 Kartellbehörden müssen zustimmen

Des Weiteren verwies SUEZ auf die „erheblichen Ausführungsrisiken im Zusammenhang den erforderlichen behördlichen Genehmigungen“. Die von VEOLIA geplante Fusion werfe sowohl innerhalb der Europäischen Union als auch im Vereinigten Königreich erhebliche kartellrechtliche Fragen auf: 22 Wettbewerbsbehörden müssten über die Transaktion entscheiden.

Soziale Verpflichtungen “unbefriedigend”

Letzten Endes seien auch VEOLIAs soziale Verpflichtungen unbefriedigend. In der Praxis sei ihre Dauer begrenzt und in  bestimmten Aspekten seien  sie vage und teilweise unverbindlich.

An die Adresse der Aktionäre ist der SUEZ-Hinweis gerichtet, dass das VEOLIA-Angebot „nicht alle erforderlichen Informationen“ enthalte, Insbesondere mache VEOLIA keine Angaben zu den Bedingungen des geplanten Verkaufs von  SUEZ Water France an Meridiam und bleibe in Bezug auf die Nachbesserungsrechte (“top-up rights“) von ENGIE vage.

All dem zu Trotz bekräftigt der Verwaltungsrat seinen Wunsch nach einer Verhandlungslösung. Es sollen alle erforderlichen Schritte unternehmen, um sicherzustellen, „dass Veolia seine Interessen nicht auf der Hauptversammlung von SUEZ aufzwingt“.

Risiko Hauptversammlung

Genau das ist derzeit der springende Punkt. Die große Frage ist, wie viele der SUEZ-Aktionäre sich auf VEOLIA, der mit Anteilen von 29,9 Prozent zu einem Player von strategischer Bedeutung bei SUEZ geworden ist, zubewegen. Dabei könnte eine Rolle spielen, dass das Vertrauen in das derzeitige SUEZ-Topmanagement keinesfalls unbegrenzt ist. SUEZ scheint das zu erahnen, denn große Teile der jüngsten Presseerklärung zielen direkt auf die Aktionäre. Indessen ist aber auch klar, dass das derzeitige Angebot von 18 Euro pro Aktie keinesfalls der große Motivator ist.

Eins und eins macht nicht immer zwei

Klar ist aber auch: Aus zwei marktführenden  Riesen, wie VEOLIA und SUEZ es sind, würde durch Übernahme kein doppelt so großer Gigant. Eins und eins- das hat im Wirtschaftsleben noch niemals zwei gemacht. VEOLIA spricht von Synergieeffekten, was im Klartext nichts anderes bedeutet, als das „doppelte Strukturen“ wegfallen- und damit auch Personal. Soziale Garantien sind in einer Zeit der Corona- Krise, die in ihrem weiteren Verlauf völlig unvorhersehbar ist, zumindest fraglich. Niemand kann einen Konzern zwingen, an seinen Garantien zugrunde zu gehen. Am allerwenigsten der Staat, der an ihm profitiert. Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer könnten also die Verlierer des großen Spiels um wirtschaftliche Macht, Marktführerschaft und Weltgeltung sein. Hinter VEOLIA stehen bekanntermaßen große und kleine Investoren, denen vor allem an der eigenen sozialen Sicherheit gelegen ist,

Der Zwangsehe entgehen?

Der SUEZ-Konzern  hat nur dann Chancen, eigenständig zu bleiben.  wenn er gegenüber den Aktionären wirklich überzeugende Argumente anführt. Das ist derzeit nur bedingt der Fall.  Viele Gegenargumente sind bloße Wiederholungen. Ein wenig kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass das Topmanagement derzeit ein Rückzugsgefecht führt. Klar ist: Wenn sich der „Feind“ per 29,9 Prozent-Anteil bereits komfortabel im  Bett eingerichtet hat, ist es umso schwerer, sich einer Zwangsehe zu entziehen.

khg

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