Kein Pseudo-Bio im Bio-Abfall: Sieben Verbände verabschiedeten Positionspapier

Kein Pseudo-Bio im Bio-Abfall: Sieben Verbände verabschiedeten Positionspapier

150 150 Klaus Henning Glitza

Kompostierung von „biologisch abbaubaren Kunststoffen“ wird grundsätzlich abgelehnt / Produkte machen große Probleme

 

Biologisch abbaubar, kompostierbar oder “o.k. for industrial composting” steht auf manchen Kunststoffprodukten- doch in Wirklichkeit enthalten die angeblichen Bio-Produkte Stoffe, die sich ähnlich schwer wie normales Plastik auflösen und im Endprodukt (Kompost oder Gärsubstrat) einen Störstoff darstellen.

Sieben mit biologischen Abfallwirtschaft befassten Verbände, unter ihnen der bvse und der VKU, haben deshalb auf Initiative der Bundesgütegemeinschaft Kompost ein Positionspapier verabschiedet, das auf die Gefahren einer Vermengung von Bio und Pseudo-Bio aufmerksam macht und die grundsätzliche Ablehnung der Kompostierung von biologisch abbaubaren Kunststoffen zum Ausdruck bringt.

Weder für die Biotonne noch für den gelben Sack geeignet:”biologisch abbaubarer” Kunststoff. Foto: piu700 / pixelio.de

Hauptsächlicher Adressat des Papiers ist die EU-Kommission, die derzeit aneinem „Entwurf des Durchführungsrechtsaktes zu Etiketten und Kennzeichnungen für biologisch abbaubare und kompostierbare Kunststofftragetaschen“ arbeitet. Die Befürchtung der Verbände: „bioabbaubare“ Produkte, zum Beispiel Kunststoff-Einkaufs-/Tragetaschen, bekommen künftig ein Label, das den Bürgern die Entsorgung in die Biotonnen nahelegt. Doch dort gehören ganz und gar nicht hin.

Denn biologisch abbaubare Kunststoffe bereiten unter den Bedingungen, die in der Regel bei Kompostwerken anzutreffen sind, große Probleme, erklärt Andreas Habel vom bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung. Der Experte macht deutlich, dass sich die unterzeichnenden Verbände völlig einig seien, dass die Kompostierung von Produkten aus biologisch abbaubaren Kunststoffen keine hochwertige Verwertung und auch kein Recycling ist. Habel: „In der Kompostierung entfalten sie nicht nur keinen stofflichen Nutzen, auch ihr energetischer Wert bleibe ungenutzt.“

Im Fall von lizenzierungspflichtigen Verpackungsabfällen seien diese entsprechend den Vorschriften des Verpackungsgesetzes über die dualen Systeme (gelber Sack, gelbe Tonne) zu entsorgen, so der bvse-Experte weiter. Dies gelte auch für Verpackungen aus biologisch abbaubaren Kunststoffen. Tragetaschen aus Kunststoff sowie Teller und Becher aus dem Catering seien ebenfalls Verpackungen im Sinne des Verpackungsgesetzes, ungeachtet dessen, ob sie bioabbaubar sind oder nicht.

Doch auch im Kunststoffrecycling sind diese Materialien nicht gerne gesehen, hebt Dr. Dirk Textor, Vorsitzender des bvse-Fachverbandes Kunststoffrecycling, hervor. „Die Qualität des Kunststoffrecyclings müsse im Vordergrund stehen. Deshalb sehen wir den vermehrten Einsatz von sogenannten Biokunststoffen immer noch sehr kritisch.“

Der vermehrte Einsatz von so genannten Biokunststoffen werde immer noch sehr kritisch gesehen, so Dr. Textor weiter, Das Kunststoffrecycling für Wertstoffe aus der Gelben Tonne werde durch die Biokunststoffe erheblich beeinträchtigt. Bei der Sortierung würden sie deshalb in der Regel ausgesondert und in die Restmüllverbrennung gegeben.

Die EU-Kommission arbeitet jedoch derzeit an einem „Entwurf des Durchführungsrechtsaktes zu Etiketten und Kennzeichnungen für biologisch abbaubare und kompostierbare Kunststofftragetaschen“, wonach EU-weit bioabbaubare Kunststoff-Einkaufs-/Tragetaschen für die Eignung einer industriellen Kompostierung und ggf. Eigenkompostierung mit einem Label gekennzeichnet werden sollen bzw. müssen.

Die mit der biologischen Abfallwirtschaft befassten Verbände, darunter der bvse, haben aus diesem Grund, auf Initiative der Bundesgütegemeinschaft Kompost, in einem gemeinsamen Positionspapier ihre grundsätzliche Ablehnung der Kompostierung von biologisch abbaubaren Kunststoffen verdeutlicht.

Andreas Habel betont, dass sich die unterzeichnenden Verbände völlig einig sind, dass die Kompostierung von Produkten aus biologisch abbaubaren Kunststoffen keine hochwertige Verwertung und auch kein Recycling ist. In der Kompostierung entfalten sie nicht nur keinen stofflichen Nutzen, auch ihr nergetischer Wert bleibe ungenutzt.

Nach den Vorgaben der Abfallhierarchie zur hochwertigen Verwertung sind biologisch abbaubare Kunststoffe der stofflichen Nutzung (Recycling) oder, wenn dies technisch nicht möglich ist oder die Kosten verglichen zur Beseitigung außer Verhältnis stehen, einer energetischen Verwertung zuzuführen.

Im Fall von lizenzierungspflichtigen Verpackungsabfällen sind diese entsprechend den Vorschriften des Verpackungsgesetzes über die dualen Systeme (gelber Sack, gelbe Tonne) zu entsorgen. Dies gilt auch für Verpackungen aus biologisch abbaubaren Kunststoffen. Tragetaschen aus Kunststoff sowie Teller und Becher aus dem Catering sind ebenfalls Verpackungen im Sinne des Verpackungsgesetzes, ungeachtet dessen, ob sie bioabbaubar sind oder nicht.

Doch auch im Kunststoffrecycling sind diese Materialien nicht gerne gesehen, wie Dr. Dirk Textor, Vorsitzender des bvse-Fachverbandes Kunststoffrecycling deutlich macht: „Die Qualität des Kunststoffrecyclings muss im Vordergrund stehen. Deshalb sehen wir den vermehrten Einsatz von sogenannten Biokunststoffen immer noch sehr kritisch.“

Das Kunststoffrecycling für Wertstoffe aus der Gelben Tonne werde durch die Biokunststoffe erheblich beeinträchtigt. Bei der Sortierung würden sie deshalb in der Regel ausgesondert und in die Restmüllverbrennung gegeben.

Auch der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) hat sich mit deutlichen Worten  gegen die Entsorgung von biologisch abbaubaren Kunststoffen über die Bioabfallbehandlung/Kompostierung gewandt.  „Plastiktüten gehören nicht in den Bioabfall! Das gilt auch für sogenanntes „Bioplastik“ oder „bioabbaubare Kunststoffe“, zum Beispiel Einkaufsbeutel, Einweggeschirr, Kaffeekapseln und andere Produkte.

Viele Hersteller priesen ihre Produkte als leicht abbaubares „Bioplastik“ an. Die Verbraucher glaubten dann, dass genau dieses Plastik ähnlich biologisch abbaubar ist wie eine Bananenschale. Das sei aber nicht der Fall. Vielmehr bereitet das Bioplastik den Anlagenbetreibern von Kompostwerken oder Biogasanlagen oftmals große Probleme, weil die nicht zersetzten Plastikpartikel verunreinigen am Ende Kompost und Gärresteverunreinigen.  „Das gefährdet den ökologischen Nutzen der Biosammlung. Für die Bioabfallsammlung erlaubt sind ausschließlich die besonders dünnen biobasierten Kunststoffbeutel, die speziell für die Bioabfallsammlung in der Küche gedacht sind. Sie müssen zertifiziert bioabbaubar sein, und der kommunale Abfallwirtschaftsbetrieb vor Ort muss ihre Verwendung erlaubt haben.“

Folgende Verbände haben das Positionspapier unterzeichnet:

  • ANS Arbeitskreis zur Nutzung von Sekundärrohstoffen und für Klimaschutz e.V.
  • ASA Arbeitsgemeinschaft stoffspezifische Abfallbehandlung e.V.
  • BDE Bundesverband der deutschen Entsorgungs, Wasser- und Rohstoffwirtschaft e.V.
  •  BGK Bundesgütegemeinschaft Kompost e.V.
  • bvse Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V.
  • DGAW Deutsche Gesellschaft für Abfallwirtschaft e.V
  • VHE Verband der Humus- und Erdenwirtschaft e.V.
  • VKU Verband kommunaler Unternehmen e.V.

Das Positionspapier kann unter

https://www.bvse.de/images/pdf/Presse/00-Position_Verb%C3%A4nde_BAW_2019-final_3.pdf

heruntergeladen werden.

JL/EM/rd

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