Kein erhobener Zeigefinger

Kein erhobener Zeigefinger

150 150 Klaus Henning Glitza

Entsorgungs-Betriebe Ulm: Neu konzipierte Präventionsmaßnahme gegen die zunehmende Vermüllung

 

Tatkräftige Präventionsmaßnahme gegen Littering: Die Entsorgungs-Betriebe der Stadt Ulm (EBU) setzen ab sofort sogenannte Müllscouts ein, um die zunehmende Vermüllung der Grünflächen entlang der Donau und in der Friedrichsau durch Erholungssuchende und Feierende zu reduzieren.

Das Besondere an diesen Müllscouts. Ohne erhobenen Zeigefinger möchten sie die Menschen zu mehr Eigenverantwortung im Umgang mit Müll animieren. Zu Fuß in Zweierteams unterwegs und in leuchtend grüne Westen mit Aufschrift „Müllscouts Ulm“ gekleidet,  werden sie zukünftig die Besucher der donaunahen Erholungsräume ansprechen, um über die Probleme des Litterings und dessen Folgen für Mensch, Umwelt und städtische Kosten zu informieren Bei Bedarf händigen sie Taschenaschenbecher, Hundekotbeutel und Mülltüten aus oder beschreiben den schnellsten Weg zur nächsten Mülltonne.

Bereit für das Engagement gegen die zunehmende Vermüllung in den donaunahen Erholungsräumen: die Ulmer Müllscouts. Foto: dreivorzwölf marketing GmbH

Das ist keine „Leisetreterei“, sondern pure Pädagogik. Denn das achtlose Hinterlassen und Wegwerfen von Abfällen, ohne die öffentlichen Mülleimer zu benutzen,  ist kein reines Abfallproblem, sondern ein Gesellschaftsproblem. „Viele Erholungsuchende denken gar nicht über die Konsequenzen ihres Handelns nach und es ist ja auch bequem, wenn unsere Stadtreinigung einfach nachher alles wegräumt“, erläutert Thomas Mayer, Betriebsleiter der EBU.

Das dahinterstehende Konzept hat die EBU von der  Agentur  dreivorzwölf marketing GmbH aus Mainz entwickeln lassen. Ausgangspunkt war die Erkenntnis vieler Kommunen, dass man mit  restriktiven Maßnahmen, Überwachung und Intervention nicht allzu weit kommt. „So lässt sich weder ein Umdenken noch besseres Handeln bei den Menschen bewirken“, bestätigt Betriebsleiter Mayer.

Die Erfahrungen in vielen deutschen Kommunen: Die erwischten Müllsünder ärgern sich über mögliche Geldbußen, ändern aber nur selten oder allenfalls kurzfristig  ihr antisoziales Verhalten. „Eine Veränderung lässt sich nur ganzheitlich realisieren. Um das Litteringproblem im öffentlichen Raum effektiv und nachhaltig in den Griff zu bekommen, muss sich etwas in den Köpfen der Menschen bewegen“, heißt es in einer Erklärung von dreivorzwölf.

Dass dies alles mehr als graue Theorie ist, belegen die  nach dem Motto „Bleib sauber“ bereits erfolgreich laufenden Präventionsmaßnahmen in Städten wie Mainz, Trier, Pforzheim, Eltville und Gießen. „Durch Littering verursachte Abfallmengen und Reinigungskosten konnten so gesenkt werden. Gleiche Effekte erhoffen sich die EBU. Erhebungen am Jahresende werden Aufschluss darüber geben, ob das Präventionskonzept langfristig in Ulm fortgeführt werden soll“, teilt das kommunale Unternehmen mit.

Die Umweltscouts wurden durch dreivorzwölf marketing speziell zum Thema Müllvermeidung und im Umgang mit Menschen ausgebildet. Im Einsatz werden sie überall dort sein,  wo sich die Menschen auf den öffentlichen Rasenflächen, in Parks oder an Flussufern erholen.

Nach erfolgreich absolvierten Testläufen in der vergangenen  Woche starten die Müllscouts nach Angaben von Julia Dolezil von den Entsorgungs-Betrieben der Stadt Ulm offiziell dieses Wochenende und werden bis Anfang Oktober 2021 regelmäßig an Schönwettertagen freitag-, samstag- und sonntagabends entlang der Donau zwischen Adenauerbrücke und bis zum Volksfestplatz in der Friedrichsau im Einsatz sein.

JDo/khg/rd

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