Interzero: Bis zu 20.000 Tonnen schwer zu recycelnde KS-Abfälle gehen künftig in die Normandie

Interzero: Bis zu 20.000 Tonnen schwer zu recycelnde KS-Abfälle gehen künftig in die Normandie

710 473 Klaus Henning Glitza

Ziel wird die weltweit größte Anlage für molekulares Recycling von Eastman sein

 

Rückgewinnung von Polyester statt Verbrennung. Bis zu 20.000 Tonnen schwer zu recycelnde PET-Haushaltsverpackungsabfälle, die sonst thermisch verwertet werden müssten, will Interzero Plastics Recycling   künftig  in der Normandie verwerten.

Das ist Gegenstand einer langfristigen Vereinbarung, die Interzero  und der Anlagenbetreiber, das  weltweit tätige Unternehmen für Spezialmaterialien Eastman jüngst geschlossen haben.  Die US-amerikanische  Aktiengesellschaft mit Hauptsitz  in Kingsport, Tennessee, will die weltweit größte Anlage für molekulares Recycling “von Material zu Material” (Jahreskapazität etwa 160.000 Tonnen)  bis 2025 fertigstellen. Die Großanlage  wird nach Inbetriebnahme gefärbte und undurchsichtige PET-Abfälle, die nicht mechanisch  recycelt werden können, zu klarem und transparentem rPET verarbeiten. Als   Standort der  bis zu einer Milliarde US-Dollar  kostenden Großanlage ist  Port-Jérôme-sur-Seine (Département Seine-Maritime,  Arrondissement Le Havre) ausgewählt worden.   Es handelt sich um die größte ausländische Investition in Frankreich seit 30 Jahren. Im Vorfeld hatten der Vorstandsvorsitzende und CEO von Eastman, Mark Costa, und der französische Präsident Emmanuel Macron direkte Gespräche geführt und das Mega-Projekt gemeinsam angekündigt. .

“Wichtiger Schritt, Kreisläufe zu schließen”

Jacco de Haas, Chief Commercial Officer bei  Interzero Plastics Recycling, sieht die  Bündelung der Kräfte und des führenden Knowhows von Eastman und Interzero als “für uns nächsten Schritt, um Kreisläufe zu schließen und damit, unsere Vision einer Welt ohne Abfall zu verwirklichen”. Eastman sei “führend im molekularen Recycling von Polyestern und verfügt über jahrzehntelange Innovationserfahrung”, sagt er.

“Interzero und Eastman engagieren sich durch Partnerschaften und Innovationen für die Reduzierung von Kunststoffabfällen und den  Aufbau von Kreisläufen”, so das Statement von Brad Lich, Executive Vice President  und Chief Commercial Officer von Eastman. “Diese Vereinbarung ist ein wichtiger Meilenstein für die Investition von Eastman in Frankreich. Wir freuen uns, dass wir in Europa eine enge Zusammenarbeit mit  Interzero aufbauen können, um einen Teil der für den erfolgreichen  Betrieb unserer Anlage erforderlichen Rohstoffe zu erhalten. Die Zusammenarbeit unterstreicht die Komplementarität von mechanischem und molekularem Recycling und die Bedeutung der Zusammenarbeit für die Schaffung  eines echten Kreislaufsystems.”

Ergänzung zum mechanischen Recycling

Das chemische Recycling betrachtet Interzero im Einklang mit Eastman als notwendige Ergänzung zum werkstofflichen Recycling, um mehr Rohstoffe im Kreislauf zu halten. Das Eastman- Depolymerisations-Verfahren  sei eine ökologisch bedeutsame  Alternative zu der derzeitigen linearen  Praxis,  nicht mechanisch recycelbare PET-Abfälle zu verbrennen oder  mit der vorhandenen Technologie “downzucyceln” – also zu immer minderwertigeren Kunststoffen zu verarbeiten.  „Die chemische  Recycling-Technologie von Eastman ermöglicht es, die Abfälle in ihre molekularen Bausteine zu zerlegen und sie dann wieder zu  einem hochwertigen Material zusammenzusetzen, ohne dass die Eigenschaften des Kunststoffs beeinträchtigt werden“, teilt Interzero dazu mit. So gestatte die bereits bewährte Polyester-Erneuerungstechnologie (PRT) von Eastman „die potenziell unendliche Wiederverwendung von Materialien, Lebenszyklus um Lebenszyklus“. Dank  des hohen Wirkungsgrades der Technologie und der in Frankreich verfügbaren erneuerbaren Energiequellen könnten die Materialien mit  deutlich weniger Treibhausgasemissionen hergestellt werden als bei herkömmlichen Verfahren.

Das Projekt wird Arbeitsplätze für rund 350 Menschen schaffen und zu zusätzlichen 1.500 indirekten Arbeitsplätzen in den Bereichen Recycling, Energie und Infrastruktur führen.

Über Eastman

Eastman beschäftigt weltweit rund 14.000 Mitarbeitende  und beliefert Kunden in mehr als 100 Ländern. Das 1920 gegründete, an der New Yorker Börse (NYSE) notierte Unternehmen erzielte 2021 einen Umsatz von rund 10,5 Milliarden US-Dollar. Sein Ziel ist es, gemeinsam mit seinen Kunden  die Materialien seiner breiten Palette an Produkten zu  verbessern und gleichzeitig Sicherheit und Nachhaltigkeit zu gewährleisten. Im deutschsprachigen Raum hat das Unternehmen laut Wikipedia Tochtergesellschaften oder Niederlassungen in Nienburg/Weser (Flexsys GmbH[ produziert Schwefel beispielsweise für Autoreifen), Köln, Leuna (Taminco Germany GmbH) und Großröhrsdorf (Southwall Europe GmbH).

Über Interzero

Dr. Axel Schweitzer. Foto: ALBA Group

Die Firmengruppe Interzero mit dem Hauptsitz in Deutschland ist nach Eigenangaben  ein führender Anbieter von Kreislauflösungen sowie Innovationsführer im Kunststoffrecycling mit der größten  Sortierkapazität Europas. Die Gruppe ist eng mit ihrem Schwesterunternehmen ALBA Group Asia verbunden, die beide von Chairman und Eigentümer Dr. Axel Schweitzer geleitet werden. Unter dem Leitgedanken “zero waste solutions” werde europaweit rund 20.000 Kunden geholfen, mit Wertstoffen verantwortungsbewusst umzugehen, um „ihre eigene Nachhaltigkeitsleistung zu verbessern und  Primärressourcen zu schonen“. Mit rund 2.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern  erzielte das Unternehmen 2021 einen Umsatz von über einer Milliarde Euro  Nach Eigenangaben konnten  durch die Recyclingaktivitäten von Interzero „allein im Jahr 2020 rund 1,4 Millionen Tonnen Treibhausgase im Vergleich zur Primärproduktion und 12,3 Millionen Tonnen Primärrohstoffe eingespart werden.

MKr/rd

Oberstes Bild:  Aus sonst nicht verwertbaren PET-Kunststoffabfällen wird durch die Chemische Recycling-Technologie von Eastman wieder hochwertiges PET-Granulat  Foto: Interzero GmbH & Co. KG

Links:

http://www.interzero.de

www.eastman.de

www.eastman.com

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