In Polen häufen sich die Müll-Brände

In Polen häufen sich die Müll-Brände

150 150 Klaus Henning Glitza

Regierungschef spricht von Verbrechern, die „unsere Kinder vergiften und Umwelt zerstören“

 

In Polen ist es zu einer Besorgnis erregenden Häufung von brennenden Müllhalden gekommen, die nicht allein mit der Wetterlage erklärt werden kann. Allein in diesem Jahr loderten 85-mal die Flammen, Stand Juni 2018. Der polnische Regierungschef Mateusz Morawiecki spricht offen von einer Müll-Mafia, die da am Werke sei.

Beispielfoto: Feuer als Recycling-Ersatz? In Polen scheinen kriminelle Strukturen diese billige Methode als “Geschäftsmodell” erkannt zu haben. Foto: 110stefan / pixelio.de

„Wir können nicht zulassen, dass Verbrecher uns und unsere Kinder vergiften und die Umwelt zerstören“, so der Ministerpräsident. Wohl deshalb hat er schwere Geschütze auffahren. Der als wenig zimperlich geltende Inlandsgeheimdienst ABW wurde mit weiteren Untersuchungen betraut. Ihm wird offenbar mehr vertraut als der Polizei.

Müll, Mafia, Machenschaften- das glaubt auch das polnische Umweltministerium. „Zumindest bei illegalen Deponien kann man davon ausgehen, dass absichtlich Feuer gelegt wurde, um den Müll loszuwerden“, so die offizielle Einschätzung.  In der Tat laufen die mutmaßlichen Brandstiftungen nach einem auffälligen Muster ab. Die Brände brechen meist am späten Nachmittag oder am Abend aus, und das bevorzugt an Wochenenden, wie die Tageszeitung “Gazeta Wyborcza” berichtet. Das offenbare Kalkül: zu diesen Zeitpunkten sind nicht alle Wehrleute erreichbar und die Löscharbeiten ziehen sich fast immer in die dunkle Nacht.

An reine Zufälle glauben in Polen die wenigsten. Denn allzu oft kommen die Brände extrem gelegen. Beispiel Zgierz, in Zentralpolen gelegen. Just als der Deponievertrag ablaufen war und der gelagerte Müll hätte für teuer Geld abtransportiert werden müssen, brach „just in time“ ein Großbrand aus. Rund 50.000 Tonnen brennender Müll hielten die örtlichen Wehren mehrere Tage lang in Trab. Ein Einsatz am Limit.

Der Verdacht: Bandenartige Strukturen machen so „günstige“ Preise für die angebliche Entsorgung, dass eine ordnungsgemäße Lagerung gar nicht möglich ist. Das dubiose Geschäftsmodell funktioniert aber nur, wenn auf kostenneutrale Art schnellstens Platz für neuen Müll geschaffen werden kann. Und das am besten durch die Müllverbrennung auf die kriminelle Art.

An Müll herrscht in Polen kein Mangel. Wie das polnische Umweltschutzministerien mitteilte, importierte Polen 2016 rund 951.021 Tonnen Müll aus Europa. Export- Spitzenreiter sind Deutschland (hier vor allem das Bundesland Brandenburg), Großbritannien und Italien. Der totale Importstopp Chinas für insgesamt 24 Müllarten hat den internationalen Müllhandel kräftig belebt. Längst gibt es einen neuen Beruf, den Müllmakler, der sich bestens auf den globalen Märkten auskennt. Und weiß, wo Müll zu Dumpingpreisen nach wie vor hochwillkommen ist.

Auch heute noch, in den Zeiten eines immer intensiver werdenden Umweltschutzbewusstseins.

khg

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