Heute gekauft- morgen schon im Container

Heute gekauft- morgen schon im Container

Heute gekauft- morgen schon im Container 150 150 Klaus Henning Glitza

Fast Fashion: Rasant wechselnde Modetrends lassen Mengen nach oben schnellen- doch die Qualität wird dabei immer schlechter

 

Fast Food kennt jeder, aber wussten Sie auch, dass es Fast Fashion gibt? Darunter ist schnelle Mode zu verstehen, die in immer kürzeren Abständen ihren Up-tot-date-Status verliert. Immer rasanter dreht sich das Modekarussell. Was heute noch in ist, kann morgen schon hoffnungslos out sein.

Beispielfoto Altkleidersammlung. Foto: Rudolpho Duba / pixelio.de,

Die Folge: Immer mehr Sammelcontainer quellen über vor gebrauchten Kleidungsstücken. Doch für Deutschlands Textilrecyclingunternehmen ist das alles andere als ein Grund zur Freude. Denn die Menge an gebrauchten Kleidungsstücken schnellt zwar nach oben, doch die Qualität wird immer schlechter. Manche Kleidungsstücke sind kaum noch das Recycling wert.

Modetrends wechseln schnell und Modeketten bringen ständig neue Kollektionen auf den Markt. Entsprechend häufig wird neue Kleidung gekauft. Derzeit sind dies rund 26 kg pro Bundesbürger und Jahr. 5,2 Milliarden Kleidungsstücke liegen schätzungsweise in den Kleiderschränken der modebewussten Deutschen.
Wenn häufig neue Ware gekauft wird, dann wird auch alte Kleidung immer öfter aussortiert und landet in der Altkleidersammlung. „In Deutschland beträgt das Altkleideraufkommen etwa 1,01 Millionen Tonnen pro Jahr. Tendenz steigend. Altbekleidung, Schuhe, aber auch gebrauchte Haustextilien, wie zum Beispiel Handtücher oder Bettwäsche, werden über Straßen- oder Containersammlungen erfasst. Die Textilrecyclingunternehmen sorgen für eine sinnvolle und ressourcenschonende Verwendung, doch das wird immer schwieriger“, erläutert Martin Wittmann, Vizepräsident und Vorsitzender des Fachverbandes Textilrecycling im böse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung.
Das Problem: Im Zuge der schnellen Kollektionswechsel müssen die Kleidungsstücke auch immer billiger werden. Die Produzenten reagieren darauf und bringen qualitativ schlechtere Ware in den Markt. „Allgemein können wir sagen, dass die Qualität zunehmend schlechter wird“, stellt Martin Wittmann fest.
Seit zwei bis drei Jahren registriert die Branche, dass die Altkleidercontainer regelrecht überquellen. Gleichzeitig fallen Absatzmärkte für die gebrauchten Kleidungsstücke weg. Gründe hierfür sind bewaffnete Konflikte, die Zollpolitik und Importbeschränkungen.
Überlegungen in Richtung einer kostenpflichtigen Altkleiderentsorgung hält der böse-Fachverband Textilrecycling für einen absolut falschen Ansatz. Denn Verbraucher würden ihre gebrauchten Textilen vor allem deshalb in Altkleidercontainer geben, um dadurch Hilfsbedürftige zu unterstützen. Bei einer kostenpflichtigen Abgabe bestehe die Gefahr, dass sich sowohl die Spendenbereitschaft als auch die Qualitäten komplett ins Gegenteil entwickeln, befürchtet man beim bvse.
Eine kostenpflichtige Abgabe würde zudem am “Fast-Fashion-Problem” überhaupt nichts ändern. Es müsse deshalb darum gehen, umzudenken und einen neuen, nachhaltigen und bewussten Umgang mit Kleidung in Gang zu setzen. Deshalb ist es erforderlich, dass alle Beteiligten zusammenarbeiten. Textilhersteller, Designer und Handel müssten sich ihrer Verantwortung stellen. „Wie in anderen Bereichen auch, müsste schon beim Design und der Stoffauswahl der Kleidung daran gedacht werden, dass die Kleidungsstücke auch nach ihrer ersten Nutzungsphase weiterverwendet werden können“, lautet daher der Vorschlag des bvse-Vizepräsidenten Martin Wittmann. Auch die Mode muss nachhaltiger werden.
rd/khg

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