Hauptgewinnerin des Hans Roth Umweltpreises ist Caroline Roithner von der TU Wien

Hauptgewinnerin des Hans Roth Umweltpreises ist Caroline Roithner von der TU Wien

1024 683 Klaus Henning Glitza

Insgesamt wurden fünf Wissenschaftler geehrt

 

Wissenschaftliche Arbeiten von Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern, die der Branche wichtige Impulse geben können, wurden zum bereits 17. Mal  mit dem Hans Roth Umweltpreis gewürdigt.

Mit der von ihr entwickelten Bewertungsmethodik für die Recyclingfähigkeit von Produkten errang Caroline Roithner von der TU Wien den Hauptpreis. Zusammen mit ihr  wurden am gestrigen Abend  vier weitere  weiblichen und männlichen Gewinner von Landeshauptmann Stellvertreter Stephan Pernkopf im Beisein zahlreicher Ehrengäste geehrt. Neben der TU Wien, BOKU Wien, Montanuniversität Leoben und der Karl-Franzens-Universität Graz hatte erstmals auch die FH St. Pölten teil. Die Verleihung fand in feierlichen Rahmen im Landhausschiff in St. Pölten statt.

Bewertung von Recyclingprozessen

Wie recyclingfähig ist ein Produkt? Dieser Frage ging Hauptpreisträgerin Caroline Roithner (TU Wien) nach.  Bisher wurde die Recyclingquote als einzig vergleichbarer Maßstab für ein gelungenes Recycling eingesetzt. Doch dieser Wert bietet zwar eine Quantifizierung, sagt jedoch nichts über die Qualität des beim Verwertungsprozess entstehenden Recyclingmaterials aus. In ihrer Dissertation: „Multiple Anwendung von Statistischer Entropie: Neue Methoden zur Bewertung der Effektivität von Recyclingprozessen sowie der Recyclingfähigkeit von Produkten“ hat Caroline Roithner eine Lösung beschrieben,   die Recyclingleistung auf Basis der Materialzusammensetzung zusätzlich qualitativ zu bewerten. Der neue Indikator ermöglicht aussagekräftige Vergleiche zwischen verschiedenen Recyclingverfahren und stellt somit eine wichtige Ergänzung zur herkömmlichen Recyclingquote dar. Die entwickelte Methode kann bereits im Produktdesign angewandt werden und zeigt, wie gut ein Produkt nach Ablauf seines Lebenszyklus‘ recycelt werden könnte.

Beste Voraussetzungen für eine nachhaltigere Produktentwicklung geschaffen. Die Erkenntnisse dieser wie auch die der anderen ausgezeichneten Arbeiten unterstützten die EU-Kreislaufwirtschaftsziele, die Recyclingleistung insgesamt zu verbessern und das Klima zu chützen, so die Jury.

Des Weiteren wurden  Anna Korak von der BOKU Wien, Michael Vonwald von der FH St. Pölten, Nikolai Emanuel Kuhn von der Montanuniversität Leoben sowie Nora Kober von der Karl-Franzens-Universität Graz ausgezeichnet.

Kamera als Selektor

In ihrer mit der Masterarbeit „Datengrundlage für eine selektive Wertstoffausschleusung einer Splittinganlage für Gewerbeabfälle und Sperrmüll“  hat sich Anna Korak den Einsatz einer Kamera zur Sichtung und Klassifizierung von angelieferten Abfällen nach ihrem potenziellen Wertstoffgehalt untersucht. Sie hat dabei  geprüft, ob eine Beurteilung des Wertstoffgehalts direkt bei der Übernahme sinnvoll ist, welcher potenzielle Wertstoffgehalt sich in der untersuchten Stichprobe befindet. In die Untersuchung  neben  der Bewertung des ökologischen Nutzens auch die Fragestellung eingeflossen,  ob eine ökonomisch effektive Aussortierung der Wertstoffe erreichbar ist.

Vernetzung industrieller Maschinen

Michael Vonwald hat mit seiner  Bachelorarbeit: „Smart Energy. Vorteile im Energiemanagement durch die Vernetzung industrieller Maschinen“ gleichfalls einen der begehrten Preise errungen. Er hat untersucht, wie durch einen verzögerten Betrieb Leistungsspitzen im Energieverbrauch vermieden und Kosten eingespart werden können. Mit Hilfe einer Simulationsapplikation und vergangenen Daten wurde das Leistungsspitzen-Managementsystem auf seine Wirkung hin getestet.

Verbesserte Sortierung von EAG

Auch Nikolai Emanuel Kuhnt reihte sich   mit seiner  Masterarbeit: „Entwicklung eines Objektdetektionsalgorithmus für ein Multisensor-Sortiersystem auf Grundlage eines künstlichen neuronalen Netzes und Sensordatenfusion“ in die Riege der Gewinner ein. Seine Arbeit verfolgte das Ziel,  eine Methode für die verbesserte Sortierung von Altstoffen in Elektro- und Elektronikgeräten zu entwickeln, damit mehr Rohstoffe recycelt und natürliche Ressourcen wie seltene Erden geschont werden können. Mit Hilfe eines Multisensor-Systems aus Nahinfrarot und sichtbarem Licht sollen erstmals Displays und Rückkappen von Smartphones von automatischen Sortiergeräten erkannt und getrennt werden. Das Prinzip der Sensordatenfusion und Machine-Learning-gestützten Datenauswertung ist auf verschiedene schwer zu sortierende Stoffströme anwendbar.

Bewertungstool für Innovationsprojekte

Gewinnerin Nora Kober zeigte mit der Masterarbeit: „Strategisches Innovationsmanagement am Front End eines Innovationsprozesses: Eine Fallstudie Handlungsmöglichkeiten und konkrete Methoden auf, wie innovative Ideen in Unternehmen zielgerichtet hervorgebracht werden können.

Dabei  entwickelte sie ein detailliertes Bewertungstool für Innovationsprojekte, um eine Hilfestellung für komplexe Entscheidungssituationen zu bieten. Das Bewertungstool berücksichtigt dabei sowohl soziale als auch ökonomische Kriterien, um Ideen auf ihren Beitrag zur Nachhaltigkeit prüfen zu können. Die empfohlenen Maßnahmen unterstützen die Auswahl der richtigen Ideen bzw. Projekte und die strategische sowie operative Verankerung von Innovationsaktivitäten im Unternehmen.

Zum Preis

Der Hauptpreis ist mit 3.000 Euro dotiert, die weiteren Gewinner erhalten je 1.500 Euro Preisgeld. Innovation fördern. Ziel des Preises ist, die Abfall- und Kreislaufwirtschaft hinsichtlich Digitalisierung, Wertschöpfung und Nachhaltigkeit zu verbessern. Bei der Beurteilung wird besonders auf konkrete Methoden, Originalität und Praktikabilität für die Umsetzung sowie deren ökonomischen und ökologischen Nutzen im Alltag Wert gelegt. Auch die Reduktion von schädlichen Klimagasen ist ein wesentliches Kriterium. Die Auszeichnung wird seit 2005 jährlich an fünf österreichischen und drei slowenischen Universitäten ausgelobt. Saubermacher CEO Ralf Mittermayr und F&E-Leiterin Astrid Arnberger verantworten die Organisation. Preisstifter und Saubermacher Gründer

Hans Roth ist beeindruckt über dier Kompetenz und Originalität der eingereichten Arbeiten: „Ich gratuliere allen Gewinner:innen ganz herzlich zu ihren herausragenden Abschlussarbeiten. Die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses ist wesentlich für die Innovationsfähigkeit unseres Landes und auch der Abfallwirtschaft im Speziellen. Ich finde das Engagement für eine lebenswerte Umwelt sehr lobenswert und beeindruckend.“

Mitglieder der Jury

Der unabhängigen Expertenjury gehören an: Professor Helmut Rechberger (TU Wien) , Professor Rupert Baumgartner und Professorin Ulrike-Maria Gelbmann (Carl-Franzens-Universität Graz), Professor Marion Huber-Humer (BOKU Wien), Professor Roland Pomberger (Montanuniversität Leoben), Professorin Marlies Temper und Professor Thomas Felberbauer (FH St. Pölten).  Professor Christoph Scharff (Technische Universität Wien) Christian Holzer(BMKUEMIT), Gerald Brantner(Billa AG), Rene Haber (Treibacher Industrie AG), Peter Giffinge (Saint-Gobain Austria GmbH, Alfred Riedl (Österreichischer Gemeindebund),  Werner Kraus (T-Mobile Austria GmbH) und Stephan Roth (Saubermacher).

BTW/rd

Oberes Bild: Preisträgerinnen und Preisträger (1. Reihe) sowie Organisatoren und Preisstifter  Hans Roth (2. Reihe, Mitte). Foto: Saubermacher  

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