Handel auf dem Wertstoffhof

Handel auf dem Wertstoffhof

150 150 Klaus Henning Glitza

 Weshalb drei Mitarbeitende des ASR Chemnitz vor Gericht landeten  

 

Harte Konsequenzen im Dreierpack.  Drei Ex-Mitarbeitende der Abfallwirtschafts- und Entsorgungsbetriebes der Stadt Chemnitz (ASR) verloren nicht nur ihren Job, sie standen überdies in der Öffentlichkeit als Straftäter da und mussten sich am vergangenen Montag vor dem Amtsgericht Chemnitz verantworten.

Die Anklagepunkte klingen hochkriminell: Untreue und Bestechlichkeit. Ronny S. (50), Rene S. (62) und. Stefan G. (63), einer von ihnen seit über 30 Jahren dabei,  wurde laut Freie Presse vorgeworfen,  entsorgte Gegenstände,  von  „ausgedienten Fernsehern über Metallgegenstände und Kabel bis zu Fahrrädern, Kinderspielzeug und Autoreifen“, an Interessenten weitergegeben zu haben. Nicht selten gegen ein „kleines  Dankeschön“  von jeweils zehn Euro. Abzustreiten gab es nichts. Die Polizei hatte nach direkten Hinweisen am Wertstoffhof Weißer Weg im ersten Quartal 2020 Kameras installiert. Su wurden unwiderlegbare Videobeweise gewonnen. Von rund 60 dokumentierten Taten ist die Rede. Die Angeklagten stellten das vor Gericht auch nicht in Abrede.

„Eigentlich eine gute Sache, wenn in unserer Wegwerfgesellschaft solche Dinge wiederverwendet werden”, zitiert die Freie Presse den zuständigen Richter.  Doch die Sache hatte ein Haken.. Rein rechtlich betrachtet war es  fremdes Eigentum, mit dem die Drei vom Wertstoffhof handelten. Wer etwas entsorgt, und sei es Schrott, überstellt es in das Eigentum des Entsorgers.   in diesem Fall der Stadt Chemnitz.  Das Trio wurde somit der Veruntreuung von ihm anvertrauten Gut und der Bestechlichkeit, weil Geld  im Spiel war, bezichtigt.

Vor Gericht erschien es allerdings so, als wären  die „Geschäfte“ nicht ganz so geheim gewesen, wie es ein Medium titelte. „Es wird davon ausgegangen, dass derlei Verhalten in einzelnen Bereichen des ASR über Jahre hinweg gang und gäbe gewesen ist, ohne dass jemand daran nennenswert Anstoß genommen hätte. (…) Zum Teil, so äußerte ein Angeklagter, seien auch Vorgesetzte und ehemalige Mitarbeiter beteiligt gewesen“, schreibt die Freie Presse „Wir durften für uns selbst Schrott mitnehmen“ gibt Tag24 die Gerichtsaussage des  Ex-Mitarbeiters Ronny S. wieder.

Dann schien aber der Handel ausgeufert zu sein  Er nahm offenbar so schwunghafte Ausma0e an, dass die Polizei eingeschaltet werden musste.

Schon bestraft genug

Der Amtsrichter wog ab. Er berücksichtigte, dass das Trio bereits empfindliche Strafen weg hatte. Die Arbeitsplätze verloren, neue Jobs zu finden ist für lebensältere  Bewerber mehr als schwierig, sozialer Abstieg, Positiv angerechnet wurde auch, dass alle Drei ein blütenweißes Führungszeugnis hatten. Zudem erschien die Schuld gering  und die Schadensumme überschaubar.  So wurde das Verfahren gegen Auflagen eingestellt.

Straflos kamen die Männer dennoch nicht davon. Sie müssen zweimal rund 1.000 und einmal 600 Euro an gemeinnützige Einrichtungen zahlen.

Mancher von ihnen mag sich gefragt: Was es das wirklich wert?

Die ASR war gestern für Auskünfte nicht erreichbar.

EM unter Verwendung von Material der Freien Presse und Tag24

Oberes Foto: Das Amtsgericht in Chemnitz. Foto: AG Chemnitz

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