Gute Absichten, suboptimale Ergebnisse

Gute Absichten, suboptimale Ergebnisse

795 530 Klaus Henning Glitza

Aktuelle Civey-Umfrage zur Mülltrennung in Deutschland:  Unakzeptable  Fehlwurfquoten sind an der Tagesordnung

 

Agil auf dem Spielfeld, aber die meisten Torchancen verpasst. Dieser Vergleich drängt sich auf, wenn man das Trennhalten unserer Landsleute betrachtet. Laut einer aktuellen Umfrage, die von  ALBA Europe Holding plc & Co. KG  in Auftrag gegeben wurde,   wird in Deutschland zwar mit großem Eifer Müll getrennt, aber offensichtlich größtenteils in falscher Weise.

Gut gemeint, aber nicht optimal gemacht. Das ist die Quintessenz einer repräsentativen Civey-Erhebung, bei der Mitte Juli über 2.500 Bundesbürger zum Thema Mülltrennung befragt wurden.  Tatsächlich gaben in der Umfrage über 35 Prozent der Interviewten an, ihren Biomüll nicht zu trennen, sondern in die Restmülltonne zu werfen. Dass dies in der Tat so ist, belegt eine Studie  des Umweltbundesamts. Danach sind zwei Drittel des Inhalts der Restmülltonne Abfälle, die man eigentlich getrennt sammeln und recyceln könnte. Obwohl  seit 2015 das Kreislaufwirtschaftsgesetz jeden – Mieter wie Hausbesitzer-  zur Mülltrennung – verpflichtet.

Die Bevölkerungsdichte hat unmittelbaren Einfluss auf das Trennverhalten. Sprich: in ländlichen Gebieten wird besser getrennt als in städtischen Umfeldern. Grafik: Civey/ALBA ,

Auch bei den Leichtverpackungen (LVP)  sieht  es ähnlich aus, „Allein in der Gelben Tonne sind ‚Fehlwürfe‘ von bis zu 30 Prozent keine Seltenheit“, erklärt ALBA-Chef Dr. Eric Schweitzer. Und er warnt: „Jeder, der seine Abfälle achtlos in die schwarze Tonne wirft oder falsch trennt, füttert damit die klimaschädlichen Müllverbrennungsanlagen im Land.“ Und davon gebe es „viel zu viele“.

 Nachholbedarf in Deutschland

Was verbrannt ist, sei unwiederbringlich verloren, heißt es dazu in einer ALBA-Mitteilung weiter. „Je mehr Abfall verbrannt wird, desto geringer ist der Druck den Müll zu trennen, zu sortieren und zu recyclen. Und desto höher sind die Kosten unserer Gesellschaft für Energie und die Produktion neuer Rohstoffe.“ Deutschland habe also weiter Nachholbedarf bei Mülltrennung und Recycling. „Zu viel wird vergeudet. Und das Potenzial der Restmülltone ist enorm“.

Dabei fehlt es nicht am guten Willen. Nur 3,8 Prozent der Deutschen gaben laut Civey-Umfrage  an, ihren Abfall gar nicht zu trennen. Rund 85 Prozent versicherten, ihr Altglas in den Container zu werfen oder die  Gelbe Tonne oder den Gelben Sack zu benutzen. Sogar 90 Prozent der Befragten bekundeten, ihr Altpapier zum Recyceln zu geben,

Daraus wird laut ALBA deutlich: „Deutschland hat weiter Nachholbedarf bei Mülltrennung und Recycling“.

Richtungsweisende Schritte gefordert

Unter Berücksichtigung der Umfrageergebnisse sieht das Unternehmen die folgenden Schritte als richtungsweisend und zielführend  an.

  1. Mehr Information und Aufklärung: Eine Minderheit in der Bevölkerung trennt keinen Müll. Doch vor allem beim Biomüll ist das Potenzial noch erheblich. Hier besteht großer Nachholbedarf an Überzeugungsarbeit seitens Wirtschaft, Kommunen und Politik. Und auch die Mehrheit, die Müll trennt oder trennen will, benötigt wiederholt Anleitung, was in welche Tonne gehört. Informationsangebote mit Tipps zur richtigen Mülltrennung gibt es genug. Diese müssen den Menschen aber offensichtlich näher gebracht werden.
  2. Preis für die klimaschädliche Müllverbrennung erhöhen: Das Kabinett hat den Vorschlag von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck vergangene Woche abgesegnet, Müllverbrennungsanlagen endlich in den deutschen Emissionshandel mit einzubeziehen: Wer Müll verbrennt, soll demnach ab 2023 seinen CO2-Ausstoß bezahlen. Abfall gehört nicht ins Feuer sondern ins Recycling. Derzeit bekommen die Müllkraftwerke sogar noch Geld dafür, dass sie den Restmüll verfeuern und daraus teuer Strom und Wärme verkaufen können. Diese Praxis sollte schleunigst ein Ende finden. Denn die Stadtwerke, die meist die Betreiber der Müllheizkraftwerke sind, haben so wenig Interesse an Mülltrennung und Recycling.
  3. Deutschland braucht mehr Biomülltonnen: Seit 2015 sind Städte und Gemeinden in Deutschland nach dem Kreislaufwirtschaftsgesetz verpflichtet, ihren Bürgern ein System zur Trennung von Bioabfällen, also von Küchen- und Gartenabfällen, bereitzustellen. Umweltschutzorganisationen wie der NABU rechneten 2020 vor, dass in 56 von 402 Landkreisen und kreisfreien Städten, also in fast jedem siebten Kreis, keine flächendeckende Biotonne angeboten wird. Dort, wo die Biotonne Pflicht ist, steigt die Pro-Kopf-Sammelmenge rapide an. Hier müssen die Bundesländer schleunigst auf den Vollzug des Gesetzes drängen. Kein Witz: Bioabfälle haben mittlerweile geostrategische Bedeutung. Denn Biomüll wird durch Vergärung zu Biogas und kann so einen Großteil des russischen Erdgas ersetzen.
  4. Finanzielle Anreize für Mülltrennung: Je besser der Müll getrennt wird, desto kleiner kann die schwarze oder graue Restmülltonne ausfallen. Und desto niedriger könnten dafür die Müllgebühren sein. Davon profitieren nicht nur Klima und Umwelt, sondern auch der Geldbeutel von Hausbesitzern und Mietern. Im Gegenzug muss die Bundesregierung wie in Robert Habecks Osterpaket vorgeschlagen, die Biomethan-Erzeugung stärker fördern statt sie weiter klein zu halten. Wie gesagt: Gerade Biomüll hat angesichts der russischen Aggression jetzt und in Zukunft geostrategische Bedeutung.

Dieser Superwerte beim Mülltrennen zum Trotz sind die Fehlwürfe bezüglich LVP und Biogut unakzeptabel hoch. Grafik: Civey/ALBA

Über ALBA

Nach Eigenangaben sammelt und recycelt ALBA an über 100 Standorten in Deutschland Abfälle aller Art, darunter Papier, Kunststoffe, Glas, Bauschutt oder Biomüll. Wie es in einer ALBA-Mitteilung heißt, werde der Müll von rund 25 Millionen Einwohnern fachgerecht, umwelt- und klimaschonend verwertet, was Ressourcen, Rohstoffe und Energie  spare und den Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid senke.

ALBA betreibt nach  eigenen Angaben   mehrere Anlagen zur Vergärung von Bioabfällen und Herstellung von Ersatzbrennstoffen. Insgesamt gewinne das Unternehmen  aus Restmüll, Ersatzbrennstoffen, Altholz und Bioabfällen rund 2,8 TWh Strom im Jahr und 2,1 TWh Wärme, wird in einer Mitteilung  ausgeführt. Das decke die Stromversorgung einer Millionen-Stadt und liefere Wärme für eine Großstadt mit etwa 500.000 Einwohnern. Etwa 69 Prozent der Energieerzeugung bei ALBA Europe seien regenerativ. Zudem speise ALBA noch über 60 GWh Biogas ins Gasnetz ein, mit dem immerhin noch eine Kleinstadt mit 15.000 Einwohnern mit Wärme versorgt werden kann.

Mit rund 1,3 Milliarden Euro Jahresumsatz und gut 5.400 Mitarbeiter aus insgesamt 80 Nationen zählt  ALBA  zu den Top 10 der europäischen Entsorgungsunternehmen.

Zum Institut und zur Umfrage

Das Meinungsforschungsinstitut Civey wurde als Start-up 2015 gegründet. Civey steht für Citizen und Survey. Nach Eigenangaben  ist das in Berlin ansässige Unternehmen „der Vorreiter für digitale Markt- und Meinungsforschung in Echtzeit mit dem größten Open-Access-Panel in Deutschland“.  .

Die aktuelle Umfrage bestätigte erneut; Die Ältere nehmen es beim Mülltrennen etwas genauer als die Jüngeren, auf dem Land trennt man seine Abfälle etwas gewissenhafter als in der Stadt.

AL/EM/rd

Oberstes Bild: „Jeder, der seine Abfälle achtlos in die schwarze Tonne wirft oder falsch trennt, füttert damit die klimaschädlichen Müllverbrennungsanlagen im Land“, warnt ALBA-Chef Dr. Eric Schweitzer. Foto: ALBA

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